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Worüber Stockwerkeigentümer streiten

Immer öfter gibt es Streit unter Personen, die gemeinsam ein Haus besitzen. Unsere Auflistung zeigt den absoluten Spitzenreiter – und was sonst noch für rote Köpfe sorgt.

Jeder für sich und doch nicht autonom: Eigentumswohnungen im Zürcher Puls 5. (Foto: Keystone)
Jeder für sich und doch nicht autonom: Eigentumswohnungen im Zürcher Puls 5. (Foto: Keystone)

Eigentum ist in der Schweiz klar geregelt: «Der Eigentümer einer Sache kann über sie nach Belieben verfügen (...) und er hat das Recht, jede ungerechtfertigte Einwirkung abzuwehren», steht im Schweizer Zivilgesetzbuch. Zur persönlichen Freiheit der Eigentümer gehört wohl auch das Recht, sein Haus verlottern zu lassen. Es soll durchaus Menschen geben, die in jedem noch so schäbigen Objekt einen gewissen Charme erkennen. Vielleicht fehlt ihnen ja auch das Geld. Oder sie sind geizig.

Heruntergekommene Liegenschaft an der Langstrasse. (Foto: Sabina Bobst)
Heruntergekommene Liegenschaft an der Langstrasse. (Foto: Sabina Bobst)

Eine andere Ausgangslage präsentiert sich den Stockwerkeigentümern. Sie teilen sich die Unterkunft und müssen ein Mindestmass an Kompromissbereitschaft an den Tag legen. Müssten. Denn immer wieder kommt es zum Streit. Weil seit Einführung des Stockwerkeigentums im Jahr 1965 die Objekte immer älter und baufälliger werden, wird häufiger gezofft (Redaktion Tamedia berichtete). Gewisse Investitionen sind besonders streitanfällig:

Heizung

Über den Zustand der Heizung lässt sich wunderbar streiten. (Foto: Keystone)

«Die Heizung ist der absolute Spitzenreiter», sagt Cipriano Alvarez, Leiter Bereich Recht beim Bundesamt für Wohnungswesen. Nach einer gewissen Zeit muss jede Heizung ersetzt werden. Die Stockwerkeigentümer sehen sich oft mit der Frage konfrontiert: Reicht eine Reparatur oder muss die Pumpe gleich ganz ersetzt werden? Erstere Variante ist meistens günstiger, aber auch weniger nachhaltig.

Fassaden-Isolation

Hier erübrigt sich die Diskussion: Nach einem Brand braucht dieses Haus eine neue Isolation. (Foto: Kapo Freiburg)

Eine neue Fassaden-Isolation kann die Besitzer gut und gerne mehrere Zehntausend Franken kosten. Entsprechend oft wird darüber gezankt: «Stockwerkeigentümer können auch in einem Haus mit undichter Isolation leben – mit höheren laufenden Kosten», sagt Alvarez. Die Bewohner von einer neuen Isolation zu überzeugen, ist schwer, weil der direkte Mehrwert nicht direkt ersichtlich ist. Im Gegenteil: Viele Eigentümer befürchten, dass sich durch eine dickere Fassade ihre Wohnung verdunkelt.

Fensterscheiben

Gerade alte Gebäude wie hier im Niederdorf sind oftmals einfach verglast. (Foto: Doris Fanconi)

Lärm und Kälte lassen sich durch eine bessere Verglasung verhindern. Viele, vor allem ältere Gebäude, sind noch immer mit einer einfachen Verglasung ausgestattet. Einige Bewohner wünschen sich deshalb eine Zwei- oder gar Dreifachverglasung. Andere wiederum scheuen die Kosten: Ein einzelnes Fenster kostet gemäss Alvarez bis zu 5000 Franken.

Dachsanierung

Hauptsache, das Dach hält dicht: Erweiterter Garten. (TA-Archivbild)

Besonders Flachdächer sind für Stockwerkeigentümer eine delikate Angelegenheit. So gibt es gemäss Alvarez nur zwei Arten: «Die undichten und jene, die noch dicht sind.» Wenn es tropft, kann der Besitzer einer Attikawohnung nur auf die Güte der anderen Stockwerkeigentümer hoffen, damit der Beschluss für eine Dachsanierung überhaupt zustande kommt. Jener im Parterre wird sich bestimmt zweimal fragen, ob er eine Investition mittragen will, die ihn nicht direkt betrifft.

Leitungen

Bricht das Rohr, wird es ungemütlich: Haus im Kanton St. Gallen. (Foto: Kapo SG)

Sie mutieren zum Streitobjekt, sobald sie undicht sind oder rosten: Wasserleitungen. Nur beim Rohrbruch erübrigt sich eine Diskussion. «Es gibt viele Stockwerkeigentümer, die eine Pflästerlipolitik betreiben», sagt Alvarez. Rohre werden lieber punktuell repariert, statt gleich die ganze Leitung zu ersetzen. Oftmals mit der Folge, dass der Sanitärinstallateur bald wieder ranmuss.

Lift

Wer in den Lift investiert, vermindert das Risiko, stecken zu bleiben. (Foto: Cory Doctorow/Flickr)

«Wer im Lift stecken bleibt, kann nur hoffen, dass dies nicht am Pfingstwochenende passiert», sagt Alvarez. Allerdings: Wer mutig ist, benutzt auch einen vierzigjährigen Lift. Viele sind es jedoch nicht. Oftmals jene, die zuoberst im Haus wohnen und deshalb täglich auf die Dienste des Lifts angewiesen sind. Noch ärgerlicher als ein alter Lift ist für viele Stockwerkeigentümer gar kein Lift. Jene im Parterre versuchen die Investition zu verhindern. Auch befürchten sie Platzverlust: «Ein Lift hat oftmals das Ausmass eines kleinen Zimmers. Raum, der verlorengeht», sagt Alvarez.

Garten

Einige greifen auch in Extremsituationen noch zum Rasenmäher. (Foto: Keystone)

Auch dort wo es am friedlichsten ist, wird oft gestritten: im Garten. Einige bevorzugen eine intensive und zweckmässige Gartenpflege. Andere wollen lieber die Natur walten lassen und sparen sich so den Gärtner. Auch die Frage, ob ein verrosteter Spielplatz noch zweckmässig ist, dürfte den besorgten Familienvater weitaus mehr beschäftigen als die kinderlose Geschäftsfrau.

«Leseraufruf»: Sind Sie Stockwerkeigentümer und waren auch schon in einen Streit involviert? Dann schildern Sie uns das Erlebnis in der untenstehenden Kommentarspalte.

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