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Warum die WEF-Klimawanderer die Demo verpassten

Klimaaktivisten hatten in Davos auf eine grosse Demo gehofft. Doch es kamen bis zum Ende nur rund hundert Leute. Das lief falsch.

Müde aber glücklich: Klimaaktivisten erzählen vom Marsch nach Davos. (Video: Anja Stadelmann)

Mitten im Dorf, oberhalb der Haltestelle Davos Platz, protestieren am Dienstagnachmittag rund hundert Leute. Obwohl die Klimadiskussion so präsent ist wie nie, haben es die Klimaaktivistinnen und -aktivisten nicht geschafft, in Davos ein grösseres Zeichen zu setzen als im vergangenen Jahr. Dass es nur so wenige bis nach Davos geschafft haben, hat verschiedene Gründe.

Der Ursprung des Problems war die fehlende Bewilligung für den letzten Abschnitt der Klimawanderung. Die Hauptstrasse von Klosters nach Davos umgingen die rund 600 Teilnehmenden der Klimawanderung von Landquart nach Davos stattdessen auf Wanderwegen. Dabei mussten sie einmal die Kantonsstrasse überqueren und legten dabei den Verkehr lahm. Auf Anfrage hiess es bei der Kantonspolizei Graubünden, es handle sich um eine Strassenüberquerung, die im Rahmen des Marsches bewilligt worden sei. Doch von den mehreren hundert Klimawandernden entschieden sich rund 50 dazu, die Gunst der Stunde zu nutzen, sich für 45 Minuten auf die Strasse zu setzen und den Verkehr von und nach Davos zu blockieren.

Ein weiterer Grund für die Verspätung war: Die Organisatoren hatten die Trägheit der Masse unterschätzt: «Mit so vielen Leuten ist man einfach nicht so schnell wie erwartet» sagt Julia Küng, Co-Präsidentin der jungen Grünen. «Doch die Wanderung war mega, mega eindrücklich». Statt eine Wanderung zur Demonstration seien die ganzen drei Tage wie ein grosser Demonstrationszug gewesen. Aufgrund der schmalen Wege mussten sie ausserdem zeitweise hintereinander laufen.

Das grosse Warten

Derweil improvisierte die Gruppe vor dem Rathaus in Davos. Sie skandierte hin und wieder die üblichen Parolen («What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!»), sangen Lieder wie «Bella Ciao» und liessen Wissenschaftlerinnen und Klimaaktivisten ans Mikrofon. Medienschaffende aus verschiedenen Ländern waren anwesend und befragten die Teilnehmenden, darunter die Moderatorin der Demonstration und Ronja Jansen. Sie sei zu beschäftigt gewesen mit Terminen, um an der Wanderung teilzunehmen, sagte die Juso-Chefin. Deshalb sei sie direkt an die Demo gekommen – die Option für Handicapierte und alle, die sich keine Zeit für die Wanderung freinehmen konnten.

Derweil blickten die Aktivistinnen und Aktivisten immer wieder fragend aufs Handy und führten Gespräche, statt eine grosse Masse zu bilden, die lautstark ihre Meinung kundtut - wie man es von anderen Klimastreiks kennt.

Strahlende gerötete Gesichter

Gegen 17 Uhr war klar, dass es die Wandergruppe nicht mehr schaffen würde und das Essen wurde ausgeteilt. Bald nach der veganen Stärkung löste sich die Gruppe auf, als plötzlich in der Ferne Rufe zu vernehmen waren. Mit einem Banner über die ganze Strassenbreite trafen um 17.30 Uhr doch noch die rund 600 Menschen vor dem Rathaus oberhalb der Haltestelle Davos Platz ein.

Die Neuankömmlinge wärmten sich die Hände, lachten und sprachen von einer erfolgreichen Aktion. Ob sie jedoch von WEF-Teilnehmenden wahrgenommen wurden, bezweifeln sie selbst: «Es wäre natürlich schon etwas Anderes gewesen, hätten wir direkt vor dem Kongresszentrum demonstriert», sagt eine junge Aktivistin, die regelmässig an Klimastreiks teilnimmt. Weil die Wanderung durchs Dorf nicht bewilligt wurde, kam der Umzug fern vom Kongresszentrum zu einem Ende. Die Demonstrierenden waren dennoch sehr glücklich und strahlten ausnahmslos Zufriedenheit aus. «Es ist einfach eine wunderbare Stimmung, da keimt Hoffnung auf», sagt ein 70-jähriger Mitwanderer.

Um 17.56 Uhr schliesslich die letzte Nachricht im Telegram-Kanal, der als Informationsplattform genutzt wurde: «Juhui, wir sind am Ziel! Wir haben mit der Winterwanderung «Strike WEF» ein unübersehbares Zeichen für Klimagerechtigkeit gesetzt, sind drei Tage gewandert und die Zufahrtsstrasse blockiert.» Es scheint fast ein wenig so, als sei das Erlebnis für die Klimawanderer im Vordergrund gestanden. (ajs)

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