Wir Bankkunden sind am kürzeren Hebel

Die höheren Gebühren der Postfinance machen deutlich: Niemand will heute Spargelder anlocken.

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Dass nun auch die Postfinance ihre Kunden ab 2019 zur Ader lässt, kommt wenig überraschend. Ihr Chef Hansruedi Köng platzierte die Hiobsbotschaft schon Anfang Juni in einem Interview mit dieser Zeitung – und vor der Post-Tochter hatten sämtliche Banken ihre Gebühren für die Kontoführung und anderweitige Dienste zugunsten von Kleinkunden erhöht. 

Die simple Wahrheit ist: Die Banken sind nicht auf das Geld von uns Sparern angewiesen. Vielmehr verfügen die Institute über so hohe Sparguthaben, dass sie kaum noch wissen, wie sie diese gewinnbringend einsetzen können. Besonders lästig sind aus Bankensicht Kunden, die ihre Gelder auf einem Sparkonto bunkern. In Zeiten von Negativzinsen, welche die Kreditinstitute an die Nationalbank abführen müssen, verursacht das erhebliche Kosten.

Diese Belastungen auf die Kunden abzuwälzen, ist weder unanständig noch verwerflich. Doch geschieht dies hier «versteckt» und damit in gewisser Weise unredlich auf dem Weg über höhere Gebühren. Ihrerseits Negativzinsen auf Sparkonten von Kleinkunden zu erheben, das wagen die Banken bislang nicht – aus Angst vor Reputationsschäden und besonders vor einem Dammbruch, der mit starken Geldabflüssen einherginge.

Die Postfinance gestaltet ihren Gebührenkatalog derart, dass die Belastungen geringer ausfallen für Kunden, die ihre Sparguthaben etwa in Anlagefonds umschichten. Das wirft Fragen auf. So hat das Post-Institut bei der angebotenen Fondspalette noch einigen Nachholbedarf gegenüber der Konkurrenz. 

Vor allem aber kommt der Anreiz zur Geldanlage in risikoträchtigere Fonds zu einem Zeitpunkt, da die Märkte nach Ansicht vieler Beobachter korrekturanfällig sind. Zum jetzigen Zeitpunkt in Aktienfonds einsteigen sollten daher nur Postfinance-Kunden mit einem Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren. Alle anderen sind wohl besser beraten, die 60 Franken Jahresgebühr für ihr Sparkonto zu schlucken.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.10.2018, 21:39 Uhr

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