Der Hassbrief des FBI an Martin Luther King

Derb wurde der US-Bürgerrechtler 1964 in einem Brief beschimpft. Verfasser war der Vize-Direktor des FBI. Jetzt wurde der Inhalt veröffentlicht.

Wurde 1968 ermordet: Martin Luther King. (10. Dezember 1964)

Wurde 1968 ermordet: Martin Luther King. (10. Dezember 1964) Bild: Keystone

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Ein anonymer Hassbrief der US-Bundespolizei FBI an den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King aus dem Jahr 1964 ist erstmals vollständig veröffentlicht worden. Die «New York Times» druckte jetzt die bis auf einen geschwärzten Frauennamen nahezu komplette Version des Schreibens.

Darin wird der Baptistenprediger als «abnorme Bestie» beschimpft und versucht, ihn durch Bekanntmachung seiner ausserehelichen Affären in den Selbstmord zu treiben.

Verfasser des Briefs war der Zeitung zufolge William Sullivan, einer der Stellvertreter des damaligen FBI-Direktors Edgar Hoover. Offenbar war dem Schreiben eine Tonaufnahme mit Beweisen zu Kings Seitensprüngen beigefügt. «Hör Dir selbst zu, Du dreckiges, abartiges Tier», heisst es in dem einseitigen Hassbrief. «All Deine Ehebrüche, Deine Sexorgien bis weit zurück in die Vergangenheit sind aktenkundig.»

Der Brief an Martin Luther King. Eine Version in höherer Auflösung finden Sie auf der Seite der «New York Times». (Quelle: National Archives, College Park, Maryland )

Der Brief war so formuliert, als stamme er aus der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Nachdem King den Brief erhielt, sagte er Freunden der Zeitung zufolge, dass jemand seinen Selbstmord wolle. Tatsächlich heisst es in dem Schreiben: «Zu tun bleibt Dir nur eins. Du weisst, was es ist.» Weiter heisst es: «Du kannst nicht an Gott glauben und Dich so verhalten, wie Du es tust. Du glaubst eindeutig nicht an irgendwelche moralische Prinzipien.»

Der 1972 gestorbene Hoover hielt King für kommunistisch beeinflusst. King warf dem FBI vor, nichts gegen die Gewalt gegen Schwarze in den Südstaaten zu unternehmen.

1963 hielt King in Washington vor etwa 250'000 Menschen seine legendäre «I Have a Dream«-Rede über seinen Traum vom friedlichen Zusammenleben aller Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe. In der Folge wurde die Rassentrennung für illegal erklärt und das Wahlrecht für alle schwarzen US-Bürger festgeschrieben. 1968 wurde der Baptistenprediger von einem weissen Heckenschützen ermordet. (ldc/sda)

Erstellt: 13.11.2014, 20:41 Uhr

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