Basler finden Grab für Königskinder

Ägyptologen der Universität ­Basel forschen seit Jahren im berühmten Tal der Könige nahe von Luxor. Jetzt ist es ihnen gelungen, ein Grab als letzte Ruhestätte von Mitgliedern der ­königlichen Familie zu identifizieren.

Sogar Babys wurden mumifiziert: Ein Brand vom 19. Jahrhundert hinterliess im Grab seine Spuren. Fotos: Matjaz Kacicnik/Universität Basel

Sogar Babys wurden mumifiziert: Ein Brand vom 19. Jahrhundert hinterliess im Grab seine Spuren. Fotos: Matjaz Kacicnik/Universität Basel

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Der spektakuläre Fund des mit wertvollen Beigaben ausgestatteten Grabs von Tutanchamun 1922 durch den Briten Howard Carter hat das Tal der Könige weltberühmt gemacht. Seither suchen Ägyptologen aus der ganzen Welt nach weiteren Gräbern. Das kaum berührte Grab Tutanchamuns bleibt wegen der opulenten Grabausstattung bislang einzigartig. Andere Königs­gräber sind aber für die Forschung ­wegen ihrer Grabanlagen und den Grabmalereien mindestens so wichtig. Sie wurden für Pharaonen errichtet, die in der Geschichte Altägyptens bedeutender waren als der nur wenige Jahre regierende Tutanchamun.

Im Tal der Könige gibt es jedoch auch eine Vielzahl von weiteren interessanten Gräbern, die nicht für einen Pharao bestimmt waren. Es sind Mitglieder der königlichen Familien, die in der Nähe des Gottkönigs bestattet wurden. Ein solches Grab haben jetzt Ägyptologen der Universität Basel identifiziert. Die Existenz des sogenannten Grabes KV 40 war zwar seit dem späten 19. Jahrhundert bekannt, doch hat sich bislang niemand daran gemacht zu erforschen, wer in diesem Grab beigesetzt ist. «Als das Grab um 1898 entdeckt wurde, interessierte man sich nur für die Königsgräber. Wahrscheinlich wurde es deshalb von lokalen Arbeitern geplündert und dann angezündet», vermutet die Ägyptologin Susanne Bickel.

Das Grab KV 40 befindet sich unmittelbar neben dem Grab KV 64, das vor zwei Jahren von den Basler Ägyptologen im Rahmen des University of Basel Kings Valley Project entdeckt wurde. Auf das Grab KV 40 deutete eine Senke im Boden. Als die Ägyptologen den sechs Meter tiefen Schacht reinigten, stiessen sie auf einen Zugang zu fünf unterirdischen Räumen. Und in diesen fanden sich Überreste von Bestattungen, Grabbeigaben und Särgen.

Wichtige Familienmitglieder

«Das Spektakuläre dieses Grabes ist die Identifizierung der hier beigesetzten Personen», sagt Susanne Bickel. Die mumifizierten Überreste deuten auf etwa 50 Personen hin, die im Grab bestattet worden sind. Anhand von beschrifteten ­Keramikgefässen konnten die Basler Ägyptologen jetzt aber über 30 Personen namentlich identifizieren. Es handelt sich dabei um Mitglieder der königlichen Familie, wie die Titel «Königssohn» und «Königstochter» beweisen. Offenbar ­waren es Angehörige der ebenfalls im Tal der Könige bestatten Pharaonen Thutmosis IV. und Amenhotep III., die als 18. Dynastie (14. Jahrhundert vor Christus) regierten. Während der 22. Dynastie (9. Jahrhundert vor Christus) wurden dann nochmals etwa 20 Personen aus dem lokalen Priestertum im gleichen Grab bestattet.

