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Zugelassen, aber nicht willkommen

Mit dem Turbo-Lachs geben die USA zum ersten Mal ein genverändertes Tier zum Verkauf frei.

Zwei gleichaltrige Lachse, vorn ein normaler, dahinter der schneller wachsende Turbo-Lachs. Foto: AP Photo, Keystone
Zwei gleichaltrige Lachse, vorn ein normaler, dahinter der schneller wachsende Turbo-Lachs. Foto: AP Photo, Keystone

Der gentechnisch veränderte Lachs ist aus Sicht der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) weder für den menschlichen Konsum noch für die wilden Fische eine Gefahr. Er kann ohne Vorbehalte angeboten und ohne spezifische Deklaration verkauft werden. Zwei Supermarktketten wollen den gentechnisch veränderten Lachs dennoch nicht anbieten. Zudem wollen Konsumentenschutz- und Fischereiorganisationen den Entscheid der Zulassungsbehörde anfechten.

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Der Gentechfisch wächst rund zweimal schneller als der herkömmliche Lachs. Die jetzt zugelassene Turbo-Methode erlaubt deshalb eine grössere Produktion eines Fisches, der weltweit mehr denn je konsumiert wird. Vermarktet wird der Zuchtlachs als Alternative zum wilden Lachs, der von der Über­fischung bedroht ist. Der Turbo-Lachs unterscheidet sich als Endprodukt nicht von einem üblichen Zuchtlachs, ver­sicherte die FDA. Statt drei Jahre braucht er aber nur 20 Monate bis zur Schlacht­reife. Der Turbo-Lachs wird nicht grösser, soll aber bis zu 20 Prozent weniger Futter fressen, bis er schlachtreif ist.

Hinter dem gentechnisch veränderten Atlantik-Lachs steht die Biotechfirma Aqua Bounty Farms. Der mehr­fache Milliardär Randal Kirk kaufte die Firma 2009 auf und finanzierte seither die Forschung. Ohne ihn wäre das Projekt wahrscheinlich gestorben, da die Zulassungsbehörde 20 Jahre bis zum defi­nitiven Ja brauchte und der Firma deswegen das Geld auszugehen drohte.

Offene Tür für mehr Gentech

Die Zulassungsbehörde FDA stützte sich beim Entscheid auf eine rechtliche Hilfskonstruktion ab, da spezifische Bestimmungen für Gentechtiere fehlen. Sie beurteilte den Turbo-Lachs deshalb nach den Kriterien der Veterinärmedizin. Kritiker beanstanden, das Vorgehen ziele völlig an den Risiken der Gentechnik vorbei und zeige, dass Druck bestanden habe, die Tür für eine allgemeinere Zulassung von Gentechtieren zu öffnen. Kritiker sehen in der Zulassung ein Präjudiz für andere Biotechfirmen auch ausserhalb der USA, die an 18 anderen Fischarten herumwerkeln, um sie schneller gross und fett zu machen.

Tatsächlich forscht die von Randal Kirk kontrollierte Biotechfirma Intrexon bereits auch an Gentechmücken, die das Denguefieber ausrotten sollen, sowie an Gentechäpfeln, die nicht faulen. Den grössten Umsatz erzielt die an der Börse kotierte Intrexon aber mit geklonten ­Kühen. Seinen Kritikern hält Kirk ent­gegen, gentechnische Veränderungen seien seit je Teil der natürlichen Entwicklung gewesen. Wer Angst habe vor geklonten Kühen, «sollte sich auch vor Zwillingen fürchten».

Als Absicherung soll der Gentechfisch nur in geschlossenen Tanks abseits von den Ozeanen gezüchtet werden. Auch sollen die Weibchen sterilisiert werden, um eine unkontrollierte Fortpflanzung zu unterbinden. Selbst wenn der Turbo-Lachs in offene Gewässer geraten würde, sehen die Behörden kein Risiko. Studien zeigen gemäss der FDA, dass sich freigekommener Zuchtlachs in freier Wildbahn kaum mehr ernähren kann, da er die Fütterung durch Menschen gewohnt ist, und somit rasch verendet.

Produziert wird der Fisch derzeit noch in Panama. Geplant ist aber eine kommerzielle Zucht von zunächst 100 000 Tonnen pro Jahr. Das ist ein halbes Prozent der gesamten Zuchtmenge von atlantischem Lachs. Als Absatzmärkte sieht die Firma in erster Linie die USA, Kanada, Argentinien, Brasilien und China.

Kunden bleiben im Unklaren

Ob sie damit bei den Kunden ankommt, ist indes unklar. In den USA wollen gemäss Umfragen zwei Drittel der Konsumenten keinen Turbo-Lachs kaufen, und die Supermarktketten Safeway und Kroger wollen den Fisch nicht in ihrem Angebot. Das Problem ist nur, dass der neue Turbo-Lachs nicht als Gentechprodukt deklariert werden muss, sondern wie üblicher Zuchtlachs in den Handel kommen wird.

Am Anfang der Entwicklung standen 1989 Forschungsprojekte an der Universität von Kalifornien und der Universität von Toronto. Sie gewährten der A/F Protein, der Vorgängerfirma der Aqua Bounty, Lizenzen zur Isolierung des Antigefrierproteins des Atlantik-Lachses. Zusätzlich mischte die Firma DNA des grösseren pazifischen Lachses bei und erhielt 1995 von der US-Regierung grünes Licht für die Entwicklung. Dem neuen Fisch wurden Gene des pazifischen Chinook-Lachses eingepflanzt. Ausserdem trägt er Gene des Eel-Fish, auf Deutsch: Meeres-Dickkopf, die ihn auch in eiskalten Gewässern überleben lassen, damit er ganzjährig gezüchtet werden kann.

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