Wieso uns bald ein Blackout drohen kann

Die Hüterin des Schweizer Stromnetzes warnt vor einem Energie-Engpass in diesem Winter. Sie ruft die Stromproduzenten dazu auf, weniger Strom zu exportieren.

Schweizer Stromnetz: Es drohen Engpässe.

Schweizer Stromnetz: Es drohen Engpässe. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Und plötzlich bleibt alles dunkel. Erinnerungen an einen totalen Stromausfall haben hierzulande die wenigsten. Den Blackout kennt man bisher aus Italien oder Kalifornien. Das könnte sich diesen Winter ändern.

Die Energiereserven sind aufgrund einer Verkettung besonderer Umstände knapp, heisst es bei der Swissgrid. Sie ist zuständig dafür, dass im Schweizer Stromnetz alles rundläuft. Mit besonderen Umständen meint sie insbesondere zwei Faktoren:

  • Die Trockenheit im Sommer und im Herbst führte dazu, dass die Flüsse weniger Wasser führen und deshalb weniger Strom daraus gewonnen werden kann. Die fehlenden Niederschläge führten auch dazu, dass die Stauseen unterdurchschnittlich gefüllt sind. Gemäss neusten Zahlen sind sie zu gut 65 Prozent gefüllt. In den letzten fünf Jahren kam ein solch tiefer Füllgrad nie vor. Er liegt 11 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Kurz gesagt: Der Strom aus Speicherkraftwerken wird ebenfalls nicht üppig fliessen.

  • Weil die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 nicht laufen, fehlen zudem 720 Megawatt Strom. Das entspricht dem doppelten Stromverbrauch der Stadt Zürich.

«Durch die zwei Faktoren fehlt es an Bandenergie, welche den Grundbedarf an Strom abdeckt, der während des ganzen Tages nachgefragt wird», sagt Swissgrid-Sprecherin Irene Fischbach. Diese Lücke mit Importstrom aus Deutschland oder Frankreich zu füllen, wie das bisher gemacht wird, scheint dieses Mal auch nicht so einfach.

Dafür mangelt es an der erforderlichen Infrastruktur. Der Grossteil des Importstroms wird in einer Stärke von 380 Kilovolt über die Grenzen transportiert. Um diese Energie nutzbar zu machen, muss deren Spannung in einem ersten Schritt in 220 Kilovolt umgewandelt werden. Hier liegt das Problem: Für die Menge von Importstrom hat die Schweiz zu wenig entsprechende Umwandlungsstationen. Oder wie es Expertin Fischbach sagt: «Die Kapazitäten dieser Transformatoren sind limitiert.»

Angst vor hartem Winter

In dieser angespannten Situation braucht es nur noch wenig, damit es zum Worstcase-Szenario Blackout kommt. Ein Ausfall eines Kraftwerks oder ein harter, lang andauernder Winter könnten das Fass zum Überlaufen bringen.

Swissgrid sah sich jedenfalls gezwungen, die Öffentlichkeit über die angespannte Situation zu aufzuklären. «Wir wollen keine Panik machen, sondern schlicht transparent über die Energieversorgungssituation informieren», sagt Fischbach. Die Elektrizitätskommission des Bundes, die Elcom, teilt die Meinung der Swissgrid über die angespannte Energiesituation.

Höhere Strompreise möglich

Gemäss Swissgrid ist es das Ziel, beispielsweise die Stromproduzenten zu sensibilisieren, dass sie weniger Schweizer Strom ins Ausland exportieren. «Aber wir suchen auch nach anderen Lösungen», so Fischbach.

Die Hoffnung besteht offenbar, dass die Stromhersteller von allein darauf kommen, dass es attraktiv sein könnte, den Strom in der Schweiz statt im Ausland abzusetzen. Dann nämlich, wenn die erwartete Stromknappheit in der Schweiz die Preise genügend in die Höhe treibt. Für die Konsumenten hätte das dann vielleicht keinen Ausfall, aber dafür eine höhere Stromrechnung zur Folge.

Stromproduzenten erneuern Ruf nach Subventionen

In der Strombranche wird betont, dass die Produzenten nicht von höheren Preisen nicht profitieren könnten. Diese seien derzeit so tief, dass sie unter den Gestehungskosten liegen würde, sagt ein Stromproduzenten-Vertreter, der anonym bleiben will.

Die Stromknappheit im Winter sei kein neues Problem. «Dieses kann man aber nicht nur lösen, indem man die Netzkapazitäten ausbaut, wie das die Swissgrid will,» so der Vertreter der Produzenten. Man müsse auch die einheimische Produktionskapazitäten fördern, insbesondere die Wasserkraft. Solche Subventionen sind seit Jahren ein heisses politisches Thema.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.12.2015, 11:13 Uhr

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