Weihnachtliche Kerzenbrände: Schäden bis 5,2 Millionen Franken

Die Anzahl Brände durch Kerzen steigt an den Feiertagen regelmässig bis auf das Zehnfache an. Auch weil wir stärker an Christbaumkerzen hängen als andere.

Aus Kerzenzauber wird schnell ein Brand – und ein teurer Schaden.

Aus Kerzenzauber wird schnell ein Brand – und ein teurer Schaden. Bild: Keystone

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Immer am 1. Advent beginnt die Zeit der Hausbrände verursacht durch Kerzen. Mit dem Jahreswechsel stehen uns die gefährlichsten Tage aber noch bevor. Wie stark die Brandzahlen während der jetzigen Festtage steigen, zeigen die Zahlen der Vereinigung der Kantonalen Gebäudeversicherungen (VKG) aus dem Zeitraum zwischen 2009 und 2018. Dank jährlichen Präventions- und Informationskampagnen ging die Anzahl der Kerzenbrände in diesem Zeitraum zwar zurück, trotzdem verursachen sie weiterhin Schäden in Millionenhöhe.

Die VKG stellt als Vereinigung von achtzehn kantonalen Gebäudeversicherungen Zahlen der Kerzenbrände dieser Kantone über die letzten zehn Jahre zur Verfügung. Nationale Werte dürften demselben Muster folgen, liegen aber noch deutlich höher als die in dieser Untersuchung vorliegenden Zahlen. Bemerkenswert ist der Anstieg an Bränden an Heiligabend, den beiden Weihnachtstagen und zum Jahreswechsel – ein Muster, das sich jährlich wiederholt. Im Vergleich zum jährlichen Durchschnitt steigt die Anzahl Brände an diesen Tagen bis auf das Zehnfache an.

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) stand 2018 in 58 Prozent aller Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum. Davon wurde ein Viertel mit traditionellen Weihnachtsbaumkerzen aus Wachs beleuchtet. Also kommen klassische Christbaumkerzen in rund 570'000 Schweizer Haushalten zum Einsatz – im internationalen Vergleich ein ausgesprochen hoher Wert.

Als Gegenbeispiel: In den 1950er-Jahren wurde in den Vereinigten Staaten die Anschaffung elektrischer Christbaumbeleuchtungen für die breite Bevölkerung erschwinglich. Die Amerikaner zeigten schnell eine hohe Akzeptanz der neuen Christbaumbeleuchtung. Innert kürzester Zeit wurden an US-Weihnachtsbäumen flächendeckend Wachskerzen durch elektrische Beleuchtungen ersetzt. Darüber, ob die Technikaffinität oder ein hohes Sicherheitsbewusstsein die starke Adoptionsbereitschaft erklären, kann nur spekuliert werden.

In den USA finden sich heute Christbaumkerzen jedoch fast nur noch in Haushalten von traditionsbewussten europäischen Expats, was einem Bruchteil aller Haushalte entspricht. In der Schweiz halten 15 Prozent der Haushalte an der Tradition von Weihnachtsbaumkerzen fest.

Auch deshalb entstehen an den Festtagen Jahr für Jahr in den 18 VKG-Kantonen Immobilienschäden von 3,48 Millionen Franken. Gemäss Einschätzung der VKG dürften für die restliche Schweiz grob 280 weitere Fälle dazukommen. Schweizweit liegt so die mittlere Schadenssumme bei circa 5,2 Millionen Franken pro Jahr – Schäden am Mobiliar nicht mitgezählt. Durchschnittlich verursachten Brände, die durch Kerzen entfacht wurden, im untersuchten Zeitraum einen Schaden von 20'000 Franken.

Betrachtet man die Anzahl registrierter Kerzenbrände an den Feiertagen isoliert, lässt sich eine rückläufige Entwicklung feststellen. 2009 wurden im Zeitraum vom 1. Dezember bis zum 15. Januar 198 Brände registriert. Im selben Zeitraum brannten 2018 noch 114 Haushalte. Wohl auch dank regelmässiger Aufklärungskampagnen sank die Anzahl Brände durch Kerzen statistisch mit jedem Jahr um zehn Fälle. Die BfU, die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) und die Suva empfehlen dabei in erster Linie, Kerzen aus Wachs durch LED-Lichter zu ersetzen.

Wer nicht auf das Licht von Wachskerzen verzichten kann, sollte die folgenden Empfehlungen berücksichtigen:

  • Weihnachtsbaum ins Wasser stellen, um ihn länger feucht zu halten.
  • Für Notfälle eine Löschdecke griffbereit halten. Tipps zum Kauf von Löschdecken gibt es auf Produkte.bfu.ch.
  • Kerzen löschen, wenn sie nicht beaufsichtigt werden.
  • Kerzen standsicher aufstellen, auf einer nicht brennbaren Unterlage mit ausreichend Abstand zu Textilien, Dekorationen und anderen brennbaren Materialien.
  • Für einen stabilen, aufrechten Halt der Kerzen auf Adventskränzen und Christbäumen sorgen.
  • Kerzen auswechseln, bevor sie ganz niedergebrannt sind – spätestens zwei Fingerbreit oberhalb des Adventskranzes oder Weihnachtsbaums.
  • Kerzen an dürren Adventsgestecken oder Weihnachtsbäumen nicht mehr anzünden.
  • Dürre Adventsgestecke nie im Cheminée verbrennen, sondern entsorgen.

Eindrückliche Demonstration :Ein trockener Weihnachtsbaum brennt innert Sekunden. (Video: Nist)


So bleibt der Weihnachtsbaum schön und ungefährlich: So bleibt der Weihnachtsbaum schön und ungefährlich. (Video: Sarah Sbalchiero)

Erstellt: 26.12.2019, 07:52 Uhr

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Zu den Daten

Die Zahlen der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) umfassen registrierte Brände aus 18 Kantonen. Registriert wird ein Brand bei der VKG, wenn ein Gebäudeschaden vorliegt; nicht aber jene, bei denen nur Mobiliar beschädigt wurde. Zu beachten ist ausserdem: In der Auswertung wurden nur Brände berücksichtigt, von denen Kerzen als eindeutige Brandursache identifiziert werden konnten. Der Anteil ungeklärter Brandursachen beträgt im entsprechenden Zeitraum 30 Prozent. Darunter dürften sich auch etliche «Kerzenbrände» befinden. Mit anderen Worten: Die in den Grafiken aufgeführten Zahlen geben nur eine untere Grenze für die Anzahl der durch Kerzen verursachten Brände wieder.

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