Das Rennen gegen die Zeit

Archäologen graben auf einer Baustelle am Bodensee nach Zeugnissen aus der Jungsteinzeit. Sie müssen sich beeilen, denn Bagger fahren auf.

Auf der Suche nach Pfahlbaudörfern: Simone Benguerel, archäologische Ausgrabungsleiterin. (Video: Jan Derrer)

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Die Zeit wird knapp auf der Baustelle am Bodensee in Steckborn. Bedrohlich dröhnen die Baggermotoren. Die Mitarbeiter des Thurgauer Amts für Archäologie lassen sich nicht beirren. Obwohl ihnen nur noch Zeit bleibt bis Freitag, arbeiten sie konzentriert. Sie sichern Zeugnisse von Pfahlbausiedlungen aus der Jungsteinzeit.

Aufschlussreich sind für die Archäologen Erdschichten, die Auskunft geben über verschiedene Siedlungen. Auch fanden sie Scherben, Tierknochen und Werkzeugreste. Die Siedlungen stammen aus dem Zeitraum 3800–2800 v. Chr. Wo die Archäologen jetzt ihr Bestes geben, werden bald schwere Baumaschinen übers Erdreich fahren. Und die jungsteinzeitlichen Siedlungsreste werden unter einem Neubau verschwinden. Es entsteht eine Wohn- und Gewerbeliegenschaft.

Archäologen-Klischee

«Diese Notgrabung zeigt, dass das Klischee vom Archäologen, der stundenlang in sich gekehrt an Scherben herumpinselt, nicht stimmt», sagt Ausgrabungsleiterin Simone Benguerel lachend. «Der Wettlauf gegen die Zeit ist für uns Alltag. Wir versuchen, immer vor Baubeginn aktiv zu werden, damit keine Verzögerungen entstehen.» Denn die Thurgauer Archäologen werden vor allem dann tätig, wenn gebaut wird. «Je mehr gebaut wird, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass archäologische Reste entdeckt werden», erklärt Benguerel.

Über fehlende Arbeit kann sich die Archäologin nicht beklagen. Als Nächstes wird sie in Arbon zu tun haben. Dort wird die Kantonsstrasse verlegt. Im Video berichtet Simone Benguerel über die Notgrabung in Steckborn und präsentiert einige Fundgegenstände.

Erstellt: 11.05.2011, 15:48 Uhr

Notgrabung in Steckborn

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