Wie Banken Senioren vor Betrügern schützen wollen

Mit Algorithmen gegen Enkeltrickbetrug: Ein Software sagt voraus, welche Kunden gefährdet sind.

Ein älterer Mann am Zürcher Paradeplatz: Kriminelle zielen oft auf Senioren ab.

Ein älterer Mann am Zürcher Paradeplatz: Kriminelle zielen oft auf Senioren ab. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fürs Alter vorsorgen, das machen viele Schweizer. Die grossen Vermögen der Schweiz häufen sich bei den über 55-Jährigen an. Sie haben nicht nur das Kapital, sondern auch das Know-how, es richtig anzulegen, heisst es in Studien zum Thema. Die etwas ältere Kundschaft ist daher für die Banken besonders interessant.

Doch bei einigen Senioren führt die Alterung zu Problemen. Ernsthafte Erkrankungen wie Alzheimer, aber auch der normale Alterungsprozess können dazu führen, dass Kunden Entscheide mit ihrem Geld treffen, die sie später bereuen. Das nutzen Kriminelle aus, um an ihr Geld zu kommen. Immer mehr Banken machen sich Gedanken darüber, wie sie diese Kundschaft besser beschützen können, so der «Economist».

Hohe Dunkelziffer

Es gibt keine Angaben zu den Vermögen, die bei Pensionären durch Betrugsmaschen verloren gehen. Aus Scham wagen es die Opfer oftmals nicht, sich bei der Polizei zu melden. True Link Financial, ein US-Finanzdienstleister, der sich auf die Beratung von ältere Kunden spezialisiert hat, schätzt, dass in den USA zwischen 3 und 37 Milliarden Dollar von Senioren gestohlen werden. Wobei es sich dabei um eine sehr vage Hochrechnung handelt, die auf wenigen Einzelfällen basiert.

Umfrage

Finden Sie es richtig, dass Banken ihre Kunden überwachen, um sie vor Betrug zu schützen?




In Grossbritannien warnt die Finanzaufsicht vor Betrügereien, die auf ältere Personen abzielen. Dabei würden ihnen etwa Aktien, edle Weine oder Diamanten verkauft, die dann niemals ausgeliefert werden. Offenbar fallen Menschen über 75 besonders häufig auf diese Betrugsart herein. In Grossbritannien würden unter den Kriminellen sogar Listen mit älteren Personen kursieren, die sich besonders leicht hereinlegen lassen, schreibt der «Economist».

Training gegen Enkeltrickbetrug

In der Schweiz sorgt der Enkeltrickbetrug regelmässig für Schlagzeilen. Senioren lassen sich von vermeintlichen Verwandten davon überzeugen, dass diese dringend Geld brauchen. Sie gehen auf die Bank, beziehen Tausende Franken und überreichen es dem vermeintlichen Enkel. Die Masche ist nicht neu. Seit Jahren trainieren daher auch hiesige Banken ihre Mitarbeiter. Will ein Bankkunde etwa ungewöhnlich viel Geld von der Bank abheben, wird er vom Bankangestellten auf die Risiken hingewiesen. Immer wieder vereiteln Bankangestellte oder gewiefte Senioren den Plan der Betrüger.

Ganz so einfach ist es aber oft nicht. Denn für die Mitarbeiter am Schalter ist es heikel, ihren Kunden die Auszahlung zu verweigern. Die Kunden wollen sich nicht bevormunden lassen oder empfinden es als einen Eingriff in die Privatsphäre, wenn ihnen am Schalter zu viele Fragen gestellt werden.

20'000 ältere Kunden unter Beobachtung

Einige Banken bilden ihre Mitarbeiter so aus, dass sie Anzeichen einer Demenz erkennen oder Kunden melden, die nicht mehr verantwortungsvoll mit ihrem Geld umgehen können. Wie der «Economist» schreibt, setzen ausländische Institute zunehmend auf technologische Unterstützung.

Bei der britischen Barclays kommen Algorithmen zum Einsatz, die ungewöhnliche Ausgabemuster erkennen. Die Software soll aber schon Hinweise geben, bevor es zu spät ist. Mit der Hilfe von historischen Daten hat die Bank 20'000 Kunden eruiert, die in Zukunft Opfer von Betrugsmaschen sein könnten.

Sie überwacht und betreut diese Kunden nun intensiver. In der Schweiz gibt es offenbar noch kein Institut, das auf diese Technologie setzt. Dabei könnte es sich für die Banken auszahlen. Niemand möchte sein Geld verlieren, so der Alzheimer-Forscher Jason Karlawish gegenüber dem «Economist». Wenn die Banken ihre älteren Kunden richtig schützen würden, könnte das von der Kundschaft honoriert werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.02.2017, 16:21 Uhr

Artikel zum Thema

Wenn Banken beim Enkeltrick scheitern

Immer wieder versuchen Enkeltrickbetrüger, Betagte um ihr Erspartes zu bringen. Die Banken geben an, dass sie Mitarbeiter deswegen schulen – und das System trotzdem in letzter Minute versagen kann. Mehr...

Enkeltrick-Betrugsfälle verdoppeln sich – innerhalb eines Jahres

Noch nie gab es in der Schweiz so viele Opfer von Enkeltrick-Betrügern wie dieses Jahr. Knapp vier Millionen Franken erbeuteten die Gauner auf diese Weise. Der Kanton Zürich ist am stärksten betroffen. Mehr...

Enkeltrick: Banken können die Opfer nicht schützen

Jeder Franken, den die Enkeltrickbetrüger erschleichen, geht über den Schalter einer Bank. Um Senioren vor sich selbst zu schützen, fehlen den Banken die Mittel. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Zahlgewohnheiten ändern sich

Für viele Menschen ist Bargeld heute noch das Nonplusultra. Kreditkarten gelten oft als teuer und eher unpraktisch. Doch die Zeiten ändern sich. Und vor allem die Karten selbst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Zyklon Idai: Ein Mädchen beobachtet sichtlich geschockt, wie Menschen aus der Stadt Buzi in Mosambik nach ihrer Rettung am Hafen in Beira an Land gehen. (22. März 2019)
(Bild: Andrew Renneisen/Getty Images) Mehr...