Ist lautes Stöhnen im Tennis tatsächlich unfair?

Eine Forschergruppe hat untersucht, ob die kontrovers diskutierten Geräusche den Gegner wirklich irritieren.

Schreie und Gestöhne: Auf Tennisfeldern wird es manchmal richtig laut. Video: Marco Pietrocola

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Sie können Lautstärken von über einhundert Dezibel erreichen und konkurrieren so mit dem Lärmpegel von Motorrädern oder Kreissägen: Stöhngeräusche, die manche Tennisspielerinnen und -spieler ausstossen, wenn sie gegen den Ball schlagen. Während Fans das effektvolle Ausatmen wahlweise genervt oder belustigt zur Kenntnis nehmen, sorgt es unter Profis für kontroverse Diskussionen.

Viele Spielerinnen und Spieler empören sich darüber, dass die Laute das Schlaggeräusch übertönen würden und damit auf unfaire Weise die Voraussage des Ballflugs erschweren. Ob diese immer wieder vorgebrachte Beschwerde gerechtfertigt ist, hat ein Forscherteam der Friedrich-Schiller-Universität in einer neuen Studie überprüft.

Probanden liessen sich nicht ablenken

Für die Studie wurden erfahrenen Spielern Videoausschnitte einer Begegnung aus dem Profitennis gezeigt. Vom Betrachten der Tennisschläge sollten sie auf die Flugbahn des Balls schliessen und dessen Auftreffpunkt bestimmen. Unbemerkt von den Probanden manipulierten die Wissenschaftler jedoch die Lautstärke der Stöhngeräusche, die in der Aufzeichnung die Schläge begleiteten. Die Auswertung des Experiments ergab, dass das Stöhnen durchaus einen Effekt hat.

Es zeigte sich, dass die Probanden eine umso längere Flugbahn des Balls vermuteten, je lauter das Stöhnen eingespielt wurde. Diese Reaktion konnte selbst dann noch beobachtet werden, wenn die Lautäusserungen erst nach dem Ballkontakt wahrnehmbar wurden. Jedoch liess sich den Erhebungen nicht entnehmen, dass sich die Spielerinnen und Spieler vom Gestöhne ablenken liessen. Der vermeintlichen Irritation zum Trotz sagten sie den tatsächlichen Ankunftsort des Balls im Schnitt treffsicher voraus.

Auch andere Sinneseindrücke von Bedeutung

Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass das Stöhnen konkrete Auswirkungen auf den Schlag eines Spielers hat. Starkes Ausatmen von Luft aktiviert die Bauchmuskulatur und setzt weitere Kräfte frei. Dies führt in der Folge zu härteren Schlägen und höheren Ballgeschwindigkeiten. Das Gestöhne liefert dem Gegner so Hinweise, die er zu seinem Vorteil nutzen kann.

Das Ergebnis der Studie deutet laut den Forschern darauf hin, dass die viel geäusserte Kritik am Stöhnen überdacht werden sollte. Für die Sportpsychologen ist es ausserdem ein Beleg dafür, dass auch andere Sinneseindrücke als das Sehen für die Wahrnehmung im Sport von Bedeutung sind und von der Wissenschaft zukünftig stärker berücksichtigt werden sollten. (mp)

Erstellt: 16.05.2019, 14:06 Uhr

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