«Wir schreiben keine Geheimberichte»

Strafrechtler Mark Pieth spricht über seinen sofortigen Austritt aus der Expertengruppe Panama Papers – und kritisiert die Regierung scharf.

«Wenn man einen sauberen Finanzplatz will, ist Transparenz das oberste Gebot»: Der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth. (15. April 2016)

«Wenn man einen sauberen Finanzplatz will, ist Transparenz das oberste Gebot»: Der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth. (15. April 2016) Bild: Reuters

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Panamas Präsident hat Sie und den Ökonomen Joseph Stiglitz in die Arbeitsgruppe geholt, um das Land aus den negativen Schlagzeilen zu holen. Nun verlassen Sie die Gruppe, was ist passiert?
Für uns war immer klar, dass unsere Empfehlungen am Schluss öffentlich gemacht werden müssen. Doch Ende Juli erhielten wir einen relativ groben Brief von der stellvertretenden Aussenministerin Panamas. Er hielt fest, dass es alleine dem Präsidenten Panamas obliege, unsere Ergebnisse allenfalls zu veröffentlichen.

Sie haben also Angst, dass Ihre Expertise verschwiegen wird?
Herr Stiglitz und ich sind beide übereinstimmend der Ansicht, dass wir keine Geheimberichte schreiben. Wenn man einen sauberen Finanzplatz will, ist Transparenz das oberste Gebot.

Wie konnte es so weit kommen?
Wir haben unter anderem die Frage aufgeworfen, warum Panama überhaupt eine Offshore-Industrie betreiben soll, die stets anfällig für Missbrauch ist. Ferner haben wir darauf hingewiesen, dass die Anforderungen der OECD und anderer Gremien umgesetzt werden müssen, dass also die tatsächlichen Besitzer von Panamas Briefkastenfirmen öffentlich gemacht werden müssen.

Sie meinen das hat für Unruhe gesorgt in der Regierung?
Ich vermute, dass diese Forderungen auf wenig Gegenliebe gestossen sind, sowohl in der Regierung wie auch in der Finanzindustrie Panamas. Insbesondere forderten wir, dass nicht nur vom automatischen Informationsaustausch gesprochen wird, sondern dass er auch umgesetzt wird. Dazu gehört im Wesentlichen, dass die tatsächlichen Besitzer von Briefkastenfirmen identifiziert werden.

Was wollte die Regierung Panamas? Ihr Verständnis war, dass wir nur veröffentlichen dürfen, was Panama hilft. Doch Transparenz im Offshore-Bereich hilft der ganzen Welt, auch wenn es womöglich PanamakKurzfristig noch mehr Ärger einbringt. Doch darauf wollte man sich nicht einlassen.

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(SonntagsZeitung)

Erstellt: 05.08.2016, 19:16 Uhr

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