Ekeko ist angekommen

Boliviens Präsident Evo Morales hat in La Paz die Steinfigur aus Bern präsentiert – und sich bei der Schweiz für deren Bemühungen bedankt. Bisher unklar ist, was mit Ekeko weiter geschehen soll.

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Mit der Frage um die Bedeutung der 15,5 Zentimeter grossen Steinfigur hält sich der bolivianische Präsident gar nicht erst auf. Gemäss dem Bernischen Historischen Museum handelt es sich laut wissenschaftlicher Expertisen nicht um eine Darstellung der männlichen Gottheit Ekeko, sondern vielmehr um die Verkörperung einer weiblichen Gestalt, die in Bolivien erst seit 2009 als Ekeko angesehen wird. Evo Morales nennt die Figur bei der Präsentation in La Paz schlicht: «unser Ekeko».

Mit der Präsentation Ekekos in La Paz geht eine längere Zeit des Wartens zu Ende: Seit Ekeko Anfang Oktober Bern verlassen hatte, war unklar, wo er untergebracht worden war. Oder wann die Bolivianer ihn erstmals wieder offiziell zu Gesicht bekommen würden.

Entsprechen holt Evo Morales aus, als er die Steinfigur seinen Landsleuten vorstellt. In den Kolonialzeiten sei Bolivien nicht nur seiner natürlichen Ressourcen, sondern auch seiner indigenen Kulturgüter beraubt worden, sagt er im Präsidentenpalast in La Paz vor Journalisten. Auch Ekeko sei vor über 150 Jahren ein «Opfer der kolonialen Invasion» geworden – als der Schweizer Forschungsreisende Johann Jakob von Tschudi nach Tiahuanaco gekommen sei, «bedauerlicherweise unsere Vorfahren mit Cognac zum Trinken gebracht hat» und mit der Figur von dannen gezogen sei.

Was er, Morales, nicht wisse, aber gerne wissen würde, sei, wie viel Geld der Enkel von Johann Jakob von Tschudi erhalten habe, als er Ekeko 1929 dem bernischen Museum verkauft habe, sagt Morales. Dann bedankt sich Morales bei der Regierung der Schweiz für deren Bemühungen bei der Repatriierung der Figur, bevor er einen Appell an alle Staaten richtet, die in der Vergangenheit «in südamerikanische Länder eingefallen sind und Kulturgüter der indigenen Völker geraubt» hätten: «Wir wissen, dass tausende bolivianische Kulturgüter in den Händen anderer Länder sind», sagt der vor einem Monat wiedergewählte bolivianische Präsident. «Jetzt ist Zeit, dass sie uns diese zurückgeben.»

Neues Zuhause noch ungewiss

Was geschieht nun mit der Steinfigur aus Bern? «Ekeko wird nun mit den Yakiris sein», sagt Morales. Yakiris sind in der Aymarakultur hoch angesehene Schamanen, die mit ihren ausserordentlichen Fähigkeiten in der Lage sein sollen, die Menschen zu beschützen. In deren Begleitung werde Ekeko nach Tiahuanaco reisen, «sein Zuhause», wie Morales sagt, aber auch an weitere wichtige indigene Städten, etwa zur Isla del Sol, einer Insel im Titicacasee.

Am 24. Januar dann soll die Figur in La Paz offiziell dem Volk präsentiert werden. Der Termin ist kein Zufall: An diesem Tag beginnt in der Andenstadt die Feria de la Alasita, eine Messe zu Ehren Ekekos, der Gottheit der Fülle und des Wohlstandes. «Alasita» bedeutet in der lokalen Sprache Aymara «Kaufe mich». An der Messe erstehen die Menschen in La Paz Miniaturen von all dem, was ihnen oder ihren Nächsten fehlt – Autos, Geldscheine, Häuser, Fernseher – in der Hoffnung, dass Ekeko die Wünsche in Erfüllung gehen lässt.

Wo die Steinfigur nach der Messe hinkommen wird, ist noch nicht klar. «Es ist noch nicht entschieden, ob er im Nationalmuseum für Archäologie bleiben wird oder nach Tiahuanaco zurückkehrt», sagt Evo Morales.

Nach der präsidialen Präsentation wird die Steinfigur erst einmal wieder zurück ins Depot des Nationalmuseums für Archäologie gebracht. Am 7. November ist sie dort angekommen – ein grosser Moment für den Museumsdirektor Julio Ballivián: «Ich fühlte mich sehr glücklich, als ich sie aus der Verpackung genommen habe. Mich hat ihre Erscheinung beeindruckt», erzählt er.

Das bernische Museum habe bei der Konservierung tolle Arbeit geleistet, der Zustand der Figur sei perfekt. «Und wir werden nun sicherstellen, dass sie für die kommenden Generationen genauso gut erhalten bleibt.»

Nach seiner Ankunft kam das Steinmännchen für gut eine Woche in Quarantäne. «Das Klima in Bern ist feuchter und die Stadt ist tiefer gelegen als La Paz», erklärt der Direktor. Deshalb habe man die Figur in einem Raum ohne Licht und ohne Luftzug untergebracht, damit sie sich «molekular stabilisieren» und an den tieferen Luftdruck und die niedrigere Luftfeuchtigkeit gewöhnen könne.

Rückkehr? Davon steht nichts.

Und wird die Statuette tatsächlich irgendwann wieder in Bern zu sehen sein? Jakob Messerli, der Direktor des Bernischen Historischen Museums, hatte im «Bund»-Interview Ende Oktober gesagt, das Museum in La Paz habe sich verpflichtet, die Figur für zeitlich begrenzte Ausstellungen in Bern zur Verfügung zu stellen. Für Julio Ballivián ist das neu. «Die Übereinkunft, die wir unterschrieben haben, enthält die Absicht, bei der Konservierung, Forschung und Ausstellung zu kooperieren. Dass wir die Figur für eine gewisse Zeit an Bern zurückgeben, davon steht dort nichts drin», sagt er.

Ausgeschlossen sei es aber nicht. Voraussichtlich in der ersten Dezemberwoche werde eine Delegation des bernischen Museums La Paz besuchen. «Dann werden wir die weitere Zusammenarbeit eingehend besprechen.» (Der Bund)

Erstellt: 18.11.2014, 08:15 Uhr

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