Trump-Rede in Davos: Eigenlob, Superlative – und wenig Applaus

Die meisten Jobs, das sauberste Wasser: Der US-Präsident reibt den Managern am WEF unter die Nase, für wie erfolgreich er seine eigene Regierung hält.

Die Rede von Donald Trump am WEF in Davos (ab 18:08). Video: World Economic Forum


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Denken Sie, dass es der Wirtschaft gut geht? Umfragen mit solchen Fragen galten in den USA einst als hilfreich, um abzuschätzen, wie es der Wirtschaft tatsächlich geht. Immerhin kaufen Leute eher ein neues Auto, wenn sie optimistisch sind, und das hilft dem Bruttosozialprodukt.

Doch heutzutage sind diese Umfrage ohne Wert: Republikaner und Demokraten empfinden die US-Wirtschaft jeweils als super, wenn ein Republikaner beziehungsweise Demokraten Präsident ist, und umgekehrt. Die eigene Anhängerschaft verzerrt also den Blick auf die Wirtschaft.

Auch US-Präsident Donald Trump ist nicht frei von diesem Effekt, im Gegenteil. Vor Managern und Politikern hat er in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum eine typische Trump-Rede gehalten (zum Ticker): Den USA gehe es wirtschaftlich unglaublich gut – dank Trump. Ein Superlativ übertrifft den vorigen, Eigenlob reiht sich an Eigenlob. Ich bin so richtig klasse – eine ungewöhnliche Botschaft an die 3000 anwesenden Superreichen, Topmanager und Spitzenpolitiker, die selbst ja meistens auch für mindestens ein bisschen klasse halten.

Donald Trump ist mit Tochter Ivanka nach Davos gereist. Foto: Keystone/Markus Schreiber

Auch stimmen die ökonomischen Details in Trumps Rede nicht immer, aber das überrascht auch in Davos niemanden mehr: Für Trump gilt, alles vor seiner Amtszeit als schrecklich zu betrachten und alles Zukünftige als unglaublich schön – vermutlich seine Wiederwahl vorausgesetzt.

Verhaltener Applaus

Der Applaus bleibt verhalten; sobald Trump fertig ist, stehen ungewöhnliche viele Menschen auf und sparen sich die höfliche Verabschiedung, auch wenn die meisten Zuhörer bis zum Ende sitzen bleiben.

Trumps Rede der Superlative klingt so: «Wir haben das grosse amerikanische Comeback gestartet.» Die USA erlebe einen Wirtschaftsboom, den es so auf der Welt noch nie gab – da wird im Publikum schon geschmunzelt.


Und was bleibt von Trumps WEF-Rede 2020?

«Der US-Präsident wendete sich ans Publikum zu Hause»: Die Analyse von TA-Chefökonom Markus Diem Meier.


Bevor er Präsident wurde, sei eine weltweite Rezession vorhergesagt worden, eine Dekade der Wachstumsschwäche sei prognostiziert worden, aber dann kam, Dank und Ehre sei Trump, alles anders: In den USA werde «historisch» viel investiert. Unter seiner Regierung seien sieben Millionen Jobs geschaffen worden, das habe sich keiner vorstellen können. Dabei sei die Zahl sieben Millionen genau die, die er sich vorher überlegt habe, behauptet Trump – da wird vereinzelt schon gehüstelt, gelacht.

Die Arbeitslosigkeit liege auf einem Rekordtief, so Trump und zählt diverse gesellschaftliche Gruppen auf, für die das zutreffe: Schwarze, Veteranen, Frauen, Leute mit Abitur als höchsten Schulabschluss – sie alle würden so einfach Arbeit finden wie Jahrzehnte nicht oder wie überhaupt noch nie. Er verfolge, sagt Trump, die «ehrgeizigste Agenda», Arbeitsplätze zu schaffen. «Die grössten Gewinne fahren die Armen ein», so Trump. Niemand habe vor drei Jahren gedacht, dass das möglich ist.

«Wir haben noch gar nicht angefangen»

Rund eine halbe Stunde geht das immer weiter so. «Ich sehe so viel Potenzial, wir haben noch gar nicht angefangen», sagt Trump. Er zeigt ins Publikum auf die anwesenden Konzernchefs. «Viele von Ihnen, die ich kenne, kommen mit Ihren Firmen zurück in die USA.» Kapital fliesse in arme Stadtviertel, die «seit 100 Jahren nichts gesehen hätten», und das geschehe, weil seine Regierung eine 0-Prozent-Sondersteuer für diese Regionen eingeführt habe.

Überhaupt habe die Vorgängerregierung nur «Trümmer» hinterlassen. Um den Firmen zuliebe Bürokratie abzubauen, wollte die Trump-Regierung für jede neue Regel zwei abschaffen. Trump sagt stolz, sie hätten geschafft, acht alte Regeln für jede neue abzuschaffen. «Und das kann noch mehr werden.»

Kurzum, so sein Fazit: «Es gibt für die Unternehmen keinen besseren Platz auf der Welt als die USA.» Auch andere Länder sollten ihr eigenes Volk als erste Priorität sehen, empfiehlt er anderen Politikern.

Göttliche Schönheit der Natur

Zur Klimakrise – eins der meistdiskutierten Themen hier in Davos – bleibt Trump vage. Die göttliche Schönheit der Natur liegen ihm natürlich am Herzen, aber die USA stünden schon gut da: «Wir haben mit das sauberste Wasser und die sauberste Luft, so sauber wie seit 40 Jahren nicht», sagte er. Und als er hinzufügt, die USA würden sich einer neuen Initiative des Davoser Weltschaftsforums anschliessen, weltweit eine Billionen Bäume zu pflanzen, gibt es den einzigen Zwischenapplaus der Rede.

Neben der Vorgängerregierung der USA kritisiert er kurz auch die Europäer: Die Euro-Zone profitiere von Negativzinsen, das sei nicht fair. Immerhin hat ihm jemand am Ende noch etwas Versöhnliches in die Rede geschrieben, auch wenn der Part überraschend das Thema wechselte: Die Renaissance-Kirchen in Europa seien wirklich inspirierende Gebäude. Sagt der Immobilienkenner Trump.

Nach der Rede von Reportern gefragt, wie er die Wirkung seiner Rede einschätze, antwortet Trump: «Ich denke, das kam sehr gut an.» Vertreter von 200 der grössten Firmen plus zahlreiche Regierungschefs seien im Saal gewesen. «Viele von denen werden gross in den USA investieren – uns geht es sehr gut.»

Erstellt: 21.01.2020, 14:08 Uhr

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