Das Team der Universität Basel stiess neben Erwachsenen auch auf ­einige Mumien von Babys. «Dass solch kleine Kinder ebenfalls schon mumifiziert wurden ist neu und ist ein weiterer Hinweis darauf, dass hier Angehörige des Hofes beigesetzt worden sind», erklärt die Vorsteherin des Fachbereichs Ägyptologie an der Universität Basel. Wer nun spekuliert, am Pharaonenhof habe eine Massenhinrichtung oder eine Epidemie stattgefunden, ist auf der falschen Fährte. «Die Bestatteten sind nicht alle gleichzeitig durch Mord und Totschlag, sondern im Verlauf von 10 bis 20 Jahren einer nach dem anderen gestorben», sagt Susanne Bickel.

Der durch die Grabräuber entfachte Brand hat sich im Grab zwar sehr schnell entfacht und manches zerstört, im Bodenbereich blieben jedoch viele Reste von Gebeinen, Holz und Stoff ­erhalten. Das Grab KV 40 war nicht ­dekoriert, dies blieb im Tal der Könige den Pharaonengräbern vorbehalten. Weshalb allerdings gleichzeitig Beamte ausserhalb dieses Tals ihre Gräber mit grandiosen Alltagsszenen verzieren liessen ist nicht ganz klar. Offenbar war es den Mitgliedern des Königshauses wichtiger, in der Nähe ihres Herrschers und Gottes bestattet zu werden als ausserhalb des Tales. Dafür mussten sie auf eine dekorierte Ruhestätte verzichten.

Funde bleiben im Land

Die gefundenen Überreste wurden während der diesjährigen Forschungskampagne von November bis Februar akribisch aufgenommen und dokumentiert. Dies ist deshalb für die weiteren Untersuchungen in Basel wichtig, weil die Funde selber nicht ausser Landes gebracht werden dürfen. Nicht einmal die Mitnahme von Haut- oder Stoffproben erlauben die ägyptischen Alter­tümerbehörden, und die Basler Ägyptologen halten sich daran. «Wir haben ein sehr gutes Vertrauensverhältnis mit den ägyptischen Behörden und wollen dieses auf keinen Fall aufs Spiel setzen», betont Susanne Bickel. Die gute Zusammenarbeit geht auf die Zeit von Erik Hornung als Vorsteher des ägyptologischen Seminars der Universität Basel zurück. Auf ihn folgte der heutige Rektor Antonio Loprieno, und derzeit hat Susanne Bickel den renommierten Lehrstuhl inne. Die Wertschätzung der Ägypter für die Basler zeigt sich auch darin, dass die hiesige Universität die einzige ausländische Forschungslizenz im Tal der Könige neben einem amerikanischen Team besitzt.

Trotz der schwierigen politischen Lage und den Unruhen im Land stiessen die Ägyptologen während ihrer diesjährigen Kampagne auf keine grösseren Probleme. «Wir konnten in Ruhe arbeiten. Schwieriger ist es für die Einheimischen, die nach dem Wegfall des Tourismus kaum mehr Arbeit finden», sagt ­Susanne Bickel. Einige von ihnen fanden durch die Forschungskampagne nun ­wenigstens während einer gewissen Zeit Arbeit. Aus Basel reiste eine Gruppe von rund 15 Personen nach Luxor. Geleitet wird das Basler Projekt im Tal der Könige von Elina Grothe-Paulin.

Kampagne geht weiter

Seit dem Jahr 2009 sind die Basler Ägyptologen im Tal der Könige tätig und untersuchen dort die nicht königlichen Gräber für die Mitglieder der ­Familie und des Hofes. Das University of Basel Kings Valley Project wird neben der Uni durch die Getrud Mayer-Stiftung und einzelne Sponsoren finanziell unterstützt. Aktuell hofft Susanne Bickel auf Gelder aus dem Nationalfonds. «Wir brauchen jetzt ein Forschungsteam, das sich permanent mit diesen Untersuchungen beschäftigt», erklärt sie. Die Erforschung des Tals der Könige soll auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden, und weitere interessante Funde durch die Basler Ägyptologen sind sehr wahrscheinlich.

Erstellt: 12.05.2014, 13:10 Uhr

Tal der Könige

In der Nekropole wurden bisher 64 Gräber und Gruben aufgefunden


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Die Funde dürfen nicht ausser Landes gebracht werden.

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