Zug setzt als weltweit erste Stadt auf Bitcoin

Erstmals akzeptiert eine Behörde eine Kryptowährung für Zahlungen. Die Zuger SVP sieht das Pilotprojekt als Gefahr.

Revolutionäres Projekt: Ein Luftbild der Stadt Zug, wo die Zahlung mit Kryptowährung versuchsweise zur Anwendung kommt. (Archiv)

Revolutionäres Projekt: Ein Luftbild der Stadt Zug, wo die Zahlung mit Kryptowährung versuchsweise zur Anwendung kommt. (Archiv) Bild: Keystone

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Die Zahlung mit Bitcoins oder mit digitalen Münzen ist neuerdings in der Schweiz möglich. Das weltweit verwendbare dezentrale Zahlungssystem wird bis Ende Jahr versuchsweise in der Stadt Zug erprobt, wie die NZZ in ihrer heutigen Ausgabe berichtet. Ab 1. Juli können Gebühren bis zu 200 Franken direkt am Schalter der Einwohnerkontrolle mit Bitcoins bezahlt werden. Nachdem das Pilotprojekt beendet ist, wollen die Behörden Bilanz ziehen.

Die Stadt schreibt damit international Geschichte. Das sei weltweit das erste Mal, dass auf staatlicher Ebene Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert würden, sagt Niklas Nikolajsen in der NZZ. Der Däne ist Geschäftsführer und Mitbegründer der Bitcoin Suisse AG. Seine Firma in Baar ZG kauft und verkauft die Kryptowährung. «Die in der Schweiz kaum wahrgenommene Pioniertat war denn auch in den letzten Tagen das grosse Thema in den einschlägigen Foren der digitalen Finanzbranche», erklärt die Zeitung aus Zürich. Es sei indessen kein Zufall, dass ausgerechnet Zug den Eisbrecher dieser kontrovers diskutierten Technologie spiele. Mehr als 15 Unternehmen aus dieser Branche hätten sich im Kanton aus der Zentralschweiz angesiedelt.

Ein starkes Marketing-Signal

Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) begrüsst das Pilotprojekt. Man wolle im Rahmen der Strategie Zug 2035 frühzeitig Erfahrungen mit solchen Technologien sammeln. Luzius Meisser, Präsident der Dachorganisation Bitcoin Association Switzerland, hebt das starke Marketing-Signal hervor: Zug gebe damit der Branche zu verstehen, dass sie hier willkommen sei. Dies sei wichtig, auch wenn das Bedürfnis, Bitcoins für Zahlungen im staatlichen Umfeld einzusetzen, gegenwärtig noch nicht allzu gross sein dürfte, erklärte er der NZZ.

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Die Anwendung des modernen Zahlungsmittels wird offenbar nicht von allen im Ort goutiert. Die SVP beispielsweise ist gar nicht erfreut. Es sei höchst bedenklich, dass eine staatliche Behörde Bitcoins akzeptiere. Denn es handle sich nicht um eine sichere Währung, warnt der Zuger SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin. «Tatsächlich häuften sich in letzter Zeit die Anzeichen dafür, dass die Kryptowährung von ihrer Konzeption her und technisch an Grenzen stösst. Auch die anhaltenden Diskussionen, wer die Kryptowährung erfunden habe, tragen nicht gerade zur Vertrauensbildung bei», kommentiert die Zeitung. Bruhin weist zudem darauf hin, dass die Stadt Zug die Stellung des Bargeldes untergraben könne. Ausserdem sei die Geld- und Währungseinheit Sache des Bundes.

Der Schritt des Wiener Hotels

Andernorts stösst die Neuerung im Kanton durchaus auf Wohlwollen. Es sei gut, wenn der Staat definiere, unter welchen Bedingungen Kryptowährungen wie Bitcoins akzeptiert würden, meint Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (FDP). «Das werden wir in der Stadt Zug genau verfolgen.»

Kürzlich verlangte der Harvard-Professor und frühere US-Finanzminister Lawrence Summers in der «Financial Times», die Ausgabe der 1000er-Frankennote zu stoppen. Zugs Stadtpräsident will nicht so weit gehen. Müller könnte sich aber vorstellen, dass es in Zukunft möglich sei, auch die Steuerrechnung mittels Bitcoins zu begleichen.

Neben den Behörden der Stadt Zug haben vor allem private Institutionen die neue Form der Bezahlmethode entdeckt. So nimmt beispielsweise das Wiener Hotel Schani seit April dieses Jahres Bitcoins als Zahlungsmittel an, wie das österreichische Fachportal AHGZ schreibt.

(fal)

Erstellt: 10.05.2016, 11:35 Uhr

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