«Der Meerespiegel wird um drei Meter ansteigen»

Das Schmelzen der Eispanzer in der Antarktis ist nicht mehr zu bremsen, zeigen Hochrechnungen der Nasa. Stimmt nicht – das Eis wächst, widerspricht Nasa-Forscher Jay Zwally.

Ursache des Stabilitätsverlusts wurde nicht erläutert: Eismassen in der Antarktis.
Video: Youtube/Keystone

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Erneut haben Wissenschaftler vor dem Risiko eines nicht mehr zu stoppenden Abschmelzens der Eismassen in der westlichen Antarktis gewarnt. Deren Stabilität könne nach langer Zeit ohne Veränderung «ziemlich rasch» zusammenbrechen, berichteten die Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) unter Verweis auf eigene Computer-Simulationen.

Leitautor Johannes Feldmann erklärte: «In unseren Simulationen genügen 60 Jahre des Abschmelzens in der heute beobachtbaren Rate, um einen dann nicht mehr zu stoppenden Prozess des Eisverlustes auszulösen, der tausende von Jahren anhält.» In anderen Worten: Das würde zu einem einem Meeresspiegelanstieg von mindestens drei Metern führen – der sich aber über lange Zeiträume hinziehe.

Die Studie deckt sich mit anderen Studien

Bereits letztes Jahr wurde eine Studie eines Nasa-Forscher veröffentlicht. Das Eis wird immer weiter schmelzen, der Verlust der Gletscher und des Eis ist nicht mehr aufzuhalten, die Eismassen sind unwiderruflich gestört, heisst es in der damaligen Studie. Allerdings wurde ein Meeresanstieg von 1.2 Meter prognostiziert.

Die von den PIK-Forschern nun in der Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America» veröffentlichte Studie deckt sich im Tenor mit anderen wissenschaftlichen Studien aus den vergangenen Jahr, denen zufolge die Stabilität der Eispanzer in der westlichen Antarktis unwiderruflich gestört worden sein könnte. In den Untersuchungen geht es um die Region der Amundsen-See.

Keine Aussagen zur Ursache des Stabilitätsverlustes

Bei den Gletschern dort wirken Rückkopplungseffekte, die ein einmal begonnenes Schmelzen unumkehrbar machen können. Grosse Teile des Eises haben bisher noch keinen Kontakt zum Meerwasser, weil die Eisfelder auf einem unebenen Felsenbett aufliegen, das erst in Richtung des Antarktis-Inneren zu einem tieferem Becken abfällt.

Bislang liegt die Eiskante in vergleichsweise flachem Wasser. Durch das Abschmelzen weicht sie jedoch weiter zurück in das tiefer werdende Becken. Dadurch wird die Kontaktfläche zwischen Eis und Meerwasser insgesamt grösser, was den Prozess des Abschmelzens beschleunigt.

Aussagen zur Ursache des Stabilitätsverlusts in der Westantarktis trafen die Forscher in der Untersuchung dabei nicht. Es fehlten Belege, dass dieser Vorgang ursprünglich durch den Ausstoss von Treibhausgasen und die damit einhergehenden Klimaveränderungen ausgelöst worden sei, erklärte Co-Autor Anders Levermann. Davon unabhängig sei aber klar, dass jeder weitere Ausstoss von Treibhausgasen das Risiko eines Zusammenbruchs der Eispanzer der West-Antarktis und damit auch eines unaufhaltsamen Anstiegs des Meeresspiegels erhöhen werde. Die CO2-Emissionen müssten reduziert werden.

Die Antarktis schrumpft nicht – sie wächst

Eine andere Studie der Nasa belegt genau das Gegenteil: So soll die Antarktis in den letzten Jahren nicht geschrumpft sondern immer ein bisschen gewachsen sein, heisst es auf dem Klima-Blog «breitbart.com». Seit Jahrzehnten sei die Schmelzung der Antarktis als Nachwehe oder als Erklärung der Klimaerwärmung «missbraucht» worden, sagt ein Forscher.

Denn eine Satelliten-Messung der Nasa erzähle eine andere Geschichte. Im Gegensatz zu vielen anderen Studien, die meistens auf Hochrechnungen und Vermutungen basierten. Mit dieser Technik lasse sich die Dicke des Eises genau messen. Die Werte zeigen laut der Nasa, dass mehr Schnee fällt als Gletscher verschwinden. Und gemäss dieser Studie schmelzen die Gletscher nicht, sie wachsen. Der Nasa-Forscher Jay Zwally sagt: «Ich weiss, viele meiner Kollegen werden sich auf unsere Behauptungen stürzen. Es soll ja auch nicht heissen, dass wir den Kernpunkt, nämlich die Klimaerwärmung, vergessen haben. Wir wollen nur Klarheit schaffen.» (nab/AFP)

Erstellt: 03.11.2015, 09:41 Uhr

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