Ist der Komet Ison kurz vor dem Auseinanderbrechen?

In einer Woche wird der Komet Ison sehr nahe an der Sonne vorbeifliegen. Falls er das Inferno überlebt, werden spektakuläre Leuchterscheinungen am Himmel zu beobachten sein.

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Seit seiner Entdeckung im September 2012 setzen Astronomen rund um den Globus grosse Hoffnungen in den Kometen Ison. Weil er sehr nahe an der Sonne vorbeifliegen wird, werden spektakuläre Leuchterscheinungen am Himmel erwartet. Nun scheint Ison die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. Seit einigen Tagen ist der Komet in klaren Nächten von blossem Auge sichtbar. Am 13. November hat seine Helligkeit innerhalb weniger Stunden um zwei Grössenklassen zugenommen. Doch nun könnte der Komet auseinanderbrechen.

Kometen oder Schweifsterne sind kleine Himmelskörper, die aus einem Kern aus Eis, Staub und gefrorenen Gasen bestehen. Nähern sie sich der Sonne, beginnt dieser Kern langsam aufzutauen und auszudampfen. Dadurch bildet sich um den Kern eine Dunstglocke, die Koma genannt wird. Die Bestandteile der Koma werden durch den Strahlungsdruck der Sonnenstrahlen sowie den Sonnenwind weggeblasen und bilden den Schweif des Kometen. Dieser kann bis zu mehrere 100 Millionen Kilometer lang sein, und er zeigt immer von der Sonne weg.

Perihel am 28. November

Ison befindet sich zurzeit auf dem Weg zur Sonne und wird am 28. November das Perihel, den kleinsten Abstand zur Sonne, erreichen. Dabei wird die Distanz zur Sonne lediglich etwas mehr als eine Million Kilometer betragen. Dies entspricht weniger als dem dreifachen Abstand zwischen der Erde und dem Mond. Das plötzliche Aufleuchten des Kometen zeugt von der erhöhten Aktivität des Kometen durch die zunehmende Hitze auf seiner Oberfläche. Mit zunehmender Nähe zur Sonne in den nächsten Tagen ist deshalb mit weiteren Helligkeitsausbrüchen zu rechnen.

Ob es aber wirklich dazu kommen wird oder ob der Komet in der Gluthitze der Sonne verglühen wird, ist noch ungewiss. Matthew Knight von der Nasa Comet Ison Observing Campaign hat auf seinem Blog drei mögliche Szenarien für die nächsten Tage skizziert:

  • Auflösung vor Erreichen des Perihels: Dieses Szenario beschreibt eine spontane Auflösung des Kometen. Ein kleiner Teil von weniger als einem Prozent aller beobachteten Kometen löst sich spontan, ohne ersichtlichen Grund auf.
  • Zerstörung im oder nahe am Perihel: Die äussersten Schichten des Kometen werden sich bei der Annäherung an die Sonne auf über 2000 Grad Celsius erhitzen. Diese hohen Temperaturen verbunden mit den starken Gravitationskräften in Sonnennähe könnten zu einem Auseinanderbrechen des Kometen führen.
  • Überleben: Ison bewegt sich mit etwa 400 Kilometern pro Sekunde vorwärts. Dank dieser hohen Geschwindigkeit ist die Zeit, die er in unmittelbarer Nähe zur Sonne verbringt, relativ kurz. Dadurch könnte der Komet ein vollständiges Verdampfen verhindern.

Das beobachtete Aufleuchten in den vergangenen Tagen könnte über eine erhöhte Aktivität des Kometen hinaus auch der Vorbote zu einem Auseinanderbrechen sein. Eigentlich hätte Ison mit seinen 2 Kilometern Durchmesser gute Voraussetzungen, um das Inferno zu überstehen. Über das Wochenende haben nun aber Astronomen der Ludwig-Maximilians-Universität in München und des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung Hinweise für einen Kollaps gefunden. Neu entdeckte bogenförmige Strukturen um den Kern könnten ein Indiz dafür sein, dass sich Ison in zwei oder mehrere Teil aufgespaltet hat. Forscher von der Comet Ison Observing Campaign (Cioc) der Nasa hingegen warnen vor voreiligen Schlüssen. Bei den beobachteten Strukturen könnte es sich auch um Staubfontänen handeln.

Grandioses Schauspiel

Sollte der Komet den Vorbeiflug an der Sonne überleben, so dürfen wir uns auf ein grandioses Schauspiel freuen. Spätestens ab dem ersten Dezember würde der Komet wieder aus dem Glanz der Sonne hervortreten. Gegen 6 Uhr (MEZ) oder ab 17 Uhr wäre er dann zu bestaunen. Mit etwas Glück wird dann ein viele Monddurchmesser langer und sehr hell leuchtender Schweif am Himmel zu bewundern sein. Von einer direkten Beobachtung mit einem Feldstecher ist aber dringend abzuraten. Durch die Nähe zur Sonne könnte es zu schweren Augenschäden kommen.

Falls Ison jedoch in der Glut des Perihels verschwinden sollte, dürften sich die Astronomen trotzdem freuen. Zig Teleskope verfolgen seine Laufbahn zurzeit. Noch nie zuvor wäre ein Kollaps eines Kometen so detailliert dokumentiert worden.

Erstellt: 19.11.2013, 18:26 Uhr

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