Studie: Nachhilfe nützt wenig

Überraschende Ergebnisse einer Schweizer Studie: Nachhilfestunden verbessern die Noten kaum, sie können sogar negative Einflüsse auf den Schüler haben. Die Forscher fordern ein Umdenken.

Teuer und möglicherweise nutzlos: Nachhilfeunterricht in Basel. (Archivbild)

Teuer und möglicherweise nutzlos: Nachhilfeunterricht in Basel. (Archivbild) Bild: Keystone

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Basler Erziehungswissenschaftler untersuchten die Nachhilfepraxis in einer Studie. Sie kommen zu überraschenden Ergebnissen.

Knapp jeder sechste Schüler (17 Prozent) in der Deutschschweiz besucht Nachhilfestunden ausserhalb der Schule, berichtet ein Team um Hans-Ulrich Grunder von der Universität Basel und der Pädagogischen Hochschule FHNW in einer neuen Publikation in Buchform.

Am meisten wird Mathematik gebüffelt, nämlich in zwei Dritteln aller Nachhilfestunden, teilte der Schweizerische Nationalfonds am Donnerstag mit. Er hat die Studie unterstützt. Drei Viertel der Nachhilfestunden werden von Mädchen besucht. Insgesamt nehmen Mädchen häufiger Nachhilfe – 19 Prozent –, während es bei den Jungen 16 Prozent sind.

In den Sprachfächern erhalten die Jungen mehr Nachhilfe. Für die Studie haben die Forscher 10'000 Schülerinnen und Schüler der 5. bis 9. Klasse in der Deutschschweiz befragt. Im Abstand von drei Monaten verglichen sie deren Noten und Kompetenzen.

Kaum bessere Noten

Dabei zeigte sich, dass sich der Nachhilfeunterricht kaum positiv auf die Noten auswirkte – obwohl die Schulkinder dies glaubten. In Mathematik, Deutsch und Französisch verbesserten sie zwar ihre Noten, aber nur äusserst geringfügig. Eine fächerübergreifende Wirkung des Nachhilfeunterrichts sei nicht festzustellen, erklärten die Forscher.

Obwohl Lerninstitute fast doppelt so teuer sind wie private Nachhilfe (48 respektive 25 Franken pro Stunde), zeigten sie laut der Studie unerwünschte Nebeneffekte: Während private Nachhilfe die Methodenkompetenz verbesserte, also die Fähigkeit, überlegt an Aufgaben heranzugehen und sie methodisch strukturiert zu lösen, verringerte sich diese bei der institutionellen Nachhilfe.

Ziel der Nachhilfe war in den meisten Fällen, die Noten zu verbessern. Weitere Motivationen waren mehr Sicherheit im Fach, allgemeine Leistungssteigerungen oder der Wunsch der Eltern nach Nachhilfe. In den Nachhilfelektionen machten die Schüler ihre Hausaufgaben, bereiteten Prüfungen vor oder repetierten den Stoff in individuell angepasstem Tempo.

Ganztagsschulen gefordert

Dies sind nach Ansicht der Forscher Aufgaben, die eigentlich die Schule übernehmen sollte. Der Status des Nachhilfeunterrichts sei zu überdenken, findet Hans-Ulrich Grunder. Er wäre nicht länger nötig, wenn Kinder und Jugendliche systematisch in Ganztagsschulen unterrichtet würden, wo sie die Aufgaben am Ende des Schultags erledigten.

Dass überhaupt Nachhilfeunterricht erteilt werde, zeige, dass die Schule ihrem Auftrag, bei den Kindern Lernprozesse zu initiieren und sie zu begleiten, nicht vollumfänglich nachkomme. (kle/sda)

Erstellt: 12.09.2013, 11:01 Uhr

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