Wie Top-Bosse den US-Präsidenten umschmeicheln

Trump dinierte am WEF in Davos mit 15 der wichtigsten Wirtschaftskapitäne Europas, darunter auch von drei Schweizer Konzernen.

Skurril, wie Trump die Konzernchefs – einer nach dem anderen – deren Verdienste für die USA aufzählen lässt.
Video: Tamedia-Webvideo / Yotube

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US-Präsident Donald Trump pflegt gern das Image eines erfolgreichen Geschäftsmanns. Kein Wunder, dass er sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos sichtlich wohl fühlt beim Dinner mit den Chefs 15 europäischer Grosskonzerne.

Zu Beginn des Nachtessens am Donnerstagabend sind die Medien noch zugelassen. Und so wird man via Youtube-Video und dank der vom Weissen Haus verbreiteten Abschrift der Gespräche Zeuge einer schon bizarr wirkenden Vorstellungsrunde. Aus der Schweiz sind mit von der Partie Nestlé-Chef Mark Schneider, Novartis-Chef Vas Narasimhan und ABB-Boss Ulrich Spiesshofer. Als einziger Banker hat es HSBC-Chef Mark Tucker an den Präsidententisch geschafft. Der Reihe nach stellen sich Europas Wirtschaftsalphatiere brav vor und überbieten sich förmlich dabei, welcher Konzern am meisten für die US-Wirtschaft tut.

Siemens-Chef kann punkten

Gleich zu Beginn kann hier Siemens-Chef Joe Kaeser ordentlich Punkte machen. Wortreich dankt er Trump für seine Steuerreform. «Daher haben wir uns entschieden, die nächste Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln», kündigt Kaeser an und erntet ein begeistertes «that’s great» – und bekommt dazu noch ein spontanes Händeschütteln mit dem US-Präsidenten, der direkt neben ihm sitzt.

Als erster Schweizer Vertreter ist etwas später Nestlé-Chef Mark Schneider dran. «Nestlé wurde mitbegründet – und das wissen nur wenige – von amerikanischen Brüdern, die nach dem Bürgerkrieg in die Schweiz zogen», erklärt Schneider und färbt damit den Nahrungsmittelriesen eilig als heimliches US-Unternehmen ein. Der Aufklärungsbedarf scheint gross, denn viel scheint Trump vom grössten Lebensmittelkonzern der Welt nicht zu wissen. «Die Menschen verbinden Nestlé stets mit Süssigkeiten, aber ich las kürzlich, dass dies nur drei Prozent ihres Geschäfts ausmacht. Was sind dann Ihre wichtigsten Produkte?», fragt Trump. «Kaffee, Kindernahrung, Wasser und Tierfutter, das sind unsere Wachstumstreiber», referiert Schneider mit leiser Stimme. «Ja. Fantastischer Job», sagt Trump. Und erteilt schon dem nächsten Redner das Wort.

So geht das gut 20 Minuten lang. Der frischgebackene Novartis-Chef Vas Narasimhan lobt Trump dafür, dass der neue Chef der mächtigen US-Zulassungsbehörde FDA, Scott Gottlieb, der Branche entgegenkommt und die Genehmigung neuer Wirkstoffe stark beschleunigt hat. «Wir glauben, dass Sie da ein grossartiges Führungsteam haben, das alles richtig macht, um Innovationen zu beschleunigen», sagt Narasimhan.

So was geht Trump natürlich runter wie Öl: «Das ist fantastisch. Scott Gottlieb, wie Sie wissen, ist ein Star», so Trump. «Er ist ein Star», stimmt ihn Narasimhan zu.

Steuerberatung von Trump

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer hat bei Trump ein sicheres Heimspiel: Schliesslich kauft der Konzern gerade von General Electric dessen Elektrosparte für 2,6 Milliarden Dollar, wo 135’000 Menschen arbeiten. Und Deals, das sind bekanntlich Trumps Leidenschaft. «Haben Sie einen guten Preis bekommen?», fragt er Spiesshofer. «Ich habe einen guten Preis bekommen, yeah», gibt dieser freundlich zurück.

Und bekommt von Trump eine kleine Gratis-Steuerberatung, denn Trump weist den ABB-Chef darauf hin, dass der Konzern dank der US-Steuerreform künftig solche Zukäufe in nur einem Jahr abschreiben und damit massiv Steuern sparen kann. «Das macht einen grossen Unterschied, oder?», fragt Trump rhetorisch.

So endet die Vorstellungsrunde in fast schon unheimlicher Harmonie. Die Medien müssen raus, und man erfährt nicht, ob die Top-Elite der europäischen Grosskonzerne noch den Schneid aufbrachte, dem US-Präsidenten auch ein paar unangenehme Wahrheiten zu sagen: dass seine neusten Schutzzölle die Sorge vor einem Handelskrieg befeuern und sein Finanzminister mit dem Wunsch eines schwachen Dollars gerade die Devisenmärkte unnötigerweise durcheinanderwirbelt.

Erstellt: 26.01.2018, 12:55 Uhr

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