Sie schrauben an der Zukunft

Am Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» zeigen Jugendliche ihre Ideen für eine bessere Welt.

Präsentation an der ETH Lausanne: Elsa Tschopp und ihr Mini-U-Boot, das in Gewässern Daten sammelt. Foto: Olivier Vogelsang

Präsentation an der ETH Lausanne: Elsa Tschopp und ihr Mini-U-Boot, das in Gewässern Daten sammelt. Foto: Olivier Vogelsang

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Man mag es fast nicht glauben. Sie hätten von den Dingen, die sie anpackten, wenig, ja eigentlich gar keine Ahnung gehabt, gestehen Jugendliche am Final des Wettbewerbs «Schweizer Jugend forscht» am Wochenende in Lausanne. Am Anfang beseelte sie vor allem der Wunsch nach dem grossen Wurf. Fantasien von Robotern, Maschinen und Apparaten geisterten durch die Köpfe.

Die Jugendlichen recherchierten, lasen, planten, zeichneten. Sie besorgten sich Bauteile: Motoren, Sensoren und Mikroprozessoren. Sie bohrten, schraubten, löteten, programmierten, tüftelten, pröbelten und probten – so lange, bis die Maschinen genau das taten, wofür sie bestimmt waren. Kaum ein Jahr Zeit blieb von der Idee bis zur Verwirklichung. Die Angst, zu scheitern, bedrängte die Jugendlichen nicht. Eine Art Spieltrieb erfrischte sie. Der Drang, etwas Aussergewöhnliches zu schaffen, entwickelte sich mit der Zeit zu einer regelrechten Besessenheit.

Rückschläge gehören dazu

Die 19-jährige Elsa Tschopp, die als Maturaarbeit an der Kantonsschule Limmattal ein ferngesteuertes Modell-U-Boot samt Livekamera baute, sagt: «Wenn etwas nicht klappte, machte ich einen halben Tag Pause. Dann investierte ich noch mehr Zeit.» Sie habe sich immer eingeredet: «Ich schaffe, bis es fertig ist.» Elsa Tschopp motivierte, dass dank der Entwicklung eines 3-D-Scanners schon ihr älterer Bruder bis ins Finale von «Schweizer Jugend forscht» vorgedrungen war und danach in die USA an einen weiteren Forschungswettbewerb reisen konnte.

Doch die Zürcherin musste geduldig sein. Die Tatsache, dass ihr U-Boot bei einer Testfahrt in den Tiefen eines Swimmingpools kreiste und nicht mehr an die Oberfläche zurückkehrte, empfand die 19-Jährige nach all den Mühen geradezu als Bagatelle. Mittlerweile hat das Gefährt mehrere Tauchgänge in grösseren Gewässern hinter sich und interessante Livebilder von Wasserpflanzen und Fischen geliefert. Die Forscherin erweiterte das U-Boot um ein System zur Messung von Licht, Wasserdruck und Temperatur.

Eine gelungene Geschichte

Oft war bei den Jugendlichen der Wunsch nach einer edlen Tat die Triebfeder für ihre Forschungsarbeiten. Etwa bei der Basler Gymnasiastin Lenya Koechlin, die ein Bilderbuch für seh- und nicht sehbehinderte Kinder kreierte. «Das gab es so noch nicht», sagt die 18-Jährige. Dank ihr ist es nun da. Lenya Koechlin erzählt in Druck- und Blindenschrift die Geschichte eines scharfäugigen Adlers, der seine Federn verliert, die ein sehschwacher Maulwurf findet. Die beiden merken, dass sie mit der Hilfe des jeweils anderen deutlich besser zurechtkommen, und spannen fortan zusammen. Eine gesellschaftlich wichtige Botschaft – und ein literarisch und gestalterisch gelungenes Projekt. Der Schweizerische Blindenbund würde das Buch gerne publizieren, entschieden ist allerdings noch nichts.

Durchaus stolz und mit gesundem Selbstbewusstsein traten die Jungforscher in Lausanne auf, im Wissen, etwas Überdurchschnittliches oder gar Spektakuläres geleistet zu haben. Der Berner Oberländer Gymnasiast Cédric Portmann stellte seinen selbst gebauten Bewässerungsroboter gar in einen politischen Kontext. Der 18-Jährige, der in drei Wochen am Gymnasium Thun-Schadau zu den Maturaprüfungen antritt, sagt: «Unsere Politiker reden gerne über Klimawandel, den ökologischen Fussabdruck und Süsswasserknappheit. Sie werden in 30 oder 40 Jahren nicht mehr hier sein, ich bin es aber noch: Darum wollte ich für den Umweltschutz etwas Innovatives entwickeln.»

Cédric Portmann besorgte sich einen Mähroboter Marke Husqvarna, den ihm die Firma als Sponsoringbeitrag überliess. Der 18-Jährige baute das Gerät um, setzte zwei neue Motoren ein, brachte Sensoren an. Auch die Blumentöpfe seiner Mutter rüstete er mit Sensoren samt einer Funksenderanlage aus. Die Installation misst nun die Erdfeuchtigkeit in den Töpfen und meldet dem Roboter, wenn die Pflanzen Wasser brauchen. Kommt das Zeichen für Trockenheit, fährt der Roboter los, ortet die Pflanze, findet sie, fährt den Schlauch über den Topfrand und bewässert die Erde.

Startrampe für grosse Karrieren

Für Cédric Portmann endete der Final des Wettbewerbs «Schweizer Jugend forscht» an der ETH Lausanne (EPFL) durchaus erfolgreich. Die Jury zeichnete sein Projekt wie auch jenes von Elsa Tschopp als «sehr gut» aus, nur die Bewertung «hervorragend» wäre noch besser gewesen. Diese bekam Lenya Koechlin für ihr Bilderbuch.

Der 18-jährige Berner Oberländer Cédric Portmann ist zufrieden: Er reiste mit 800 Franken Prämie nach Hause, vor allem aber gewann er einen Sonderpreis, der ihm erlaubt, seinen Roboter in diesem Jahr an der Expo Science Europe in der slowakischen Stadt Zilina zu präsentieren. Was aus dem Gerät wird, ist heute nicht absehbar. Cédric Portmann weiss: «Um es weiterzuentwickeln, bräuchte ich die Hilfe eines Spezialisten.» Was aus ihm selbst wird, hat Cédric Portmann entschieden: Er wird an der EPFL Mikrotechnik studieren. Elsa Tschopp hat sich für ein Physikstudium an der ETH Zürich entschieden. Lenya Koechlin will Ärztin werden.

Gut möglich, dass die wissenschaftlichen Karrieren der drei gerade begonnen haben. Die Teilnahme bei «Schweizer Jugend forscht» kann der erste Schritt auf dem Weg in den Olymp sein. So war es beim Physiker Ralph Eichler. Dieser konstruierte in seinem Maturajahr einen Computer, der zweistellige Ziffern lesen konnte. Dafür heimste er als Jungforscher einen Preis ein. Später wurde er Physikprofessor, und heute ist er Präsident der ETH Zürich.

Teilnehmer, Projekte und Auszeichnungen: www.sjf.ch

Erstellt: 06.05.2014, 02:38 Uhr

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