Der nächste Preis kann kommen!

Nik Walter, Ressortleiter Wissen, über Schweizer Nobelpreisträger.

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Irgendwie hatte man sich daran gewöhnt. Mit schöner Regelmässigkeit erhielt alle paar Jahre ein Schweizer Forscher den Nobelpreis. Doch seit vor 15 Jahren der Biophysiker Kurt Wüthrich von der ETH ­Zürich mit dem ­Chemie-Nobelpreis geehrt wurde, herrschte Funkstille aus Stockholm. Was ist los mit dem Forschungsplatz Schweiz?, fragten sich viele. Haben wir etwa den Anschluss an die Weltspitze verloren?

Nun hat es also wieder geklappt. Der Biophysiker Jacques Dubochet beendet die Schweizer Durststrecke. Auch wenn ihn nur Insider auf der Liste hatten, verdient hat Dubochet den Preis ­allemal. Seine Forschung hat die Untersuchung von Biomolekülen revolutioniert.

Nur: Verdient hätten den Nobelpreis, wie jedes Jahr, auch viele andere Forscher. Charles Weissmann zum Beispiel, der Zürcher Immunologe und Prionenforscher der ersten Stunde, hätte den Preis schon lange bekommen sollen, ebenso die Beteiligten am Projekt zum menschlichen Genom. Doch sie sind, wie viele andere, bislang leer ausgegangen. Es gibt einfach viel mehr ausgezeichnete Forschung, als Nobelpreise verteilt werden können.

Und daher sollten wir auch nicht zu sehr ins Grübeln kommen, wenn nach Dubochet wieder eine längere Preisflaute ins Haus stehen sollte. Es gibt zuverlässigere Indikatoren für die Qualität des Forschungsplatzes Schweiz wie etwa die Hochschulrankings, die unseren Institutionen Jahr für Jahr Weltspitze attestieren. Die ETH Zürich gilt seit Jahren als beste Hochschule auf dem europäischen Festland, die ETH Lausanne und fünf hiesige Unis gehören ebenfalls zur erweiterten Spitze. Auch deswegen zieht es Techgiganten wie Google, Apple oder Microsoft in die Schweiz. Hier finden sie die gut ausgebildeten Talente, die sie suchen. Natürlich ist dieser Trend ebenfalls ein guter Indikator für die Qualität des Bildungs- und Forschungsstandorts Schweiz.

Wenn der Nobelpreis für die Schweiz trotzdem eine Bedeutung hat, dann vor allem eine symbolische. Er ist und bleibt der mit Abstand prestigeträchtigste Wissenschaftspreis, auch wenn es mittlerweile andere Preise gibt, die noch viel höher dotiert sind. Vor allem aber zeigt uns die noble Ehrung für Jacques Dubochet, dass die Schweiz bei der Bildung nach wie vor sehr vieles richtig macht. Der nächste ­Nobelpreis kann kommen!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.10.2017, 22:12 Uhr

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