Die ersten Amerikaner waren Sibirer

Erstmals liegen detaillierte Informationen über die Besiedelung Amerikas vor Tausenden von Jahren vor. 365'000 Erbgutstellen wurden dazu entschlüsselt. Schweizer Forscher haben daran mitgearbeitet.

Menschenströme vor Tausenden Jahren: Die Landbrücke Beringia zwischen Asien (links) und Amerika.

Menschenströme vor Tausenden Jahren: Die Landbrücke Beringia zwischen Asien (links) und Amerika. Bild: Quelle: Wikimedia/DanMS Bearbeitung: Newsnet

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Amerika wurde in drei Einwanderungswellen aus Sibirien besiedelt. Dies ergab die bislang umfassendste genetische Untersuchung von amerikanischen Ureinwohnern. Das internationale Forscherteam mit Schweizer Beteiligung entschlüsselte hierfür 365'000 Erbgutstellen bei 69 indigenen Gruppen von Sibirien bis Lateinamerika.

Die neue Analyse fördert neue Details zur Besiedelung Amerikas zu Tage. Bislang stand einzig fest, das die Vorfahren sämtlicher amerikanischen Ureinwohner vor über 15'000 Jahren über die Landbrücke namens Beringia aus Sibirien eingewandert sind. Wie genau dies vor sich ging, blieb jedoch weitgehend unklar.

Drei Schübe

Nun belegt eine äusserst detaillierte Analyse des Erbguts von 493 Ureinwohnern, dass ihre Vorfahren in insgesamt drei Schüben eingewandert waren: In einem ersten grossen und zwei kleineren. Dies berichten 64 Forschende, darunter solche der Universitäten Genf und Bern sowie des Schweizerischen Institut für Bioinformatik in Lausanne im britischen Fachblatt «Nature».

Die älteste Abstammungslinie stammt aus Asien und ist am weitesten in ganz Amerika verbreitet, wie es in einer Mitteilung des University College London (UCL) heisst. Die zwei folgenden Einwanderungswellen haben lediglich Spuren in arktischen Populationen hinterlassen, die zur Eskimo-aleutischen sowie zur kanadischen Na-Dene-Sprachgruppe gehören.

Doch sogar bei diesen Völkern lassen sich über 50 Prozent ihres Erbguts auf die erste Einwanderungswelle zurückführen, wie die Studie ergab. Dies bedeute, dass die späteren Einwanderer sich mit den bereits ansässigen Ureinwohnern vermischten, als sie in Amerika ankamen.

Wanderung entlang der Küsten

Das Team konnte weiter belegen, dass die Menschen in Amerika vorwiegend entlang der Küsten gewandert sind. Unterwegs spalteten sich einzelne Völker ab und beeinflussten sich danach kaum mehr. Nur in zwei Fällen kam es auch zu einer Rückwanderung: Eine Gruppe in Zentralamerika hat Vorfahren sowohl in Nord- wie auch in Südamerika.

Zweitens tragen gewisse sibirische Völker «Amerikaner-DNA». Dies bedeutet, dass arktische Nordamerikaner zurück nach Asien gewandert waren. «Unsere Studie wirft somit erstmals auch Licht auf die Verbreitungsmuster innerhalb Amerikas», sagte Mitautor Andres Ruiz-Linares vom UCL.

Vermischung mit Europäern und Afrikanern

Diese äusserst genauen Aussagen waren dank der Analyse kleinster Erbgutbausteine möglich, den einzelnen Nukleotiden-Polymorphismen (SNPs). An ihnen lässt sich der Verwandtschaftsgrad sowohl zwischen wie auch innerhalb von Populationen bestimmen. Insgesamt haben die Forschenden 365'000 SNPs untersucht.

Eine innovative Analysemethode der SNPs war nötig, um die verwirrende Mischung mit europäischem und afrikanischem Erbgut nach der europäischen Besiedlung ab 1492 herauszufiltern. «Nur dank dieser konnten wird die drei Einwanderungswellen überhaupt bestimmen», sagte Nicolas Ray von der Universität Genf gemäss einer Mitteilung der Hochschule.

Der Genfer Bioinformatiker trug insbesondere zur geographischen Lokalisierung der Populationen bei. Mit Hilfe des Geographischen Informationssystems (GIS) konnte Ray die Wanderungen der Völker modellieren. «Wir haben verschiedene Bewegungsmodelle angewendet, die den «Weg der geringsten Kosten» suchten», sagte er. Dabei habe sich der Weg entlang der Küsten als der günstigste erwiesen. (ami/sda)

Erstellt: 11.07.2012, 20:22 Uhr

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