Auf die Eruption in Island folgte die Revolution in Frankreich

Vulkanausbrüche wirkten auf das Weltklima ein und beeinflussten den Verlauf der Kulturgeschichte.

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Der Name Laki fällt in diesen Tagen immer wieder. So heisst eine Reihe von Kratern auf Island. Deren Ausbruch vergleichen Experten mit den gegenwärtigen Eruptionen des Eyjafjallajökull. Die Laki-Erhebungen im Süden Islands haben historische Bedeutung. Nicht nur in vulkanologischer Hinsicht. Die Folgen massiver Vulkanausbrüche zwischen 1783 und 1785 haben möglicherweise, so vermuten Umwelthistoriker, 1789 das französische Volk endgültig zur Revolution gezwungen. Kalte Sommer nach den Eruptionen brachten Missernten und Hungersnöte. Die dramatischen Folgen waren selbst in Nordamerika zu spüren. Benjamin Franklin schrieb 1783 von einem «trockenen Nebel» und machte die dadurch verminderte Sonneneinstrahlung für die ungewöhnliche Kälte im Folgejahr verantwortlich.

Vulkane spielen in der Klimageschichte eine wichtige Rolle und waren vermutlich für manche kulturpolitische Wendung mitverantwortlich. Auch wenn die Wissenschaftler nicht immer einen zuverlässigen Zusammenhang zwischen Vulkanausbrüchen und dem Klimaverlauf der folgenden Jahre finden können. Der gigantische Ausbruch des Tambora auf der Insel Sumbawa in Indonesien im April 1815 passierte in einer Zeit, als es bereits ungewöhnlich kalt war. Die Eruption «brachte das Fass zum Überlaufen», vermutet der deutsche Vulkanologe Rolf Schick. Bauern litten nach schlechten Ernten jahrelang Hunger.

Kein grosser Abkühleffekt

Die Messdaten der Nordhemisphäre seit 1850 zeigen, dass Vulkanausbrüche in den letzten hundert Jahren verschiedentlich auf das globale Klima einwirkten. Nach den starken Eruptionen des Vulkans Krakatau in Indonesien 1883 sanken im Osten der Vereinigten Staaten die mittleren Jahrestemperaturen um etwa 1,5 Grad.

Auch vergleichsweise schwache Eruptionen wie die derzeitigen des isländischen Vulkans können durchaus Spuren hinterlassen. So erzeugte der Ausbruch des El Chichón in Mexiko einen ähnlichen Effekt wie der Krakatau, obwohl die Eruption vergleichsweise wenig explosiv war. Der Grund: Das ausgespiene Material war reichlich mit Schwefeldioxid angereichert. Sonnenlicht und Wasserdampf verwandeln das Gas in Schwefelsäure, die sich unter anderem an Feinstaub in der Atmosphäre anheftet. Mit dem Anstieg der Schwefelsäure wird mehr Sonnenlicht gestreut – die Atmosphäre kühlt ab. Der Abkühleffekt durch Vulkaneruptionen scheint aber global nicht allzu gross zu sein. Das jedenfalls zeigen die Daten der fünf grössten Eruptionen der letzten hundert Jahre.

Spuren in der Schweiz

Der Einfluss grosser Eruptionen auf das Weltklima ist selbst in der Schweiz nachweisbar. Forscher des Wasserforschungsinstituts Eawag in Dübendorf entdeckten in den Bodenablagerungen des Silvaplanersees ein erstaunliches Muster: In einzelnen Jahren lag die mittlere Korngrösse extrem über dem mehrjährigen Durchschnitt. Die Spitzenwerte konnten die Forscher Ausbrüchen des Pinatubo auf den Philippinen, des El Chichón und des Krakatau zuordnen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es nach den Eruptionen jeweils mehr regnete und der Zufluss, die Fedacla, mehr Lockermaterial in den See transportierte.

Kein verstärkter Vulkanismus

Mindestens zwanzig Vulkane weltweit würden vermutlich täglich spucken, schreibt das amerikanische Smithsonian Institut, das für das Globale Vulkanismusprogramm verantwortlich ist. Eruptionen seien in den 1990er-Jahren bei mehr als 60 Vulkanen jährlich registriert worden. Ungefähr 550 verschiedene Ausbrüche sind dokumentiert. Dort, wo sich zwei tektonische Platten auseinander bewegen, zum Beispiel beim Mittelozeanischen Rücken, stösst jeweils Magma aus dem Erdinnern an die Erdoberfläche. Auf diese Weise ist auch Island entstanden. An diesen Nahtstellen, schätzen Wissenschaftler, sind am Meeresboden über eine Million Vulkane aktiv.

In den letzten Jahren scheint die Anzahl Eruptionen weltweit im Vergleich zu den letzten Jahrhunderten dramatisch angestiegen zu sein. Die Forscher des Smithsonian Instituts sind allerdings nicht der Ansicht, dass die Erde vulkanisch unruhiger geworden ist. Vielmehr werde mehr beobachtet, registriert und publiziert.

Erstellt: 17.04.2010, 06:58 Uhr

(Bild: TA-Grafik)

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