9 schlaue Bücher für unter den Weihnachtsbaum

Wie Mathematik Ihre Ehe rettet und was es mit Galileos Pulsmesser auf sich hatte: Die Literatur-Empfehlungen unserer Wissen-Redaktion.

Wissenswertes über Fischotter, Ameisen und Urmenschen: Neun Buchtipps. Bild: iStock

Wissenswertes über Fischotter, Ameisen und Urmenschen: Neun Buchtipps. Bild: iStock

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Ein Blick in die Erdgeschichte

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das der Fotograf Olivier Grunewald und die Journalistin Bernadette Gilbertas in Angriff genommen haben. Sie wollen mit ihrem Buch nichts weniger als die Erdgeschichte vom Big Bang vor 14 Milliarden Jahren bis zur Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt in Bild und Text erzählen. Das ist ihnen zum Teil sehr gut gelungen. Die Fotos sind atemberaubend, die kurzen Erklärungen dazu lehrreich. Die Texte zur Erdentstehung hingegen sind manchmal etwas blumig formuliert, wenn sich die Autoren auf die «Suche nach Zeugen aus den Kindertagen unseres Planeten» begeben. Dafür sind die Texte mit viel Wissenswertem gespickt, etwa dass bereits vor 3,7 Milliarden Jahren Prokaryonten Sedimentgestein gebildet haben könnten, wie Funde in Westaustralien und Grönland vermuten lassen. Ab und zu hätte eine Grafik ein komplexes Ereignis, etwa die Bildung von Urkontinenten, verdeutlichen können. Alles in allem ein prächtiges Werk. (afo)

Bernadette Gilbertas, OlivierGrunewald: Von Chaos zu Eden. Knesebeck, ca. 70 Fr.

Mathe optimiert die Ehe

Es gibt kaum ein Thema unter der Sonne, zu dem die Mathematik nichts beitragen könnte. Offensichtlich ist das im Bereich der Wissenschaft und Technik. Aber das gilt sehr wohl auch für unseren Alltag. Einige faszinierende Beispiele präsentiert der Mathematiker Christian Hesse. Sie wollen Ihre Ehe retten? Dann versuchen Sie es doch mal mit der 5:1-Regel. Sollte die Ehe doch scheitern, hilft die Fairnessformel, um den Besitz aufzuteilen. Sogar einen handfesten mathematischen Gottesbeweis präsentiert der Autor. Natürlich ist es entscheidend, wie Gott hierbei definiert wird – sicher etwas anders, als es die meisten Nicht­mathematiker tun würden. «Leben²» ist ein kurzweiliges, humorvoll geschriebenes Buch,das auch jenen die Mathematik nahezubringen vermag, diebeim Anblick von Wurzelzeichen oder Differentialgleichungen in Schockstarre verfallen. (jol)

Christian Hesse: Leben². Güters-loher Verlagshaus, ca. 26 Fr.

Elchzähne als Fortschritt

«Mut zur Lücke» ist der herrliche Titel eines Buches über die Anfänge der Zahnmedizin. Der Medizinhistoriker Richard Barnett hat es geschrieben. Unterhaltsam mit Anekdoten und wissenschaftlichen Details berichtet der Brite über die Fortschritte auf dem Gebiet: Mahnte im Mittelalter noch der Chirurg, einen Zahn nicht zusammen mit einem Teil des Kiefers herauszureissen, so gab es zu George Washingtons Zeiten bereits die Teilprothese. Der erste US-Präsident trug Kauwerkzeuge aus echten menschlichen Zähnen, kombiniert mit solchen vom Elch. Zudem laden die vielen Abbildungen ein zum Schmökern und Gruseln. (afo)

Richard Barnett: Mut zur Lücke, Dumont-Verlag, ca. 48 Fr.

Unsere Verwandten

Es soll immer noch Menschen geben, die partout nicht glauben wollen, dass wir und die Affen gemeinsame Vorfahren haben. Denen sei das Buch «Die Anfänge der Menschheit» nicht empfohlen. Wer jedoch von der Evolution des Menschen fasziniert ist, findet auf den attraktiv mit Grafiken und Bildern gestalteten Seiten reichlich geistiges Futter: zur Vorgeschichte, zur Evolution der Affen, ein Who is Who derAffenmenschen und Frühmenschen mit beeindruckenden Rekonstruktionen und vieles mehr. Die Gestaltung des Buchs erlaubt es, sich von der Neugierde leiten zu lassen und überall ein- und auszusteigen. Ein Coffee-Table-Book im besten Sinne. (fes)

Alice Roberts: Die Anfänge der Menschheit. DK-Verlag, ca. 54 Fr.

