Interview

«Wenn Konsumenten keine Gentech-Produkte möchten, pflanzen wir diese auch nicht an»

Auf dem Versuchsfeld von Agroscope wurde eine neue, gentechnisch veränderte Weizensorte gesät. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) sieht der Forschung positiv entgegen.

Studenten pflanzen gentechnisch veränderten Weizen auf einem Versuchsfeld nahe der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz.

Studenten pflanzen gentechnisch veränderten Weizen auf einem Versuchsfeld nahe der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz. Bild: Keystone

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Herr Egger, der Schweizerische Bauernverband unterstützt die Verlängerung des Anbaumoratoriums. Sie wollen also, dass die Landwirtschaft gentechfrei bleibt, und trotzdem unterstützen Sie die Gentechforschung. Ist das nicht ein Widerspruch?
Wir sind für die Verlängerung des Moratoriums, weil dies auch die Zeit gibt, weitere Forschungen zu betreiben. Ein Moratorium ist weder ein absolutes Verbot noch die volle Freigabe, und das finden wir gut. Es gibt nämlich noch viele offene Fragen zu klären, zum Beispiel was die agronomischen Vorteile für Schweizer Bauern sind, welche Risiken Gentechpflanzen haben oder wie hoch zum Beispiel die Gefahr einer Auskreuzung mit Wildpflanzen ist. Genau dafür brauchen wir Forschung.

Zumindest die Frage der Umweltrisiken hat das Nationale Forschungsprogramm NFP 59 doch geklärt und ist zum Schluss gekommen, dass Gentechpflanzen nicht schädlicher sind als konventionelle Züchtungen.
In Bezug auf die Risiken gibt es verschiedene Studien, die sich zum Teil widersprechen. Der Bauernverband möchte vor allem praxisorientierte Forschung, die der Schweizer Landwirtschaft einen agronomischen Vorteil bringt.

Beim heute gestarteten Versuch handelt es sich um reine Grundlagenforschung mit einem Weizen, der nie auf einem Schweizer Feld angebaut werden wird. Ist das ein Problem?
Das ist so. Wir möchten in Zukunft wirklich darauf hinarbeiten, dass die Gentechforschung die Landwirte auch mit einbezieht und Themen bearbeitet, die für die Schweiz wichtig sind. Die Projekte mit Feuerbrand-resistenten Apfelsorten etwa, die auch an der ETH gemacht wurden und werden, sind sehr wertvoll. Gefragt ist solche praxisorientierte Forschung.

Hat die Schweizer Gentechforschung bisher zu wenig auf die Landwirte gehört?
Das kann man schon so sagen. Die Bauern wurden bisher kaum gefragt. Die Forschungen der ETH etwa zum Vitamin-A-angereicherten Golden Rice sind zwar sehr gut, aber sie nützten doch eher der Entwicklungszusammenarbeit als der Schweizer Landwirtschaft.

Welche Ziele müsste die Gentechforschung anstreben, damit sie den Schweizer Bauern nützt?
Sie müsste vor allem Produkte hervorbringen, die agronomische und wirtschaftliche Vorteile bringen.

Also noch ertragreichere Pflanzen?
Nicht unbedingt: Mit krankheitsresistenten Pflanzen könnte man den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln verringern. Das würde den Landwirten auch Kosten ersparen. Weniger spritzen ist immer gut. Ein weiteres interessantes Feld wären Pflanzen, die trockene Zeiten besser überstehen. Aber solche Produkte müssten die Konsumenten überzeugen. Wenn diese keine Gentechprodukte möchten, werden wir sie auch nicht anpflanzen.

Die öffentliche Meinung ist konstant gentechkritisch, dies vor allem gegenüber der Gentechnologie in der Landwirtschaft. Sollte sich der Bauernverband nicht für einen generellen Verzicht der Gentechforschung starkmachen?
Ich denke, das wäre ein Fehler. Wir müssen auch auf das schauen, was im Ausland passiert.

Haben wir den Zug nicht schön längst verpasst?
Ich glaube nicht. Bis jetzt gibt es keine Gentechpflanzen auf dem Markt, von denen wir in der Schweiz profitieren können. Soja und Baumwolle produzieren wir nicht, und Schädlinge beim Mais können wir auf andere Art sehr gut bekämpfen. Jetzt gibt es allerdings weltweit neue Ideen, zum Beispiel mit Feuerbrand-resistentem Obst oder auch fäuleresistenten Kartoffeln. Diese Krankheiten bereiten uns Probleme und müssen zum Teil mit umstrittenen Mitteln bekämpft werden. Hier wären innovative Produkte allenfalls interessant.

Erstellt: 19.03.2014, 13:56 Uhr

Francis Egger, Leiter Wirtschaft und Politik im Schweizerischen Bauernverband (SBV), über die Strategie der Bauern im Zusammenhang mit Gentechpflanzen. (Bild: Keystone )

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Das umzäunte und bewachte Versuchsfeld stehe Forschenden aus der Schweiz offen, die Grundlagenforschung oder anwendungsorientierte Forschung betreiben möchten, teilte Agroscope am Mittwoch mit. In der Vergangenheit gab es mehrfach Protestaktionen gegen Gentech-Feldversuche. Zum Teil wurden dabei die Pflanzungen zerstört.

Der neuste Versuch der Universität Zürich geht der Frage nach, ob natürlich im Weizen vorkommende Resistenzgene «optimiert und züchterisch besser eingesetzt» werden könnten. Dazu haben laut Agroscope die Forschenden die Aktivität der Gene verstärkt und verschiedene Gene in einer neuen Art und Weise miteinander kombiniert. Geklärt werden soll, ob die Krankheitsresistenz verbessert wird und ob die gentechnische Veränderung allenfalls auch andere Merkmale der Pflanze beeinflusst.

Agroscope zieht auch eigene Forschungsprojekte in Betracht. In Planung seien Versuche mit gentechnisch veränderten, gegen Kraut- und Knollenfäule resistente Kartoffeln, mit Feuerbrand- und Schorf-resistenten Äpfeln sowie mit Fusarium-resistentem Weizen. Der Anbau der Kulturen erfolge frühestens 2015. (sda)

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