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Die Kinder nachsitzen zu lassen wäre falsch

Nivellierung nach unten wäre die falsche Lösung. Wir brauchen jetzt mutigere Lösungen.

MeinungMichèle Binswanger
Normalbegabte Kinder holen den allfällig verpassten Stoff schnell auf. Eine Schülerin übt Schreiben. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Normalbegabte Kinder holen den allfällig verpassten Stoff schnell auf. Eine Schülerin übt Schreiben. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Für Zürcher Eltern gab es am Wochenende neben all den Coronawirren eine zusätzliche unangenehme Überraschung. Auslöserin ist die Präsidentin des kantonalen Schulleiterverbands, Sarah Knüsel. «Sollte der Unterrichtsstopp bis zu den Sommerferien ausgeweitet werden, müssen wir uns überlegen, ob wir nicht alle Schüler ein Jahr zurücksetzen. Die ganze Welt muss jetzt einen Gang zurückschalten», sagte sie im Interview mit der NZZ. Das ist in mehrfacher Hinsicht problematisch.

Erstens sorgt die Aussage für Verunsicherung. Warum sollten Eltern sich ein Bein ausreissen und neben Haushalt und Homeoffice auch noch die Kinder zum Homeschooling anhalten, wenn sie damit rechnen müssen, dass ihre Töchter und Söhne das Jahr womöglich wiederholen müssen?

Gerade was die Primarschule anbelangt, darf man auch fragen, ob sich die Schule da nicht etwas gar wichtig nimmt. Für normal intelligente Kinder ist der Stoff, der dort vermittelt wird, auch in kürzerer Zeit zu bewältigen und liesse sich mit fokussierterem Unterricht in nützlicher Frist aufholen. Natürlich wird es auch Kinder geben, die damit mehr Mühe haben als andere. Knüsel argumentiert im Interview denn auch mit Chancengleichheit. Aber Nivellierung nach unten war noch nie eine gute Lösung, erst recht nicht in Krisensituationen.

Zweitens ist Sarah Knüsels Vorschlag nicht praktikabel, weder organisatorisch noch finanziell, sagen Experten. Und er ist auch bestechend unkreativ: Könnte man nicht eher einen Teil der Sommerferien ausfallen lassen – zumal Reisen ohnehin nicht angesagt sind? Man könnte das neue Schuljahr auf nach den Herbstferien verschieben und die zwei Monate zur individuellen Evaluierung der Schüler nutzen.

Angesichts der umfassenden Krise, in der wir uns befinden, sollten wir nicht künstlich Druck aufsetzen und uns dafür die Zeit nehmen, Szenarien durchzudenken. Die Welt der Pädagogik muss nicht einen Gang runter-, sondern einen hochschalten, um kreative und mutige Lösungen zu finden. Unseren Lehrerinnen und Lehrern ist das durchaus zuzutrauen.

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