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Bei Corona setzt Bischof Eleganti auf Wunder

Der Churer Weihbischof torpediert die Bekämpfung des Virus. Sein gefährliches Credo: Wer glaubt, kann sich über Hostien und Weihwasser nicht infizieren.

Infantiler Wunderglaube: «Ich rechne mit der Kraft und dem Schutz Gottes», sagt Weihbischof Marian Eleganti zur Coronakrise.
Infantiler Wunderglaube: «Ich rechne mit der Kraft und dem Schutz Gottes», sagt Weihbischof Marian Eleganti zur Coronakrise.
Ennio Leanza, Keystone

Im Iran lecken strenggläubige Schiiten die Türklinken von Moscheen ab, um zu demonstrieren, dass sie der Glaube vor Ansteckung bewahrt. Bei uns behauptet Weihbischof Marian Eleganti, der Glaube mache Einschränkungen im Gottesdienst wegen Covid-19 überflüssig. Er glaube an die übernatürliche Kraft der Gegenwart Gottes in der Hostie, die schliesslich der Leib Christi sei.

«Wie kann ich dann vom Kommunionempfang Unheil, Kontamination und Ansteckung erwarten?» Das könne er in seinem Herzen nicht nachvollziehen. «Ja, ich erwarte Wunder, ich rechne mit der Kraft und dem Schutz Gottes», sagt er beschwörend in einem Video des konservativen Internetportals kath.net.

«Schon immer ein Querschläger»

Eleganti war schon immer ein fundamentalistischer Querschläger. Jetzt, wo die Pandemie unsere Glaubenshaltung herausfordere, ruft er zu grossen Bittprozessionen und gemeinsamen Gebeten auf. Ja er torpediert die staatlich und kirchlich verfügten Massnahmen in den Kirchen gegen das Corona-Virus.

«Wir Bischöfe und Priester segnen das Wasser, heiligen die Elemente und bitten, dass diese uns Heil und Segen bringen und nicht Unheil». Darum dürfe man die Weihwasserbecken nicht leer lassen, auch nicht die Wasserbecken des Marienwallfahrtsorts Lourdes. Hier badeten Tausende von Kranken. Es sei aber nicht überliefert, dass sich dabei irgend jemand angesteckt hätte. «Weil ja die Mutter Gottes selber in diesem Wasser Heil und Trost für die Kranken versprochen hat – wie können wir da kapitulieren im Glauben und diese Bäder schliessen?»

Jenseits der Rationalität

Eleganti ist mit seinem Kinderglauben nicht allein. Auch in Rom und anderswo rufen Glaubensbrüder zum Boykott gegen die Massnahmen auf. Ihnen muss man entgegenhalten: Gegen das Virus hilft Hygiene, vor allem Händewaschen, aber nicht der Glaube. Der Glaube kann helfen, angesichts der Pandemie nicht in Panik zu geraten oder trotz Krankheit Trost zu finden. Er kann aber nicht Naturgesetze sprengen.

Der mirakulöse Glaube an die Natur ausser Kraft setzenden Wunder hat viel mit Magie und Esoterik zu tun, aber nichts mit rational verantworteter Religion. Konsequenterweise dürfte Eleganti, der die Hostie wörtlich als Leib und Fleisch Christi versteht, Vegetarier und Veganer nicht zur Kommunion zulassen.

Direkter Draht zur Gottesmutter

Bezeichnend ist, dass der Weihbischof seinen Wunderglauben an Maria bindet. Das ist das Kennzeichen fundamentalistischen Glaubens in der katholischen Kirche. Eleganti hatte schon immer den direkten Draht zur Gottesmutter gesucht. Zunächst 12 Jahre lang im verbotenen Priesterwerk «Familie Mariens» mit einem Unzuchtspriester an der Spitze. Dann am inoffiziellen Wallfahrtsort Medjugorje, wo die Gottesmutter fast täglich Botschaften verkündet. Bis 2018 pilgerte er als Deutschschweizer Jugendbischof mit Scharen von Jugendlichen zur geschwätzigen Maria.

Und die Schweizer Bischofskonferenz schaut einfach weg. Heute in der Pfarrei St. Josef Dietikon wohnhaft ist der frühere Weihbischof in Zürich zwar auf dem Abstellgleis. Doch noch immer verschafft er sich übers Netz Gehör. Spätestens jetzt müssten ihn seine Mitbischöfe in Schranken weisen – beispielsweise mit einem Podium zu den falschen Propheten und ihrem infantilen Wunderglauben.

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