Studenten und Forscher fordern Beteiligung an EU-Programmen

Rund 400 Vertreter aus Bildung und Forschung protestieren mit einer Petition gegen die Rückstufung der Schweiz bei den EU-Forschungsprogrammen Horizon 2020 und Erasmus+.

Tiefe Trauer: Studenten beerdigen symbolisch das Studentenaustauschprogramm Erasmus+ vor dem Bundeshaus. (20. Februar 2014)

Tiefe Trauer: Studenten beerdigen symbolisch das Studentenaustauschprogramm Erasmus+ vor dem Bundeshaus. (20. Februar 2014) Bild: Keystone

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Nachdem die EU-Kommission letzte Woche der Schweiz den Zugang zu den EU-Forschungsprogrammen und dem Studentenaustauschprogramm Erasmus+ schnöde aufgekündigt hat, meldet sich nun die hiesige Hochschulgemeinde zu Wort: In einem heute veröffentlichten Appell wenden sich rund 400 Studenten und Hochschulangehörige an die politischen Entscheidungsträger in Europa und in der Schweiz: Sie fordern die Politiker auf beiden Seiten auf, alles daran zu setzen, dass sich die Schweizer Hochschulen weiterhin vollberechtigt am Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 und am Bildungs- und Austauschprogramm Erasmus+ beteiligen können.

Der Austausch von Studenten und Forschern sei eine unabdingbare Voraussetzung für eine hohe Qualität in Lehre und Forschung, schreiben die Appellanten. Zudem habe sich die Schweiz mit der Unterzeichnung der Bologna-Deklaration 1999 zu einem offenen europäischen und internationalen Hochschulraum bekannt. Die drohende Isolation des Bildungs- und Forschungsstandortes Schweiz in Europa stelle nun die in den letzten Jahren errungenen Erfolge und Fortschritte des Bildungs- und Forschungsstandortes Schweiz infrage.

Appell im Netz unterzeichnen

Der Appell, den der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) initiiert hat, wurde im Internet veröffentlicht. Auf der Website können alle Personen, die sich dem Aufruf anschliessen wollen, den Appell unterzeichnen. Die Rektorinnen und Rektoren der universitären Hochschulen, der Fachhochschulen und der Pädagogischen Hochschulen sowie die schweizerischen Akademien der Wissenschaften unterstützen den Appell, ebenso zahlreiche Forscher. Zu den Erstunterzeichnern zählen gemäss einer Mitteilung von ETH-News auch Vertreter der Studierendenorganisationen an der ETH sowie deren Schulleitung. «Die ETH Zürich will weiterhin im internationalen Wettbewerb in der Spitzengruppe bestehen und den Austausch mit Hochschulen und Forschungsinstitutionen in Europa pflegen», sagt Ralph Eichler, Präsident der ETH Zürich. «Offenheit für die Zusammenarbeit mit den Besten ist dafür die Voraussetzung.»

Am 26. Februar hatte die Europäische Kommission bekannt gegeben, dass sich die Schweiz 2014 nicht mehr wie seit 2004 als assoziiertes Mitglied an Horizon 2020 und Erasmus+, den Bildungs-, Forschungs- und Innovationsprogrammen der Europäischen Union, beteiligen kann. Mit dem Drittlandstatus verlieren Forschende in der Schweiz den Zugang zu den ERC-Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC), die als Qualitätsausweis für die Spitzenforschung gelten, und sie können keine gesamteuropäischen Kooperationsprojekte mehr leiten. Es wird befürchtet, dass der Drittlandstatus die Attraktivität und die Konkurrenzfähigkeit des Forschungsplatzes Schweiz beeinträchtigt.

Die EU begründet ihre Entscheidung mit der Nichtunterzeichnung des Protokolls über die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien. Dieses Protokoll hat der Bundesrat nicht unterzeichnet, nachdem sich Schweizerinnen und Schweizer am 9. Februar 2014 gegen die Personenfreizügigkeit und für die Kontingentierung der Aufenthaltsbewilligungen ausgesprochen hatten.

(mma)

Erstellt: 04.03.2014, 14:31 Uhr

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«Aus dem Elfenbeinturm heraustreten»

Die hohe Zahl von ausländischen Studenten und Professoren an Schweizer Universitäten sei kein Problem, sondern eine Stärke, von der das Land profitiere, sagt Michael Hengartner, der neue Rektor der Uni Zürich. «Internationalität bringt enorm viel Qualität.» Ihr verdanke die Schweiz ihren Spitzenplatz in der Wissenschaft.

Hengartner gehört denn auch zu den 400 Erstunterzeichnern eines am Dienstag veröffentlichten «Appells für einen offenen europäischen Hochschulraum», den der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) initiiert hatte.

Hengartner schliesst nicht aus, dass sich die Universitäten in ähnlichen Situationen in Zukunft stärker in den Wahlkampf einmischen werden. «Man kann sich vorstellen, dass die Hochschulen künftig aus dem Elfenbeinturm heraustreten.» Alle betroffenen Kreise sollten ihre Meinung in den politischen Prozess einbringen dürfen.
(sda)

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