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Zypern - Ein Euro-Zwerg mit grossen Sorgen Analyse

Berlin An den Finanzmärkten wird angesichts der wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen Zypern bereits als möglicher nächster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm EFSF gehandelt.

Der Fall Zypern ist aber kaum vergleichbar mit Griechenland, Portugal oder Irland, den bisherigen «Kunden» des EFSF. Es war ein Unglück, eine verheerende Explosion von Munition in einem Marinestützpunkt vor wenigen Wochen, die das Land in massive Schwierigkeiten stürzte. Das Hauptkraftwerk, das mehr als die Hälfte des Stroms des Inselstaates lieferte, wurde schwer beschädigt. Auf rund eine Milliarde Euro schätzen Ökonomen die Folgekosten dieses Unglücks. Das ist für ein Land mit nicht einmal einer Millionen Einwohnern und einer jährlichen Wirtschaftsleistung von gut 18 Milliarden Euro katastrophal. Umgehend folgte eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Zyperns durch die Ratingagentur Moody's. Die Begründung: Energieknappheit und die Verflechtung der Banken des Landes mit denen in Griechenland, dem grossen Euro-Sorgenkind. Am Freitag stufte auch Standard & Poor's das Land herunter. Kein Schuldenberg Die letzten Finanzdaten Zyperns lassen eigentlich keine Dramatik erkennen. Erst 2010 hat das Land bei den Schuldenstand die in Europa geltende 60-Prozent-Grenzmarke gerissen. Zum Vergleich: Der Schuldenstand Deutschlands liegt bei über 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP), Italien bei 120 Prozent, und Griechenland marschiert in Richtung 160 Prozent. Absolut liegt der Schuldenberg Zyperns bei gut zehn Milliarden Euro - für europäische Verhältnisse überschaubar. Besorgniserregender verlief zuletzt die Neuverschuldung Zyperns. Mit sechs Prozent im Jahr 2009 und 5,3 Prozent ein Jahr später lag das Land vom europäischen Grenzwert von drei Prozent weit entfernt - doch auch hier gibt es in der Euro-Zone weit schlimmere Beispiele. Dennoch schrieb der Internationale Währungsfonds (IWF) den Zyprern ins Klassenbuch, sie müssten ihr hohes Staatsdefizit abbauen und den Trend steigender Staatschulden brechen. Die langfristigen Perspektiven hingen davon ab, dass das Land seine Position als ein internationales Geschäfts- und Finanzzentrum ausbaue. Dazu seien solide Finanzen nötig. Wachstum gebremst Vom Wachstum her gab Zypern noch vor wenigen Monaten keinen Anlass zur Sorge. Auf 1,7 Prozent schätzte der IWF im April das Wachstum des Inselstaats für dieses Jahr. Im nächsten Jahr sollten es mit 2,2 Prozent noch etwas besser laufen. Von einem «schrittweisen Aufschwung», von günstigen Aussichten, war die Rede. Doch das war vor dem Explosionsunglück. Allerdings verwies der Fonds schon damals auf ungewöhnlich hohe Risiken hin, nicht zuletzt wegen der Schuldenkrise in Europa und speziell in Griechenland. Griechenland ist nicht nur der grösste Abnehmer zyprischen Waren, sondern auch bei weitem der grösste ausländische Lieferant.

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