Fanfaren und Moneten

Heute werden zwei Schweizer Forscher mit dem Physiknobelpreis ausgezeichnet. Die wichtigsten Fakten zur wichtigsten Auszeichnung der Welt.

Die ganze Zeremonie wird vorgängig geprobt: Didier Queloz, Michel Mayor und James Peebles (v. l.) während einer Medienkonferenz am 7. Dezember. Foto: TT News Agency, Reuters

Die ganze Zeremonie wird vorgängig geprobt: Didier Queloz, Michel Mayor und James Peebles (v. l.) während einer Medienkonferenz am 7. Dezember. Foto: TT News Agency, Reuters

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Der 77-jährige Michel Mayor von der Universität Genf und der 53-jährige Didier Queloz von den Universitäten Genf und Cambridge erhalten den Nobelpreis für Physik zusammen mit dem kanadischen Physiker James Peebles. Die beiden Westschweizer entdeckten den ersten Exoplaneten, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist. Peebles wird für seine theoretischen Arbeiten auf dem Gebiet der Kosmologie geehrt.

Die beiden Schweizer Laureaten

Michel Mayor kommt aus Lausanne, wo er auch Physik studierte. Für die Doktorarbeit wechselte er an die Universität Genf. Dort wurde er später Professor. Im Jahr 1995 entdeckte Mayor zusammen mit Didier Queloz in der Sternwarte Haute-Provence in Südfrankreich den ersten Exoplaneten. Zusammen entwickelten sie verschiedene Spektrografen, die es ermöglichten, mehr als 500 weitere Exoplaneten zu entdecken. Seit der Emeritierung 2007 arbeitet Mayor als Honorarprofessor.

Didier Queloz stammt aus Genf. Er studierte dort Physik und forschte während seiner Doktorarbeit bei Michel Mayor. Nach der Entdeckung des ersten Exoplaneten feierten Mayor und er zusammen mit ihren Familien spontan in Südfrankreich. Am 17. Dezember ist ein weiterer grosser Tag für Queloz, dann startet der Satellit Cheops. Die Idee, den kleinen Satelliten zu konstruieren, stammt von Queloz und Willy Benz von der Universität Bern.

Die glamouröse Zeremonie im Konzerthaus

Um 16.30 Uhr beginnt die offizielle Nobelpreisfeier im Konzerthuset, dem Stockholmer Konzerthaus. Der Ablauf ist äusserst feierlich und streng geregelt. Um sicherzugehen, dass ­alles gut klappt, haben die Nobelpreisträger die Zeremonie am Morgen einstudiert – da allerdings noch ohne König. Es wird klassische Musik gespielt und einige Fanfaren werden geblasen. Die 1500 festlich gekleideten Zuschauer werden sich zu Ehren der Nobelpreisträger und der anwesenden königlichen Hoheiten jeweils erheben – also oft.

Mayor und Queloz werden festlich gekleidet in Frack und weisser Fliege nacheinander in die Mitte der Bühne schreiten und dort aus der Hand des Königs Carl Gustaf eine Urkunde, die goldene Nobelpreismedaille und einen Check erhalten. Dabei werden sie sich dreimal verbeugen: vor dem König, den auf der Bühne sitzenden Vertretern des Nobelpreiskomitees und dem Publikum.

Goldmedaillen mit hohem ideellem Wert

Die Medaillen für die Chemiker und Physiker sind gleich gestaltet. Die Vorderseite ziert ein Konterfei von Alfred Nobel, und hinten ist der Name des jeweiligen Nobelpreisträgers deutlich sichtbar eingraviert. Bei der Medaille des Wirtschaftspreises sind hingegen die Namen der Preisträger klein am Rand verewigt. So ist die Verwechslung von 1975 zu erklären, als der Russe Leonid Kantorowitsch mit der Medaille des Amerikaners Tjalling Koopmans nach Hause fuhr und umgekehrt. Wegen des Kalten Krieges ­dauerte es vier Jahre diplomatischen Geschicks, bis die Medaillen zu ihren rechtmässigen Besitzern gelangten.

Der Goldanteil der Medaillen hat seitdem abgenommen. Wogen die Auszeichnungen früher noch 200 Gramm und waren aus 23-karätigem Edelmetall, so wiegen sie seit 1980 nur noch 175 Gramm und bestehen aus 18-karätigem Gold. Wobei die Medaille der Ökonomen 10 Gramm schwerer ist als die der anderen.

Kommt der ideelle Wert hinzu, kann es selbst einem Nobelpreisträger die Sprache verschlagen, wie James Watson, der 1962 zusammen mit Francis Crick und Maurice Wilkens für die Entdeckung der DNA-Doppelhelix ausgezeichnet wurde. Watson versteigerte vor fünf Jahren seine Medaille – für die Rekordsumme von 4,76 Millionen Dollar.

