So stark belasten Pferde, Hunde und Katzen die Umwelt

Die Ökobilanz für Haustiere zeigt: Die Haltung eines Rosses ist schädlicher als der Besitz eines grossen Autos.

Obwohl Pferde Vegetarier sind, haben sie den grössten ökologischen Fussabdruck aller Haustiere. Foto: Getty Images / Maskot

Obwohl Pferde Vegetarier sind, haben sie den grössten ökologischen Fussabdruck aller Haustiere. Foto: Getty Images / Maskot

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Der Buchtitel provoziert: «Ist es an der Zeit, den Hund zu essen?», im englischen Original: «Time to Eat the Dog?». Die beiden neuseeländischen Autoren Brenda und Robert Vale berechnen darin, dass ein Hund schlimmere Umweltauswirkungen verursacht als ein PW. Seit diesem 2009 veröffentlichten Buch gerieten die Vierbeiner immer wieder unter Beschuss. Die These von der Ökokatastrophe Hund (und Katze) wurde von vielen Medien aufgegriffen, so erst kürzlich im «Blick» unter dem Titel: «Lumpi ist ein Sauhund». Im Artikel heisst es: «Gefühlsmässig gelten Lumpi und Kitty als putzige Fami­lienmitglieder, doch ihr ökologischer Pfoten- oder Tatzenabdruck gleicht eher dem eines grossen Autos.»

Stimmt das tatsächlich? Und wie steht es um die Umweltbilanz anderer Tierarten? «Wir haben gemerkt, dass es für Haustiere bisher noch keine wirklich gründliche Ökobilanz gab», sagt Niels Jungbluth, Geschäftsführer von ESU Services, einem Schaffhauser Unternehmen, das sich auf die Ökobilanzierung spezialisiert hat. «Nun haben wir das für einige ausgewählte Tierarten untersucht.»

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In der Studie wurden alle relevanten Einflüsse auf die Umweltbilanz erfasst, darunter die Fütterung, die Behausung, Fäkalien, Fahrten mit dem PW zum Gassigehen oder zum Tierarzt und Anschaffungen, die durch das Haustier begründet sind. Zum Einsatz kam die Methode der ökologischen Knappheit, bei der die verschiedenen Umweltbelastungen der Einfachheit halber in einer einzigen Zahl zusammengefasst werden, den Umweltbelastungspunkten (UBP). Zur Veranschaulichung haben die Studienautoren die Resultate mit der Umweltbelastung einer Autofahrt verglichen.

Ein Pferd entspricht einer Autofahrt von 21'500 km

Das Resultat: Von den betrachteten Haustieren haben Pferde die mit Abstand schlechteste Umweltbilanz. Die Haltung eines Rosses für ein Jahr entspricht gemäss den Berechnungen von Jungbluth und seiner Praktikantin Jasmin Annaheim der Umweltbelastung einer 21'500 Kilometer langen Fahrt mit einem typischen Mittelklasse­wagen. Das ist mehr als doppelt so viel wie der durchschnittliche Schweizer pro Jahr mit dem Auto zurücklegt (rund 9600 km). Ein Hund (Labrador, 29 kg Gewicht) belastet die Umwelt weniger stark, und zwar in etwa so, als würde man pro Jahr 3700 km mit dem Auto zurücklegen. Das provokative Buch «Time to Eat the Dog» gebe somit ein falsches Bild der Situation, sagt Jungbluth. Bei einer Katze, 2 Kaninchen, 11 Ziervögeln oder 100 Zierfischen entspricht die Umweltbelastung gemäss der Studie einer Fahrstrecke von rund 1400 km pro Jahr. Generell gilt: Die Umweltbelastung steigt mit der Grösse des Haustiers. Denn grosse Tiere fressen und trinken mehr als kleine.

Die Studie zeigt auch, dass die Art der Haltung und Fütterung einen markanten Einfluss auf die Umweltbelastung eines Haustiers haben kann. «Es ist zwar nicht zu erwarten, dass ein Pferd bei optimal umweltfreundlicher Haltung auf das Niveau eines Hundes kommt», sagt Annaheim. «Aber werden anstelle von Stroh als Einstreu Hobelspäne aus der Schweiz verwendet, sinkt die Umweltbelastung immerhin um fast 30 Prozent gegenüber dem Standard-Szenario.» Günstig ist es auch, wenn mehrere Personen – zum Beispiel die Mitglieder einer Familie – das Haustier zusammen halten und nicht jeder sein eigenes Tier besitzt. Das senkt die Umweltbelastung pro Kopf.

Obwohl Fleisch eine schlechte Umweltbilanz hat und Hunde Fleisch fressen, ist deren normales Futter keine so grosse Belastung für die Umwelt. Denn es besteht vorwiegend aus Nebenprodukten und Schlachtabfällen. Wer seinem Liebling jedoch Luxusnahrung vorsetzt, verschlechtert dessen Umweltbilanz teils massiv, etwa wenn der Vierbeiner die biologisch artgerechte Rohfütterung (Barf) erhält. Bei Barf besteht das Futter zu 75 Prozent aus tierischen Bestandteilen, ein Grossteil davon ist hochwertiges Fleisch. «Diese Ernährung kann die Umweltbelastung eines Hundes beinahe verdreifachen», sagt Jungbluth. Dann wäre der Hund tatsächlich auf dem Niveau eines PW.

Ein Haustier hat Vorteile, die in der Ökobilanz nicht enthalten sind

In der Summe betrachtet, verursachen Katzen gemäss der Studie den grössten Umweltschaden aller Haustiergattungen in der Schweiz, und zwar wegen ihrer grossen Anzahl (1,6 Millionen Tiere), knapp gefolgt von Hunden (500'000 Tiere) und Pferden (73'000 Tiere). «Dennoch machen alle Haustiere zusammen nur gut ein Prozent der gesamten durch den Konsum in der Schweiz verursachten Umweltbelastung aus», sagt Jungbluth. «Bezogen auf die gesamte Umweltbilanz der Schweiz ist die Heimtierhaltung somit kein wichtiger Umweltfaktor. Mobilität, Ernährung und Wohnen sind nach wie vor die Hauptthemen.»

Was eine Ökobilanz nicht erfassen kann, sind die vielfältigen Vorteile, die die Haltung eines Haustieres bieten kann: regelmässige Bewegung an der frischen Luft oder eine Senkung des Blutdrucks und der Herzfrequenz durch ihre beruhigende Wirkung.

Info: esu-services.ch/de/projekte/haustiere/

Dieser Artikel erschien erstmals in der SonntagsZeitung vom 30.12.2018

Erstellt: 30.12.2018, 15:08 Uhr

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