Interview

«Das Uni-Ranking ist wie ein Fussballmatch»

Die Universität Basel rückt im internationalen Vergleich vom 142. auf den 74. Rang vor und ist die drittbeste Hochschule der Schweiz. Was Rektor Antonio Loprieno dazu sagt.

«Die Messungen sind für uns einfach günstig ausgefallen», sagt Uni-Rektor Antonio Loprieno.

«Die Messungen sind für uns einfach günstig ausgefallen», sagt Uni-Rektor Antonio Loprieno. Bild: Tim Loosli

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Das Hochschulranking «Times World University Ranking» vergab dieses Jahr die ersten beiden Plätze in der Schweiz an die ETH Zürich und an die ETH Lausanne. Auf Platz drei liegt neu die Universität Basel. Im weltweiten Vergleich der Universitäten belegt Basel Rang 74 (Vorjahr 142). International auf dem Spitzenplatz liegt das California Institute of Technology. Rang zwei belegt Harvard, dicht gefolgt von der Oxford University. Rektor Antonio Loprieno versucht, den Wert in Relation zu setzen.

Herr Loprieno, herzlichen Glückwunsch. Basel steht im Uni-Ranking neu auf Platz drei, wie haben Sie das geschafft?
Herzlichen Dank! Wir waren selbst ziemlich überrascht.

Warum?
Diese Rankings nehmen mehr und mehr eine sportliche Struktur an. Sie sind wie ein Fussballmatch zu werten.

Spielen Sie den Erfolg der Uni Basel nicht etwas herunter?
Man muss etwas differenzieren. Als Rektor bin ich natürlich glücklich. Als Wissenschaftler muss ich jedoch auch anerkennen, dass die Gründe, die zu diesem tollen Ergebnis führten, nicht klar ersichtlich sind. Wir hatten eine minimale Verbesserung erwartet. Aber nicht so.

Was haben Sie dieses Mal besser gemacht?
Wir pflegen unsere wissenschaftlichen Daten sehr gut. Es kommt bei der Auswertung für solche Rankings auch immer darauf an, welche Art Daten weitergeleitet werden.

Das heisst, die Uni Basel ist gar nicht besser geworden?
Ob wir uns als Institution qualitativ verbessert haben, kann ich nicht beurteilen. Ein solches Urteil soll von Aussenstehenden kommen. Man muss auch betonen, dass die Verbesserung im Ranking nicht unbedingt eine solche in der Qualität der Institution darstellt.

Wie haben Sie also gepunktet?
Wir achten in unseren Prozessen, in der Forschung wie auch in der Lehre, immer auf Qualität. Und wir hoffen, dass sich dies auch auf Rankings niederschlägt. Die Datenbasis, die für die verschiedenen Rankings benutzt wird, ist oft vergleichbar. Aber das Verhältnis zwischen den Indikatoren variiert.

Nennen Sie ein Beispiel?
Gemessen wird beispielsweise als Zeichen der internationalen Ausstrahlung die Zahl ausländischer Professoren. Dabei handelt es sich hingegen um einen Aspekt, der für unsere eigenen akademischen Entscheidungen irrelevant ist. Den Rankings liegt ein angelsächsisches Universitätsverständnis zugrunde.

Angelsächsisch bedeutet was?
Praktisch alle ersten Plätze sind von englischen oder amerikanischen Universitäten besetzt. Das bedeutet, dass die Autoren der Rankings davon ausgehen, dass das Ideal einer Universität beispielsweise Harvard ähnlich sein muss. Die grösseren Schweizer Universitäten entsprechen mehr als etwa die deutschen Universitäten diesem globalisierten Modell und bieten auch englische Masterprogramme.

Darum steht die ETH auf Platz 1 in der Schweiz?
Genau. Die ETH entspricht dem Modell, ist also eine globale technische Universität. Darum schneidet die ETH so gut ab.

Wieso sind Sie besser als Zürich?
Wir sind nicht besser. Ich werde mich hüten, etwas dazu zu sagen, schliesslich möchte ich mit meinem Zürcher Kollegen noch reden können!

Sind Sie jetzt nicht zu bescheiden?
Nein. Weil ich weiss, dass in anderen Rankings Zürich weit höher platziert ist als Basel. Es kann sein, dass dieses Jahr die Messungen für uns einfach günstiger ausgefallen sind als für Zürich. Das Matching der Indikatoren funktionierte offenbar einfach zu unseren Gunsten.

Junge Studenten schauen nicht auf Rankings?
Für Studenten auf Bachelor- und Masterniveau sind Rankings irrelevant, weil wir die meisten aus der Schweiz oder dem nahen Ausland rekrutieren. Wo es vielleicht einen Unterschied macht, sind die globalen Doktoranden. Leute aus Asien oder den USA, die dann vielleicht aus dem Ranking ein Leistungsangebot herauszulesen versuchen.

Wie veränderte sich die Uni Basel vom Image her?
Wir beobachten in den letzten Jahren eine kontinuierliche Verbesserung unseres Renommees. Wir können generell sagen, dass sich die Stellung der Uni Basel in der Welt verbessert.

Warum?
Wir haben eine klare Strategie.

Und wie sieht die aus?
Wir sind eine profilierte Volluniversität. Wir verbinden zwei wichtige Eigenschaften, die wir vereinen. Wir wollen ein möglichst breites Spektrum an Fächern anbieten. Und wir wollen auf bestimmten Gebieten eine besondere Leistung erbringen.

Uninahe Grossräte sprechen von einer Ranking-Manie. Was sagen Sie dazu?
Diese Grossräte haben recht. Man darf diese Rankings nicht überschätzen. Allerdings ist es besser, wenn man gut abschneidet als schlecht. Das zentrale Konzept heisst hier Volatilität. Bei diesen Rankings kann ich nicht voraussagen, dass sich eine bestimmte Massnahme nächstes Jahr unmittelbar auf das Ranking niederschlägt. Es könnte auch kontraproduktiv sein. Wir schneiden etwa besser im Bereich der Forschung als in der Lehre ab. Strategische Entscheidungen können also ganz unterschiedliche, aber letzten Endes unvorhersagbare Auswirkungen auf die Rankings haben.

Erstellt: 04.10.2013, 08:19 Uhr

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