ETH-Ehrendoktorin erhält Nobelpreis für Chemie

Die US-Amerikanerin Frances Arnold erhält die Auszeichnung zusammen mit einem Duo für Beiträge zur Entwicklung einer grünen chemischen Industrie.

ETH-Rektorin Prof. Dr. Sarah Springman mit Ehrendoktorin Frances Arnold, die nun den Nobelpreis für Chemie erhielt. (Bild: ETH Zürich, 26.11.2015)

ETH-Rektorin Prof. Dr. Sarah Springman mit Ehrendoktorin Frances Arnold, die nun den Nobelpreis für Chemie erhielt. (Bild: ETH Zürich, 26.11.2015)

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Der Nobelpreis für Chemie geht zur Hälfte an die Amerikanerin Frances Arnold und zu je einem Viertel an ihren Landsmann George Smith und den Briten Sir Gregory Winter. Die drei entwickelten mit den Prinzipien der Evolution Proteine für Biokraftstoffe und Medikamente.

Der Preis gehe an eine «auf Evolution basierende Revolution», teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Den drei Preisträgern sei es gelungen, Kontrolle über die Evolution zu gewinnen und dies für Zwecke zu verwenden, die der Menschheit grössten Nutzen gebracht haben.

George Smith entwickelte eine Methode, bei der sogenannte Bakteriophagen – Viren, die Bakterien infizieren – genutzt werden, um neue Proteine entstehen zu lassen. Dieses Phagen-Display genannte Verfahren nutzte Gregory Winter zur Produktion neuer Pharmazeutika.

2015 Ehrendoktorwürden der ETH Zürich erhalten

Frances Arnold gelang es erstmals, Enzyme gezielt in eine gewünschte Richtung zu entwickeln. Solche Enzyme werden heute für die Herstellung zahlreicher Stoffe genutzt, etwa Biokraftstoffe und Pharmazeutika.

Frances Arnold hat 2015 die Ehrendoktorwürden der ETH Zürich erhalten. Die Innovationskraft ihrer Forschungen hätten «viele Forschende weltweit geprägt, auch an der ETH Zürich», hiess es damals in der Laudatio.

«Frances Arnold war und ist auch für zahlreiche führende Firmen als Beraterin tätig und hat so die Brücke zwischen Akademie und Industrie geschlagen», sagte damals Professor Ralph Müller, Vorsteher des Departements Gesundheitswissenschaften und Technologie, bei der Verleihung.

Arnold gilt als Pionierin in der Verwendung von Methoden gerichteter Evolution bei der Entwicklung neuer Proteine zum Beispiel für Medizin, Biokatalyse und Bio-Brennstoffe. Bei der gerichteten Evolution werden Prozesse der natürlichen Evolution im Labor nachgeahmt, um neue und bessere Enzyme für verschiedene Anwendungen zu gewinnen.

«Die Evolution ist das stärkste Entwicklungsverfahren der Welt, und das sollten wir nutzen, um neue biologische Lösungen für Probleme zu finden», sagte Arnold 2016, als sie in Helsinki den hochrenommierten Millennium Technology Prize entgegenahm. Die neue Technologie ersetze teure, toxische und nicht nachhaltige chemische Verfahren bei der Herstellung von Pharmazeutika, Kosmetika, Textilien, Lebensmittel und Papier.

Erst fünfte Chemie-Nobelpreisträgerin

Am Dienstag ging der Nobelpreis für Physik erstmals seit 55 Jahren wieder an eine Frau – die Kanadierin Donna Strickland gewann zusammen mit Gérard Mourou, wobei die beiden sich den Preis mit Arthur Ashkin (USA) teilten.

Nun wurde auch im Bereich Chemie eine Frau ausgezeichnet, erstmals seit 2009. Frances Arnold ist die fünfte Frau, welche von der Schwedischen Akademie geehrt wird. Die erste war Marie Curie 1911, ihr folgten 1935 ihre Tochter Irene Joliot-Curie sowie 1964 Dorothy Crowfoot Hodgkin und zuletzt 2009 Ada Yonath.

Frances Arnold gewann 2011 bereits die höchste Auszeichnung der USA für ihr Gebiet, die National Medal of Technology and Innovation, welche vom US-Präsidenten an Erfinder und Innovatoren vergeben wird. (Reuters/Jason Reed)

Die drei Wissenschaftler entwickelten mit den Prinzipien der Evolution Proteine für Biokraftstoffe und Medikamente, wie die Königliche Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mitteilte.

2017 gewann ein Schweizer

Im vergangenen Jahr waren der Schweizer Jacques Dubochet, der aus Deutschland stammende US-Forscher Joachim Frank und der Brite Richard Henderson für ihre Beiträge zur Entwicklung der Kryo-Elektronenmikroskopie ausgezeichnet worden, einer Methode zur besseren Darstellung von Biomolekülen (erklärt im Artikel: Der Trick mit dem schnellen Gefrieren).