Der Pulsmesser von Galileo

Wer hat das Rad erfunden? Wie funktionierte der Pulsmesser von Galileo Galilei? Wie sind Wettervorhersagen zu dem geworden, was sie heute sind? Welches sind die fünf Sinne, und wie funktionieren sie? Was ist ein Mikrochip? Und was die Stringtheorie? Es dürfte nicht viele Fragen aus Wissenschaft und Technik geben, die in diesem Buch nicht behandelt würden. Auf über 500 attraktiv illustrierten Seiten erklärt es knapp und verständlich wichtigste Entdeckungen und Erfindungen, die unser Leben bis heute prägen. (fes)

Adam Hart-Davis: Wissenschaft& Technik. DK-Verlag, ca. 79 Fr.

Gruselige Psychochirurgie

Über Henry Molaison, den wohl berühmtesten neurologischen Patienten, wurde schon viel geschrieben. Hier erzählt der Wissenschaftsjournalist Luke Dittrich die Geschichte aus einer besonderen Perspektive. Er ist der Enkel von William Scoville, dem Neurochirurgen, der 1953 dem damals 27-jährigen Epilepsie-Patienten H. M. den Schädel aufsägte und grosse Teile des Schläfenlappens herausschnitt. In der Folge litt H. M. zwar an deutlich weniger Epilepsie-Attacken, dafür hatte er sein Gedächtnis verloren. Dittrich bettet H. M.s Fall in die beklemmend-gruselige Geschichte der Psychochirurgie ein, und er rechnet in dem Buch auch mit seinem Grossvater und dessen haarsträubenden Menschenversuchen ab. (nw)

Luke Dittrich: Der Patient H. M. Herbig-Verlag, ca. 38 Fr.

Faszinierende Plagegeister

Von den 153'000 Hautflüglerarten, zu denen Wespen, Bienen und Ameisen zählen, besitzt die Hälfte einen Stachel. Nur dank dieser Waffe seien sie überhaupt in der Lage gewesen, Staaten zu bilden, schreibt der Autor Michael Ohl in seinem Buch über die stechenden Insekten, die er erforscht. Der Biologe erzählt mit Witz und einer Prise Selbstironie über die Forschungsobjekte und die Zunft der Insektenliebhaber. Wer sich bisher vor den Plagegeistern gefürchtet hat, wird nach der kurzweiligen Lektüre die Faszination verstehen, mit der Ohl über die Hautflügler berichtet. (afo)

Michael Ohl: Stachel und Staat. Droemer-Verlag, ca. 52 Fr.

Jahrhundertereignis in Grafiken

Eine Infografik sagt mehr als tausend Worte. Das muss sich der US-Grafikdesigner Zack Scott gesagt haben, als er sein Erstlingswerk in Angriff nahm. In «Apollo» illustriert er den Wettlauf zum Mond, dessen 50. Jahrestag bevorsteht, mit zahlreichen filigranen Schaubildern und Grafiken. Der Textanteil ist auf das Wesentliche reduziert, die politische Dimension des Apollo-Programms wird nur tangiert. Dafür zeigt Scott eine schier unglaubliche Liebe zum Detail. Ein wunderbar gestaltetes Buch zum Schmökern für Raumfahrtbegeisterte. (jol)

Zack Scott: Apollo.Droemer-Verlag, ca. 39 Fr.

Otterbabys sind wasserscheu

Der Fischotter frisst auch ausgesetzte Bachforellen – weil diese oft leicht zu fangen sind. Foto: Laurie Campbell

Sie haben definitiv den «Jö-Bonus», die Wassermarder, wie Fischotter auch genannt werden, denn sie sind tatsächlich mit Mardern verwandt. Seit wenigen Jahren kommen sie in die Schweiz zurück, wo sie ab 1989 als ausgestorben galten. Das ist der Anlass für ein lesenswertes und wunderbar bebildertes Buch über die fotogenen Fischjäger. Sie posen mit Wasserlinsen verziert, präsentieren gemütlich auf dem Rücken treibend ihre Füsse oder schauen wach aus dem Schnee. Der erste Vorfahre der Marder stammt aus Europa und hat von dort aus fast die ganze Welt erobert. Die ForscherinIrene Weinberger und der Wissenschaftsjournalist Hansjakob Baumgartner beschreiben in ihrem informativen Buch zahlreiche Arten vom Riesenotter, der im Amazonasbecken Piranhas nachstellt, bis zum Kapotter, der in Afrika Krabben fischt. Der Leser erfährt, dass Otterbabys erst einmal wasserscheu sind, dass die Erwachsenen über Duftstoffe im Kot kommunizieren – und auch, wie bedroht die Tiere sind, weil sie ein schönes Fell haben, sich an Fischen aus Aquakulturen laben oder ihr Lebensraum zerstört wird. (afo)

I. Weinberger, H. Baumgartner: Der Fischotter. Haupt, ca. 38 Fr. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.12.2018, 11:15 Uhr

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