Die teuerste Briefmarke der Welt

Für die Briefmarke British Guiana wurde ein Auktionsrekord erzielt: In New York zahlte ein Unbekannter 9,5 Millionen Dollar. Trotzdem ist das Auktionshaus Sotheby's enttäuscht.

Klein, aber oho: Die «British Guiana 1c magenta» ist 9,5 Millionen Dollar wert. (17. Juni 2014)
Video: Reuters

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Für Laien wirkt sie wie ein kleiner Fetzen Papier, magentafarben und nicht viel grösser als ein Daumenabdruck. Aber für Briefmarkensammler ist sie der Mount Everest: Die British Guiana ist bei einer Auktion in New York zur teuersten Briefmarke der Welt geworden.

Auf schwarzem Samt gebettet liegt die British Guiana 1c magenta vorn im Auktionssaal im siebten Stock des New Yorker Sotheby's-Auktionshauses auf einem Sockel hinter Sicherheitsglas. Mit vier Schlägen seines Holzhammers durchbricht Auktionator David Redden die angespannte Stille der Zuschauer im Saal. 4,5 Millionen Dollar ruft er als Startgebot für die Briefmarke auf.

Preis nur schwer zu schlagen

Rund fünf Minuten später hat sich der Preis mehr als verdoppelt und der Hammer ist erneut gefallen: Nach einem Bieterwettstreit geht die British Guiana für 9,5 Millionen Dollar (etwa 8,5 Millionen Franken) an einen per Telefon mitsteigernden anonymen Interessenten – und ist damit die teuerste Briefmarke der Welt.

Ein Auktionsrekord, aber die Magenta-Marke ist auch nichts anderes gewöhnt: Jedes Mal, wenn sie bislang versteigert wurde, hat sie den Weltrekord geknackt, zuletzt 1980, als sie 935'000 Dollar kostete.

Der Preis wird nach Ansicht des Auktionators Redden nur schwer zu schlagen sein. Wahrscheinlich werde der Rekord nur noch übertroffen werden, wenn die British Guiana wieder zur Versteigerung angeboten werde.

Preis viel höher geschätzt

Aber trotz Weltrekord – so richtig zufrieden kann das Auktionshaus mit dem Ergebnis nicht sein, schliesslich war die Marke im Vorfeld auf bis zu 20 Millionen Dollar geschätzt worden.

Bislang galt die schwedische Tre Skilling Banco aus dem Jahr 1855 als teuerste Briefmarke der Welt. Der einzige Fehldruck der Marke – gelb statt grün – wurde 1996 in der Schweiz für 2'875'000 Franken verkauft.

Eine der begehrtesten Marken ist auch die legendäre Blaue Mauritius. Der Einzelpreis des 1847 auf der Insel im Indischen Ozean herausgegebenen kleinen Wertpapiers wird auf bis zu 500'000 Euro (610'000 Franken) geschätzt. Die Rote Mauritius ist in sehr gutem Zustand sogar bis zu 700'000 Euro (rund 850'000 Franken) wert.

Verkritzelte Briefmarke

Zum «Mount Everest der Briefmarken» hatte Auktionator Redden die British Guiana, die wohl 1856 in der damaligen britischen Kolonie British Guiana in Südamerika herausgegeben wurde, vor der Versteigerung ausgerufen.

Für Laien wirkt das Objekt der Begierde auf den ersten Blick schwer zu entziffern: Die Vorderseite ist dunkelmagenta mit schwarzem Druck und Kritzeleien, die Rückseite etwas verblassteres Magenta mit noch mehr Stempeln und Kritzeleien.

Die vielen Markierungen erzählen die bewegte Geschichte der Marke. Neben dem Aufdruck eines Bootes ist auf der Vorderseite eine grosse schwarze Unterschrift zu sehen. «Die Marke wurde eher grob gemacht und der Postchef hatte Angst, dass Menschen sie fälschen könnten. Deshalb hat er jedes einzelne Exemplar von einem Postmitarbeiter signieren lassen», hatte Auktionator Redden bei der offiziellen Vorstellung des Stücks vor einigen Tagen erklärt.

Tausende Exemplare könnte es einmal gegeben haben, jetzt ist aber dem Auktionshaus zufolge nur noch diese eine übrig. Deren Echtheit habe die Königliche Philatelistengesellschaft in London zweimal bestätigt.

Vorletzter Besitzer starb im Gefängnis

Auf der Rückseite der Briefmarke haben sich fast alle einstigen Besitzer der Marke verewigt. Entdeckt wurde das Stück einst der Legende nach wohl von einem 12-jährigen Schüler, der 1873 in den Schränken und Schubladen seiner Familie gekramt hatte. Danach geriet sie irgendwie in die Sammlung des Österreichers Philippe von Ferrary, der als einer der bedeutendsten Briefmarkensammler überhaupt galt.

Im 20. Jahrhundert ging sie durch die Hände zahlreicher US-Millionäre, bis sie 1980 der Chemie-Magnat John du Pont ersteigerte. Er starb 2010 im Gefängnis, wo er eine Strafe wegen Mordes absass. Seine Nachfahren hatten die Marke zur Auktion freigegeben. (chk/bru/sda)

Erstellt: 18.06.2014, 10:28 Uhr

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