Warum Gratis-Geld perfekt zum WEF-Thema passt

Die Initiative Grundeinkommen kann sich bei Klaus Schwab bedanken. Seine Vorlage bringt sie in Davos auf die Strasse – Polizeieinsatz inklusive.

Politische Aktion auf der Davoser Promenade: Mit «Dancing Robot» machen die Initianten des Grundeinkommens Werbung für ihr Anliegen.

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Fünf Millionen Jobs gehen in den nächsten fünf Jahren verloren, ausgelöst durch die beschleunigte Digitalisierung unseres Lebens. Das berechneten WEF-Experten jüngst und versandten just vor dem Start des Davoser Meetings diese Schock-Nachricht in die Welt. Von der vierten industriellen Revolution ist hier in der Alpenstadt die Rede, das offizielle Hauptthema des Forums.

Zwar schafft die Digitalisierung auch neue Jobs. Weil das aber zu wenig sind, um die Verluste wettzumachen, bleiben immer mehr Menschen ohne Arbeit. Eine Schreckensvision? «Nein», sagen die Initianten des bedingungslosen Grundeinkommens. Sie plädieren dafür, dass jeder Erwachsene in der Schweiz 2500 Franken erhält, egal ob er arbeitet oder nicht – Gratis-Geld quasi.

Biden-Rede «gibt Hoffnung»

Um vor der ganzen Welt klarzumachen, dass sie mit einem alternativen Lebensmodell aufwarten, lassen die Initianten in Davos die Roboter tanzen. Konkret «Dancing Robot». Die gescheite Blechkiste nicht als Bedrohung, sondern als freundliche Erscheinung. «Ich arbeite gerne, ich arbeite für euch», sagt Mediensprecher Che Wagner anstelle der simplen Attrappe. Der Roboter als Freund: Aktion der Initiative Grundeinkommen auf der Davoser Promenade.

Und als wäre das zentrale WEF-Thema nicht schon Vorlage genug, hielt US-Vize Joe Biden am Eröffnungsabend ein flammendes Plädoyer für eine neue Umverteilung. Er warnte vor einer Erosion des Mittelstandes und machte sich für progressive Steuern stark, sehr zur Freude der Initianten des Grundeinkommens. «Das gibt uns Hoffnung», sagt Che Wagner.

Aufmerksamkeit garantiert

Die Aktion «Dancing Robot» auf der Davoser Promenade zieht Schaulustige und Medien an. «Russia Today» habe mit ihnen gesprochen und Agence France Presse war da. Eine kleine Umfrage unter Passanten zeigt: International ist die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens noch wenig bekannt. «Bedingung... what?», hallt es von den in grosser Zahl anwesenden Amerikanern zurück.

Und natürlich war die Polizei vor Ort. Laut dem Sprecher der Aktion hätte der Roboter seine ID zeigen müssen. Klar, es befand sich ja auch eine Aktivistin in der Blechkiste. Die Kontrolle führte zu einer längeren Verzögerung. Was sich wie Klamauk anhört, hat einen ernsten Hintergrund: Nach den Pariser Anschlägen zeigen sich die Sicherheitskräfte in Davos noch rigoroser. Wagner vermutet allerdings ganz simpel und einfach «eine 20-minütige Verzögerung, weil irgend eine hochrangige Delegation den Platz zur Durchfahrt beanspruchte». Stimmts, landet hier die schöne Utopie einer gerechteren Welt auf dem harten Boden der Davoser Elitewelt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.01.2016, 20:03 Uhr

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