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Wie Spekulanten auf den Pfund-Absturz wetten

Investorenlegende George Soros warnt vor einem «schwarzen Freitag». Profianleger erwarten mit der Brexit-Abstimmung grosse Schwankungen im Währungsmarkt.

Starke Schwankungen an den Währungsmärkten: Ein möglicher Brexit dürfte das Pfund stark abwerten.
Starke Schwankungen an den Währungsmärkten: Ein möglicher Brexit dürfte das Pfund stark abwerten.
Phil Noble, Reuters

George Soros gilt als der berühmteste Währungsspekulant der Welt. Nun warnt er im britischen «Guardian» vor einem «schwarzen Freitag». Er muss es wissen. 1992 hat er gegen das Pfund gewettet, weil er davon ausging, dass die Währung überbewertet sei. Am 16. September 1992 bekam er recht. Die Folge: Das Pfund wertete am «schwarzen Mittwoch» gegenüber dem Dollar und der Deutschen Mark massiv ab.

Der heute 75-jährige Soros soll mit seiner Wette rund 1 Milliarde verdient haben. Sein Wort hat also Gewicht. Denn seither gilt er als der Mann, der die Bank of England geknackt hat. Nun prophezeit er wieder deutliche Schwankungen beim Pfund. Dies obwohl sich die Märkte in den letzten Tagen wieder etwas beruhigt haben. Die höhere Wahrscheinlichkeit, dass Grossbritannien in der EU bleibt haben zuletzt den Euro und das Pfund gestärkt.

 George Soros warnt die Briten. (Bild: Luke MacGregor / Reuters)
George Soros warnt die Briten. (Bild: Luke MacGregor / Reuters)

Fast 25 Jahre nach seinem Clou hat Soros für den «Guardian» einen Beitrag verfasst. Darin warnt er, dass auf das Pfund wieder unruhige Tage zukommen würden. Im Gegensatz zum letzten Mal sehe er aber keine positiven Auswirkungen auf die britische Wirtschaft. Damals habe zwar die Währung gelitten, doch insgesamt sei die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gestiegen und die Exportindustrie habe profitiert. Das sei diesmal nicht möglich.

«Brexit macht ärmer»

Die Bank of England hat 1992 die Zinsen von 10 Prozent auf 5,5 Prozent gesenkt. Heute liegen die Zinsen bei 0,5 Prozent. Die britische Zentralbank habe damit kaum noch Handlungsspielraum. «Der Brexit wird euch ärmer machen – seid gewarnt», so Soros in seinem Text. Er erwartet eine Abwertung, die grösser sei als diejenige von 1992. Damals gab das Pfund um 15 Prozent nach. Seiner Meinung nach würde das Pfund auf Parität zum Euro zusteuern, das wäre eine Abwertung von gegen 30 Prozent.

 Das Pfund verliert zum Franken seit Jahren an Wert. (Quelle: Oanda.com, Stand: 21.6.2016)
Das Pfund verliert zum Franken seit Jahren an Wert. (Quelle: Oanda.com, Stand: 21.6.2016)

Die US-Vermögensverwaltungsfirma Pimco empfiehlt den Verkauf von Pfund gegenüber dem Dollar. So könnten sich Kunden absichern, die in britische Anlagen investiert hätten, welche sich nicht so leicht auf den Markt bringen lassen. Wie Soros gehen auch die Experten bei Pimco von heftigen Währungsschwankungen bei einem «Brexit-Ja» aus: «Für den Fall, dass die Briten für ein Verlassen der Staatengemeinschaft stimmen, rechnen wir mit einer 10-prozentigen Abwertung des britischen Pfunds gegenüber dem Dollar.» Der US-Vermögensverwalter Columbia Threadneedle rechnet gar damit, dass das Pfund um weitere 12 Prozent nachgeben könnte.

Auch die Schweizerische Nationalbank wird in den kommenden Tagen gebannt die Währungskurse verfolgen. Sie werde bei Bedarf am Devisenmarkt intervenieren, um den Franken abzuschwächen. Da die Ergebnisse des Brexit-Votums am frühen Freitagmorgen erwartet werden, wird sie dafür auf ihre Singapurer Niederlassung zurückgreifen können. Dort dürften Händler den möglichen Ausgang der Abstimmung und die Währungsnotierungen im Auge behalten.

Onlinetrader vorbereitet

Die Währungskurse dürften also in den kommenden Tagen stark schwanken. Die beiden grössten Schweizer Onlinetrader haben sich bereits auf solche Schwankungen vorbereitet. Die Westschweizer Onlinebank Swissquote und das dänische Onlineinstitut Saxo erwarten «sprunghafte Märkte». Sie haben daher die Kunden im Vorfeld der Abstimmung informiert und die Sicherheitsmarge für Kunden erhöht. Beide Banken lassen ihre Kunden mit einem Hebel auf Währungen spekulieren. Das heisst, die Kunden können mit höheren Beträgen wetten, als sie bei der Bank einbezahlt haben. Für die nächsten Tage gilt bei Pfund-Wetten ein kleinerer Hebel.

So sind Kunden eher davor geschützt, sich wegen des Brexit-Trubels zu verspekulieren. Als letztes Jahr die Euro-Franken-Untergrenze der SNB aufgehoben wurde, standen viele Onlinetrader im Regen. Sie hatten darauf gewettet, dass der Euro zum Franken nicht unter 1.20 fällt. Sie lagen falsch und verloren viel Geld.

Wie sich Investor Soros in den kommenden Tagen genau positioniert, ist nicht bekannt. Doch dürften die starken Kursschwankungen an den Währungsmärkten für hohe Gewinne sorgen – bei denen, die ein gutes Näschen haben.

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