Die Nacktschnecken sind wieder da

Nicht im Schneckentempo, sondern rasend schnell breitet sich die Spanische Wegschnecke in der Schweiz aus. Laut der Biologin Eva Knop hilft die Klimaerwärmung, dass sie neue Gebiete erobern kann.

Die Spanische Wegschnecke, Arion lusitanicus, frisst nicht nur Salat, sondern auch ihre eigenen Artgenossen.

Die Spanische Wegschnecke, Arion lusitanicus, frisst nicht nur Salat, sondern auch ihre eigenen Artgenossen. Bild: Keystone

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Was lässt sich gegen Nacktschnecken tun?
Im Garten verursacht vor allem die Spanische Wegschnecke, Arion lusitanicus, Schäden. Sie wurde erstmals 1956 in der Schweiz gefunden und verbreitet sich bei uns seither explosionsartig. Ihre Vermehrung lässt sich eindämmen, indem Eiablageplätze entfernt werden, wie etwa herumliegende Bretter im Garten. Idealerweise erhöht man gleichzeitig ihre Mortalität, indem man ihre natürlichen Feinde wie Igel, Frösche, Laufkäfer oder Mäuse fördert.

Gibt es noch andere Methoden?
Man kann auch die Eier von der Unterseite eines Balkens oder Bretts direkt vernichten. Die Spanische Wegschnecke ist ein Zwitter, sodass jedes Individuum bis zu 400 Eier pro Jahr legt. Sie sehen wie Kaviar aus, nur dass sie weiss sind. Die Nacktschnecke aus Wut einfach zu zerschneiden und im Garten auf den Kompost zu werfen, ist nicht sinnvoll, da dies nur weitere Schnecken anlockt. Denn sie frisst nicht nur Gurken und tote Regenwürmer, sondern als Allesfresser auch ihre eigenen Artgenossen. Daher ist es besser, sie für ein paar Tage tiefzufrieren und nachher zu entsorgen.

Tieffrieren neben dem Glace?
Natürlich würde man die Schnecke vorher in einen Plastiksack stecken. Wichtig ist es auch, Handschuhe dabei zu benutzen, da man ihren Schleim praktisch nicht mehr wegbekommt. Schneckenzäune sind ebenfalls nützlich, um die Dichte zu reduzieren. Schneckenkörner sollten unbedingt auf Eisenphosphat-Basis beruhen, da es sich im Boden abbaut. Produkte mit Metallaldehyden belasten dagegen das Grundwasser. Nacktschnecken sind aber nicht per se schlecht, sondern auch Nützlinge. Zum Beispiel beseitigen sie auch Kot von Hunden und Katzen.

Verdrängt sie die heimische Art?
Im Flachland kommt ihre Zwillingsart Arion rufus, die Rote Wegschnecke, fast nicht mehr vor. Äusserlich unterscheiden sich die beiden Konkurrenten nicht, sondern nur genetisch und beim Sezieren dann auch morphologisch. Die Schweizer Art ernährt sich vorwiegend von totem organischem Material, also nicht von Frischgemüse.

Erobert die Spanische Art weiterhin noch neue Gebiete?
Seit acht Jahren ist sie erstmals auch im Engadin entdeckt worden. Bisher aber nur im Unterengadin. In der Schweiz kommt sie in immer höher gelegenen Bergdörfern vor. Auch nach Osteuropa, etwa nach Lettland und Estland, verbreitet sie sich jetzt rasant.

Wie empfindlich ist sie auf Kälte?
Im Winter vergraben sie sich im Boden, sodass sie die Kälte aushalten. Meist überwintern sie als Eier oder als ganz junge, frisch geschlüpfte Nacktschnecken. Plötzliche Fröste und extreme Kälte überdauern die Tiere nicht, da sie eher eine wärmeliebende Art sind. Durch die kommende Klimaerwärmung könnten sie also noch weiter zunehmen.

Ist sie schneller als die andere Art?
Auch bei der Spanischen Nacktschnecke ist der ganze Körper mit dem klebrigen Schleim bedeckt, damit sie nicht austrocknen. Zudem gleitet sie darauf vorwärts. Im Vergleich zu ihren Konkurrenten scheint sie mobiler zu sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.05.2015, 12:52 Uhr

Die Biologin Eva Knop von der Universität Bern erforscht durch den Menschen verursachte Veränderungen von Ökosystemen wie
etwa die Invasion durch die Spanische Nacktschnecke.

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