«Dranbleiben, ohne ein Arsch zu werden»

Wie lautet das Rezept zum Erfolg? Travis Kalanick, Gründer und Chef des Fahrzeugvermittlers Uber, verrät es uns am WEF.

Aller guten Dinge sind drei: Travis Kalanicks schaffte es mit seiner dritten Firmengründung Uber in die oberste Liga.

Aller guten Dinge sind drei: Travis Kalanicks schaffte es mit seiner dritten Firmengründung Uber in die oberste Liga. Bild: Danish Siddiqui/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als Travis Kalanick seine Kollegen fragen musste, ob sie für 100 Dollars seine Hausaufgaben machen würden, beschloss er, das Studium in Los Angeles kurz vor dem Abschluss hinzuschmeissen. Studieren und gleichzeitig eine Fima aufbauen, für die er 4 Millionen Startkapital von Investoren bekommen hatte – das ging nicht mehr.

Doch der Entscheid sollte sich erst Jahre später als richtig erweisen. Erst einmal setzte Kalanick eine multimediale Suchmaschine in den Sand, nachdem ihn grosse Musik- und Medienunternehmer auf Milliarden verklagt hatten, und auch bei der zweiten Firma war die Durststrecke mehrere Jahre lang, bis er für 20 Millionen Red Swoosh verkaufte, deren Technologie das Teilen von Musikdateien zwischen Konsumenten ermöglichte.

Mit der Gründung des dritten Unternehmens hat er es jetzt in die oberste Liga geschafft. Der Fahrdienstvermittler Uber, der per App suchende Fahrgäste mit willigen Fahrern zusammenbringt, revolutionierte das Taxigewerbe in 45 Ländern – und weckt dabei vielerorts grossen Widerstand. An einem Anlass der deutschen Wochenzeitung «Zeit» am WEF gab der 40-jährige Chef von Uber – überlanger Bürstenschnitt, violetter Pullover und Jeans – einen Einblick in seine wechselhafte Karriere. Und was er in einem übervollen Saal erzählte, entsprach gar nicht den politisch korrekten Worthülsen, die die Manager vieler erfolgreicher Internetfirmen wie Facebook heute von sich geben.

Den Namen von einer Website

Einen Knopf drücken – eine Taxifahrt bekommen: Das war die Businessidee, die er mit einem Freund in Paris hatte, als er morgens um eins bei Schneetreiben kein Taxi fand. Eine Website für das Generieren von Namen, in die er die Stichworte «grossartig» und «cab» (englisch für «Taxi») eingab, schlug als Namen «Ubercab» vor, doch weil er keine offizielle Taxilizenz hatte, musste er ihn nachträglich auf «Uber» ändern. Der Fahrdienstvermittler nimmt 20 Prozent vom Preis als Kommission, der sich ändert je nach Anzahl der Fahrer, die gerade arbeiten wollen, und den Kunden, die eine Fahrt benötigen. «Das Modell bringt nur Vorteile: Kunden profitieren von tieferen Preisen und schnellerem Service, Jobs werden geschaffen, die Fahrer haben ihren eigenen Wagen und entscheiden flexibel, ob sie arbeiten wollen, der Verkehr wird reduziert und, und, und ...», sagt Kalanick. Und er sagt das mit einem Selbstbewusstsein, das man auch als Arroganz verstehen kann.

Schlagzeilen über den Streit um fehlende Bewilligungen, die Vorwürfe, Uber prüfe seine Fahrer nicht richtig und gefährde die Sicherheit der Kunden: All das sind für ihn Ablenkungen, Politiker und Behörden sieht er nicht als Freunde, das Taxigewerbe als schädliches Kartell und Kritik ist nur ein Hindernis auf dem Weg zum technologischen Fortschritt, der sich auch im Transportwesen dank Uber durchsetzen werde. Er kennt da keine Zweifel, nur etwas gibt er nach seinen diversen Scharmützeln zu: «Geduld ist eine Tugend.»

Allerdings keine, die ihm in den Schoss gefallen ist. Er hat den Ruf, ein aggressiver Unternehmer zu sein. Investor Peter Thiel sagte mal, Uber sei «die ethisch am meisten geforderte Firma des Silicon Valley». Worauf Kalanick trocken antwortete: «Thiel ist ja auch der grösste Investor bei einem unserer Konkurrenten.» In der Regel versteht er den Vorwurf aggressiven Geschäftens stets als die etwas unredliche Antwort des Mainstreams an all diejenigen, die herkömmliche Weisheiten herausforderten. «Da muss man als Unternehmer dranbleiben, ohne ein Arsch zu werden.»

Den Satz würden wohl viele seiner ­Unternehmerkollegen unterschreiben. Doch was treibt Kalanick an? Es gehe um den gleichen «Wow-Effekt, den ein Mathematiker habe, wenn er eine Lösung für ein richtig schwieriges Problem finde. Und diese Lösung habe oft damit zu tun, dass man richtig einschätzen könne, wo sich ein Graben auftue zwischen der Realität (im Fall der Taxis waren das unzufriedene Kunden, hohe Preise, schlecht bezahlte Fahrer) und der Wahrnehmung des Mainstreams (alles kein Problem, das Taxikartell ist nötig). Und dann verrät Kalanick sein kleines Unternehmergeheimnis: Je grösser dieser Graben, desto kleiner das Risiko, mit einem guten neuen Produkt zu scheitern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2016, 08:39 Uhr

WEF 2016 vom 20. bis 23. Januar.

Artikel zum Thema

Uber kann über Facebook gebucht werden

Ein Tool für jede Lebenslage: In den USA wird der Fahrdienst-Vermittler Uber direkt in den Facebook Messenger integriert. Mehr...

Hunderte Taxis blockieren wegen Uber Toronto

Kanadische Taxifahrer legen die Innenstadt von Toronto lahm. Sie fordern von der Stadt, gegen den Fahrdienst Uber vorzugehen. Es gab sogar Handgreiflichkeiten. Mehr...

Stieftochter von US-Justizministerin festgenommen

Kia Absalom, die Stieftochter von US-Justizministerin Loretta Lynch, wurde in New York in Gewahrsam genommen. Es ging um 20 Dollar für eine Taxifahrt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

«Alle Bilette vorweisen»: An der Welt-Roboter-Ausstellung in China, beobachtet ein Kind eines leuchtenden Roboter. (23.August 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...