Essbare Insekten

Leckere Insekten-Snacks

Insekten liefern wertvolle Proteine und Mineralstoffe, brauchen wenig Futter und schonen das Klima. Mehr als 1900 Insektenarten werden weltweit verzehrt. Gestern priesen Experten die Leckereien in Zürich an.

«Schmeckt gut»: Silvio Blaser vom Verein Insectissimo isst eine Heuschrecke. (Video: Barbara Reye)

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Viele Menschen in westlichen Ländern graut es allein schon vor dem Gedanken, genussvoll in eine Larve oder eine Heuschrecke zu beissen. Zu Unrecht findet die Biologin Claudia Hoffmann. Der Ekel sei unbegründet und nur eine reine Kopfsache. Auch Shrimps würden im Prinzip nicht viel appetitlicher aussehen. Und in Holland gebe es seit vergangener Woche jetzt sogar im Supermarkt Fast Food und Snacks aus Mehlwürmern, Heuschrecken und Mottenlarven – in Form von Frikadellen, Burgern und Chips.

Gemeinsam mit dem Paläontologen Marcelo Sánchez hat Claudia Hoffmann gestern Abend am Zoologischen Museum der Universität Zürich die Veranstaltung «Essbare Insekten» organisiert. «Sie schmecken gut, sind reich an Proteinen und viel umweltschonender als etwa ein Steak.» Um für Konsumenten den möglichen Ekelfaktor eines sechsbeinigen Krabbeltiers oder einer schrumpeligen Larve auf unseren Tellern gar nicht erst aufkommen zu lassen, haben sich Studenten von der ZHAW Wädenswil etwas einfallen lassen. So haben sie alles, was an das Insekt erinnert, entfernt und aus den Mehlwürmern ein Proteinpulver hergestellt. Dieses haben sie dann weiter zu einem köstlichen Energieriegel verarbeitet, der unter anderem Sonnenblumenkerne, Haferflocken, geröstetes Sesam und einen Überzug aus Schokolade enthält.

«Der Riegel besteht zu 13 Prozent aus von Mehlwürmern gewonnenen Proteinen und ist für Sportler gedacht», sagt Meinrad Koch von der ZHAW. Denn Sportler würden generell mehr auf Funktionalität achten. Er kenne sogar Sportler, die rohe Eier oder wenig schmackhafte Protein-Shakes zu sich nehmen. Laut einer ersten Umfrage sei die Akzeptanz für einen solchen Insektenriegel bei Sportlern vorhanden.

Schon früher haben Menschen Insekten gegessen und sie als besondere Delikatesse geschätzt. «Etwa 2000 Jahre zurück haben Römer, die zu einer besser gestellten Schicht gehörten, Cossus-Larven verspeist», erklärt Christian Bärtsch vom Start-up Essento, das derzeit eine Palette von Insekten-Snacks entwickelt. Und im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein habe man zum Beispiel in vielen Ländern Westeuropas die Maikäfersuppe gegessen. Sie habe einen krebssuppenartigen Geschmack. Er selbst hoffe nun, dass er im kommenden Frühling genug Käfer fangen könne, um sie endlich auch einmal zu probieren.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.11.2014, 15:50 Uhr

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