Small Talk

«Die Flasche streut das Licht enorm»

Die HSG-Studentin Leoni Runge will Licht in die Hütten der Slums bringen.

Mit Wasser gefüllte Plastikflaschen bringen Licht in die dunklen Slums-Hütten.

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Sie reisen am Montag zusammen mit zwei Kollegen als Lichtbringer in die Slums von Kapstadt. Wie wollen Sie das konkret machen?

In den Slumhütten ist es meist dunkel, der Zugang zu Strom ist begrenzt und zudem sehr teuer. Nun ist vor Jahren auf den Philippinen die Idee Liter of Light entstanden. Man macht ein Loch in das Wellblechdach der Hütte und setzt eine mit Wasser und Chlor gefüllte PET-Flasche zur Hälfte hinein. Das Sonnenlicht bricht sich im Wasser und streut das Licht in den Innenraum. Die Ressourcen hierfür sind grossteils frei verfügbar. Diese Idee will unsere Organisation Liter of Light Switzerland weltweit verbreiten.

Das klingt verheissungsvoll einfach.

Und es hat eine grosse Wirkung. Die Lichtleistung der Flaschenleuchte entspricht einer 55-Watt-Glühbirne.

Wird das Wasser mit der Zeit nicht trübe?

Hierfür geben wir etwas Chlor oder Bleichmittel in das Wasser. Zudem werden wir global von der Schweizer Firma Sika mit Spezialkleber gesponsert, der die wasserdichte Montierung der Flasche ermöglicht. Die Flaschenleuchte hält so erfahrungsgemäss fünf bis sechs Jahre.

Haben Sie selbst schon solche Lampen installiert?

Sicher. Zum Beispiel bei einem Projekt in Mumbai und Hyderabad in Indien. Wichtig ist, dass die Bewohner uns vertrauen und das Prinzip von Liter of Light verstehen. Sobald wir es Ihnen erklärt haben, nehmen sie uns meist schon die Werkzeuge aus der Hand und können es besser als wir.

Wie kommen HSG-Masterstudenten dazu, sich bei einem solchen Lowtech-Projekt zu engagieren?

Die Nonprofitorganisation ist im Rahmen eines Masterprogrammes an der HSG im Jahr 2011 gegründet worden. Wir verstehen uns primär als Inkubatoren, welche die Bewegung in andere Länder bringt. Wichtig ist, dafür eine stabile Basis zu schaffen. Dies beinhaltet nicht nur Pilotinstallationen und Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch die Schaffung einer lokalen Liter-of-Light-Organisation, die durch ein breites Netzwerk lokaler NGOs gestützt wird und auch nach unserer Abreise die Flascheninstallationen weiterführt. Darin sehen wir unsere Aufgabe in Kapstadt.

Solche Projekte klingen stets idealistisch. Gibt es denn eine Infrastruktur, einen Reparaturdienst oder ein Geschäftsnetz, um bei Bedarf zu einer neuen Flaschenleuchte zu kommen?

Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, eine nachhaltige Infrastruktur aufzubauen. In Kapstadt planen wir, hierfür unter anderem mit einem PET-Recyclingunternehmen zusammenzuarbeiten. Grossartig wäre es, wenn dies Bewohnern in den Slums ein eigenes Geschäft ermöglichen würde, indem sie ihre Arbeit als Flascheninstallateure an ihre Nachbarn verkaufen. In unserem Projekt in Mumbai beispielsweise repariert die neu gegründete Organisation Liter of Light Mumbai vor Ort allfällige Schäden. Selbst in den Slums haben mittlerweile fast alle Menschen Mobiltelefone, sodass die lokale Organisation direkt von den Bewohnern kontaktiert werden kann.


//literoflightswitzerland.org

Erstellt: 24.02.2014, 10:59 Uhr

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Leoni Runge

Die gebürtige Deutsche studiert an der HSG in St. Gallen und ist Mitglied bei der Organisation Liter of Light. Deren Ziel ist, Slumhütten mit einer wassergefüllten PET- Flasche zu beleuchten. Foto: PD

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