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Wie es Donald Trump gefällt

Besonders Autohersteller sind auf den Goodwill der US-Regierung angewiesen. Das weiss Donald Trump genau.

Ford-Chef Mark Fields kündigt in Flat Rock, Michigan, grosse Investitionen in den USA an. Foto: Rebecca Cook (Reuters)
Ford-Chef Mark Fields kündigt in Flat Rock, Michigan, grosse Investitionen in den USA an. Foto: Rebecca Cook (Reuters)

Es sah nach einer totalen Kehrtwende aus, als Ford am Dienstag den Verzicht auf den Bau eines Fertigungswerks in Mexiko ankündigte und dafür Investitionen von 700 Millionen Dollar in den USA bekannt gab. Ebenso schien, als ob Donald Trump höchstpersönlich das Umdenken provoziert hätte. Das Befinden des künftigen Präsidenten und das öffentliche Image von Ford spielten sicherlich eine Rolle beim Entschluss, doch wirklich entscheidend für Ford waren wirtschaftliche Gründe. Die Nachfrage nach den kleinen, billigen Autos, die überwiegend in Mexiko gefertigt werden, ist eingebrochen. Gewinn macht das Unternehmen mit den SUV und grossen Cross-over-Wagen «made in USA». Zudem plant Ford seit längerem für eine Zukunft mit Elek­trowagen. Das ist der Grund, weshalb Investitionen in die USA verlagert werden.

Dass aber Trump solche Entscheide beeinflusst, ist nicht überraschend. Keine Industrie, die auf den Goodwill der Regierung angewiesen ist, will es sich mit dem designierten Präsidenten verderben. Für keine andere Branche gelte das mehr als für die Autoindustrie, sagen Analysten und verweisen darauf, dass die angedrohte Neuverhandlung des Nafta-Handelsvertrags mit Mexiko ihre Investitionen direkt infrage stellen könne. Ein Beispiel: General Motors (GM) hat schon mehr als 5 Milliarden Dollar in Fertigungsanlagen in Mexiko investiert. Hier werden kleinere Modelle wie der Chevy Cruze hergestellt, die kaum Gewinn abwerfen – und dies auch nur, weil sie von Arbeitern mit drei- bis fünfmal tieferen Löhnen als in den USA gefertigt werden. In Mexiko sind inzwischen alle drei US-Konzerne sowie die meisten europäischen Firmen präsent.

Die Ölkrise hat die Ausgangslage für Ford, GM und Chrysler aber mehr verändert, als Trump es tun könnte. Die Nachfrage nach kleineren Autos ist letztes Jahr erheblich gesunken, da sich die Amerikaner wegen des tiefen Benzinpreises wieder grosse Fahrzeuge leisten. Das hat die Hersteller bereits gezwungen, Fabriken in den USA auf die schweren Modelle umzustellen. Mit ihnen machen sie die echten Profite von 3000 bis 7000 Dollar. Zudem planen sie auch mehrere Tausend Entlassungen, wovon in den Tweets von Trump keine Rede ist.

Geschäft und Gegengeschäft

Was steht für die Autoindustrie mit Nafta auf dem Spiel? Wie weit Trump gehen will, ist noch unklar. Aber sicher ist, dass er beim Neuverhandeln des Handelsabkommens auf die Unterstützung der Autogewerkschaften zählen kann. Diese machen schon länger und hartnäckiger als Trump Druck auf Ford, GM und Chrysler und verlangen, dass keine Arbeitsplätze mehr verlagert werden. Für die Gewerkschaft geht es schlicht ums Überleben; je weniger Stellen in den USA, desto weniger Mitglieder und desto geringer der politische Einfluss. Damit stehen die Autofirmen mit dem Rücken zur Wand: bedrängt von Trump und bedrängt von den Gewerkschaften.

Es überrascht deshalb nicht, wenn Ford-Chef Mark Fields versöhnliche Töne anschlägt. «Die Wachstumspläne des Präsidenten sind ermutigend», sagte Fields am Dienstag, «sie sind Musik in unseren Ohren.» Zuvor hatte er die Botschaft auch persönlich übermittelt, was Trump sehr freute. «Danke, Ford», twitterte er, «das ist erst der Anfang. Sehr viel mehr kommt noch.»

Rettungsaktion statt Tweets

Was die Autofirmen zusätzlich erwarten, haben sie bereits klargemacht. Sie zählen auf eine Lockerung der Emissionsvorschriften für klimaschädliche Abgase sowie tiefere Unternehmenssteuern. Wenn Ford dem neuen Präsidenten schmeichelt, ist das pure Geschäftsinteresse zu erkennen. Aus dem gleichen Grund haben auch schon United Technologies und Sprint Trump gewähren lassen, als er die Verantwortung für die Sicherung oder Schaffung von Arbeitsplätzen übernahm, die entweder nicht gefährdet waren oder die in der Langfristplanung enthalten waren. Dies gilt auch für Ford: Die Investition von 700 Millionen in den USA ist Teil der Umstellung der Produktion auf Elektrowagen, die ab 2020 auf den Markt kommen sollen.

Dass es auch ohne penetrantes Eigenlob geht, hat Barack Obama 2009 be­wiesen. Gegen den totalen Widerstand der Republikaner – die gleichen Repu­blikaner, die heute an den Interventionen von Trump nichts Fragwürdiges finden – setzte Obama eine Rettungsaktion für GM und Chrysler durch. Das bewahrte auch Ford vor dem Kollaps. Damals brauchte es keine Tweets. Barack Obama entschied aus gesamtwirtschaftlichem Interesse, da ein Zusammenbruch der drei Autokonzerne der US-Industrie wohl das Rückgrat gebrochen hätte. Obama rettete mehr als 1,5 Millionen Arbeitsstellen, und die Autokonzerne erzielten 2015 und 2016 die höchsten Umsätze in ihrer Geschichte. «Danke, Obama» – auf diesen Tweet von Trump wartet die Welt wohl vergeblich.

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