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30 Jahre irrtümlich im Dschungel versteckt

Hiroo Onoda hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Dschungel der philippinischen Insel Lubang verschanzt – er glaubte nicht an das Ende des Kriegs. Nun ist die Legende im Alter von 91 Jahren verstorben.

Hat sich fast 30 Jahre lang im Dschungel der philippinischen Insel Lubang verschanzt. Hiroo Onoda auf einer Aufnahme von 1996.
Hat sich fast 30 Jahre lang im Dschungel der philippinischen Insel Lubang verschanzt. Hiroo Onoda auf einer Aufnahme von 1996.
Keystone
Bei seiner Aufgabe im März 1974 präsentierte sich Onoda in äusserst guter Verfassung mit der Originalausrüstung aus dem Zweiten Weltkrieg.
Bei seiner Aufgabe im März 1974 präsentierte sich Onoda in äusserst guter Verfassung mit der Originalausrüstung aus dem Zweiten Weltkrieg.
Keystone
Durch und durch Soldat: Hiroo Onoda salutiert einem philippinischen Luftwaffenoffizier nach seiner Kapitulation.
Durch und durch Soldat: Hiroo Onoda salutiert einem philippinischen Luftwaffenoffizier nach seiner Kapitulation.
Keystone
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Sich niemals ergeben und bis zum Eintreffen der Verstärkung die Stellung halten. Dies war der Befehl, den der ehemalige japanische Soldat des Zweiten Weltkriegs, Hiroo Onoda, von seinem Vorgesetzten kurz vor der Kapitulation der kaiserlichen japanischen Armee 1945 erhielt. Fast 30 Jahre lang hatte er sich daraufhin nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Dschungel der philippinischen Insel Lubang versteckt gehalten und seinen persönlichen Krieg bis zur Aufgabe im Jahr 1974 weitergeführt. Nun allerdings ist er im Alter von 91 Jahren in Tokio verstorben.

Onoda war 20 Jahre alt, als er 1942 in die Armee einberufen wurde, in der er zum Nachrichtendienstoffizier ausgebildet wurde. Während der Ausbildungszeit wurde er auch in verschiedenen Guerillataktiken geschult, was ihm später im Untergrund behilflich war. Am 26. Dezember 1944 wurde er zusammen mit einer kleinen Einheit nach Lubang geschickt mit dem Auftrag, den Vormarsch der Amerikaner in der Region mittels Guerilla-Angriffen auf den amerikanischen Hafen und Flughafen zu sabotieren.

Flucht in den Dschungel

In seiner 1974 veröffentlichten Biografie «Niemals aufgeben: Mein 30-jähriger Krieg» veröffentlichte Onoda den letzten Befehl, den er von seinem Vorgesetzten Major Taniguchi vor der Abreise nach Lubang erhielt: «Du darfst unter keinen Umständen durch deine eigene Hand sterben. Es mag drei Jahre oder fünf Jahre dauern, aber was auch immer passiert, wir kommen zurück und holen euch. Bis es so weit ist, wirst du deine Soldaten bis zum letzten Mann anführen, selbst wenn ihr nur noch Kokosnüsse zur Verfügung habt. Aber unter keinen Umständen dürft ihr euch freiwillig ergeben.» Offenbar hat sich Hiroo Onoda diesen Befehl sehr zu Herzen genommen.

Hiroo Onoda ist nicht der einzige Japaner, der nach dem Ende des Krieges im Pazifikgebiet noch jahrelang seinem Treueschwur Folge leistete und sich im Untergrund verschanzte. Nur zwei Jahre vor ihm, im Jahr 1972, wurde der ehemalige Sergeant Shoichi Yokoi in den Wäldern der Pazifikinsel Guam entdeckt. Dieser hatte sich dort aus Angst vor Kriegsgefangenschaft 28 Jahre lang in einem Erdloch verschanzt. Ebenso wie Onodo glaubte er den von den Amerikanern abgeworfenen Flugblättern, die das Kriegsende verkündeten, nicht. Im Gegensatz zu Onoda war seine Entdeckung allerdings reinem Zufall geschuldet, als er von philippinischen Fischern auf der Suche nach Flusskrebsen entdeckt wurde.

Als die amerikanischen Truppen im Februar 1945 die gesamte Insel Lubang eroberten, wurde der grösste Teil der japanischen Streitkräfte entweder getötet oder gefangen genommen. Hiroo Onoda gelang mit drei Gefährten aber die Flucht in den Dschungel. Über die nächsten Jahre führte das Quartett seinen Guerillakampf auf eigene Faust fort, in deren Verlauf die Gruppe durch Verluste und Aufgabe bis 1954 auf nur noch zwei Mann schmolz.

Briefe und Familienfotos

Dank dem Deserteur der Gruppe waren die Behörden darüber informiert, dass Onoda und ein weiterer ehemaliger Soldat noch am Leben waren. Doch auch der Abwurf von Briefen und Familienfotos führte nicht zur Kapitulation des noch verbleibenden Duos, das sich weiterhin in den unzugänglichen Wäldern von Lubang versteckt hielt. 1972 schliesslich wurde Onodas letzter Gefährte von der örtlichen Polizei erschossen, nachdem die beiden als Teil ihrer Guerilla-Aktivitäten Reis von lokalen Bauern verbrannten.

Es sollten aber nochmals weitere zwei Jahre vergehen, ehe sich Hiroo Onoda endlich zur Aufgabe bereit erklärte. Den Schlüssel hierzu bildete der junge Student Suzuki Norio, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, Onoda aufzuspüren. Am 20. Februar 1974 schliesslich gelang es dem ehrgeizigen Suzuki, Kontakt zu Onoda aufzunehmen. Doch auch nach fast 30 Jahren lehnte es Onoda ab, sich ohne einen Befehl seines damaligen Vorgesetzten Taniguchi aufzugeben. Erst als dieser persönlich nach Lubang reiste und Onoda befahl, sich zu ergeben, legte dieser endlich seine Waffen nieder.

Die Bilanz von Onodas Untergrundkampf: 39 Tote und über 100 Verletzte. Trotzdem wurde er vom damaligen philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos begnadigt.

Bei seiner Heimkunft nach Japan wurde Onoda feierlich als Held empfangen und als ein Symbol für die ehemalige Stärke von den japanischen Nationalisten verehrt. Diese Zuwendung wurde dem Ex-Guerillero aber bald zu viel und er entschloss sich, seinem Bruder nach Brasilien zu folgen, wo er Viehzüchter wurde. Doch seine grosse Verbundenheit mit Japan veranlasste ihn, 1984 wieder in sein Heimatland zurückzukehren, wo er Onodas Naturschule gründete, um dem von ihm bemängelten Wertezerfall der japanischen Gesellschaft entgegenzuwirken.

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