Vor Dubochet erhielt 2002 der ETH-Professor Kurt Wüthrich den Nobelpreis für Chemie – für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Magnetresonanz-Spektroskopie. Entsprechend gross war die Freude hierzulande.

Strahlender Sieger: Jacques Dubochet an einer Veranstaltung der Universität Lausanne. Foto: Keystone

Dieses Jahr wird der 110. Chemie-Nobelpreis seit 1901 vergeben. In den Jahren 1916, 1917, 1919, 1924, 1933, 1940, 1941 und 1942 gab es keine Verleihung. Die bisherigen 109 Auszeichnungen gingen an 63 Einzelpersonen, 23 Duos und 23 Trios.

Frederick Sanger ist die einzige Person, welche zwei Chemie-Nobelpreise erhielt (1958 und 1980). Auch Marie Curie hat zwei Auszeichnungen erhalten, allerdings einmal für Physik (1903) und einmal für Chemie (1911). Dasselbe gilt für Linus Pauling (Chemie 1954 und Frieden 1962).

Friedensnobelpreis am Freitag

Der Nobelpreis-Reigen begann am Montag mit dem Preis im Bereich Medizin. Er ging an zwei Krebsforscher aus den USA und Japan. Am Dienstag wurden die Physiker Arthur Ashkin und Gérard Mourou sowie die Kanadierin Donna Strickland für ihre Laserforschung ausgezeichnet.

Am Freitag werden der Friedensnobelpreis und am Montag der Wirtschaftsnobelpreis vergeben. Wegen eines Vergewaltigungsskandals im Umfeld der Schwedischen Akademie wurde die Bekanntgabe des Literaturnobelpreisträgers auf das kommende Jahr verschoben. Traditionell werden die Preise am 10. Dezember verliehen.

(amc/anf/afp)

Erstellt: 03.10.2018, 11:36 Uhr

Die Chemie-Nobelpreisträger seit 2008

Die seit 1901 verliehenen Chemie-Nobelpreise gingen vor allem an amerikanische Forscher. Die erste Auszeichnung erhielt der Niederländer Jacobus van't Hoff für die Entdeckung von Gesetzen der Osmose. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre sind:


2017: Der Deutsch-Amerikaner Joachim Frank, der Schweizer Jacques Dubochet und der Brite Richard Henderson für die Kryo-Elektronenmikroskopie. Damit lassen sich Biomoleküle im Detail untersuchen - sie zeigt beispielsweise dreidimensionale Bilder von Proteinen.

2016: Der Franzose Jean-Pierre Sauvage, der gebürtige Brite James Fraser Stoddart und der Niederländer Bernard Feringa. Sie bauten aus nur wenigen Molekülen beispielsweise künstliche Muskeln und ein Mini-Auto.

2015: Tomas Lindahl (Schweden), Paul Modrich (USA) und Aziz Sancar (USA/Türkei), die Erbgut-Reparatursets beschrieben hatten. Diese Erkenntnisse dienen unter anderem zur Suche nach Krebsmedikamenten.

2014: Der deutsche Forscher Stefan Hell sowie die US-Amerikaner Eric Betzig und William Moerner für die Erfindung superauflösender Mikroskope. Damit kann man in lebende Zellen blicken und Abläufe bei Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson beobachten.

2013: Martin Karplus (USA/Österreich), Michael Levitt (USA/Grossbritannien) und Arieh Warshel (USA/Israel) für Methoden, mit denen sich auch komplexe chemische Reaktionen virtuell nachvollziehen lassen.

2012: Robert Lefkowitz und Brian Kobilka aus den USA für die Entdeckung von Rezeptoren, die zahlreiche Signale von aussen in die Körperzellen übermitteln.

2011: Dan Shechtman (Israel), der Quasikristalle entdeckt hatte, die zuvor von vielen Chemikern für unmöglich gehalten wurden.

2010: Richard Heck (USA) sowie die Japaner Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki, die komplexe Substanzen aus Kohlenstoff herstellten. Sie bauten so unter anderem natürliche Wirkstoffe gegen Krebs nach.

2009: Venkatraman Ramakrishnan (Grossbritannien), Thomas Steitz (USA) und Ada Jonath (Israel) für die Erforschung der Eiweissfabriken in biologischen Zellen, den Ribosomen.

2008: Die Amerikaner Osamu Shimomura, Martin Chalfie und Roger Tsien, weil sie ein grünlich leuchtendes Protein einer Qualle zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Biologie gemacht haben. Damit lassen sich viele Vorgänge im Körper verfolgen.

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