Das Preisgeld stammt aus den Zinsen des Vermögens

Das Vermögen von Alfred Nobel wird heute auf umgerechnet 180 Millionen Franken geschätzt. Ausgeschüttet wird der überwiegende Teil der Zinsen. Waren das Anfang der 2000er-Jahre noch 10 Millionen schwedische Kronen pro Kategorie, sind es heute ­deren 9 Millionen, also rund 939'000 Franken. Von den diesjährigen Physiknobelpreisträgern erhält James Peebles davon die Hälfte und Michel Mayor und Didier Queloz je ein Viertel, also etwa 235'000 Franken.

Alfred Nobel verdiente sein Geld mit Sprengstoff

Der schwedische Chemiker hatte mit Sprengstoff ein Vermögen angehäuft. Zunächst experimentierte er mit Nitroglyzerin, das aber so gefährlich war, dass es zu unkontrollierten Explosionen führte. Bei einer kam 1864 auch sein Bruder ums Leben. Später entdeckte Nobel das sicherere Dynamit. Dank der Patente wurde er einer der reichsten Unternehmer Europas.

Nobel besass 90 Fabriken weltweit – darunter eine in der Schweiz in der Nähe von Flüelen. Dort wurde der Sprengstoff für den Gotthard-Eisenbahntunnel hergestellt. Nobel starb 1896 kinderlos in Sanremo, Italien, seinem letzten Wohnort. Er wies an, aus seinem Vermögen eine Stiftung zu gründen und jährlich Preise in den Disziplinen Medizin, Physik, Chemie und Literatur in Stockholm zu verleihen und den für Frieden in Oslo. Norwegen und Schweden waren damals in einer Union verbunden. Die Nobelpreise werden jeweils am 10. Dezember verliehen, seinem Todestag. Der Preis für Wirtschaft kam erst im Jahr 1969 hinzu, von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Der Höhepunkt ist das Festbankett im Rathaus

Um 19 Uhr werden 1300 Gäste im blauen Saal des Stadshuset, des Rathauses am Ufer des Mälarsees in Stockholm, die Nobelpreisträger erwarten. Die Laureaten werden zu Trompetenfanfaren die Freitreppe hinunter schreiten, am Arm eines Mitglieds des Königshauses. Die Ehrengäste sitzen an einer langen Tafel in der Mitte. 230 Kellner werden zeitgleich die Anwesenden mit erlesenen Speisen und anregenden Getränken aus goldstieligen Gläsern versorgen.

Zwischendurch gibt es akrobatische und musikalische Darbietungen. Nach dem Festmahl lädt der König zum Tanz ins Obergeschoss, in den Goldenen Saal. Aber selbst bei Damenwahl geziemt es sich nicht, die Hoheit aufzufordern.

Wer als Normalsterblicher ein Nobelpreisessen kosten möchte, kann das nach Vorbestellung und für mindestens zehn Personen im Stadshuskälleren tun – und zwar irgendeines seit 1901 und auf Nobel-Porzellan.

Andere Preise sind finanziell noch lukrativer

Einige Disziplinen hatte Nobel schlicht vergessen, Mathematik hat er zum Beispiel nicht berücksichtigt. Dafür gibt es die ­prestigeträchtige Fields-Medaille, die allerdings nur mit rund 11'000 Franken Preisgeld dotiert ist und nur aufstrebenden Mathematikern unter 40 verliehen wird. Ältere Mathegenies werden seit 2003 mit dem norwegischen Abelpreis ausgezeichnet und dürfen sich über rund 650'000 Franken freuen.

Für Ingenieure springt seit 2013 Königin Elizabeth in die Bresche. In diesem Jahr überreichte die britische Monarchin den mit einer Million Pfund dotierten Preis den Erfindern des Navigationssatellitensystems GPS. Die Internationale Balzan-Stiftung mit Sitz in Zürich und Mailand wiederum vergibt einen mit 750'000 Franken dotierten Preis an Geisteswissenschaftler.

Die lukrativsten Preise initiierten vor wenigen Jahren einige Milliardäre wie der Internetmogul Juri Milner, Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg und Google-Mitgründer Serge Brin als «neue Nobelpreise». Die Auszeichnungen heissen «Breakthrough Prize» und werden seit 2012 an Physiker, seit 2103 an Biologen und seit 2014 an Mathematiker verliehen. Preissumme: jeweils drei Millionen Dollar.

Erstellt: 09.12.2019, 23:01 Uhr

In Zahlen

9 Prozent aller von 1901 bis heute ­verliehenen 597 Nobelpreise und Wirtschaftspreise gingen bisher an Frauen.

30 Nobelpreisträger stammen aus der Schweiz oder lebten hier zur Zeit ihrer Nominierung. Darunter auch der vor 100 Jahren geehrte Literatur-Nobelpreisträger Carl Spitteler.

97 Jahre alt ist der älteste Nobelpreisträger, der jemals den Preis in Empfang genommen hat. Es ist der Chemiker John Goodenough, der heute geehrt wird. Die jüngste Nobelpreisträgerin ist Malala Yousafzai, die 2014 als 17-Jährige den Friedensnobelpreis erhielt.

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