Mormonen-Gründer hatte bis zu 40 Ehefrauen

Der Vater der Mormonen-Kirche war nicht so heilig, wie viele glaubten: Joseph Smith ehelichte neben der bisher bekannten Emma viele weitere Frauen, darunter eine 14-Jährige und Angetraute von Freunden.

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Die Führung der Mormonen-Kirche in den USA hat erstmals zugegeben, dass ihr Gründer Joseph Smith bis zu 40 Ehefrauen hatte. Das gab die Kirche nach Angaben der «New York Times» am Montag in einer Serie von Aufsätzen bekannt, die auf ihrer Website veröffentlicht wurden.

Smiths hatte demnach «sorgfältig geschätzte» 30 bis 40 Ehefrauen. Die grosse Spanne deutet schon an, dass von den meisten Frauen kaum etwas bekannt ist. Die Jüngste, Helen Mar Kimball, war die Tochter eines eng befreundeten Paars. Smith ehelichte sie «mehrere Monate vor ihrem 15. Geburtstag», wie es im Artikel «Plural Marriage in Kirtland and Nauvoo» heisst. Die meisten Frauen sollen jedoch zwischen 20 und 40 Jahre alt gewesen sein.

Engel fordert Polygamie

Smith (1805–1844) galt bislang laut mormonischer Kirchenlehre als treuer Ehemann seiner einzigen Ehefrau Emma. Nur widerwillig soll er die Polygamie befürwortet haben, die ihm ein Engel dreimal auftrug – zuletzt mit gezogenem Schwert und unter Androhung, Smith zu vernichten, wenn er nicht gehorche.

Zur Anzahl und dem jungen Alter von Helen Mar Kimball kommt als irritierendes Element von Smith’ Polygamie noch hinzu, dass einige seiner Frauen offenbar bereits mit anderen Männern verheiratet waren. Darunter sollen Ehefrauen von Smiths Freunden und Anhängern gewesen sein. Allerdings habe er wahrscheinlich nicht mit allen Frauen Sex gehabt. Einige seien durch «Siegelung» erst für das Leben nach dem Tod an ihn geschweisst worden. Siegelung ist eine Mormonen-Zeremonie, mit der familiäre Bande über den Tod hinaus geschlossen werden.

Offenheit als Flucht nach vorn

Der Artikel zu Smith’ Polygamisten-Geschichte ist zusammen mit drei weiteren Texten zur Polygamie ohne Ankündigung erschienen und auf der Homepage der Kirche nicht sichtbar. Die Glaubensgemeinschaft versuche, das Thema Mehrehe derzeit mit grösserer Offenheit anzugehen, sagte Richard L. Bushman, emeritierter Professor an der Columbia University und selbst Mormone, der «New York Times». Laut der Zeitung gehen die Mormonen damit in die Offensive angesichts immer zahlreicherer Mutmassungen im Internet. Diese hätten viele Gläubige verunsichert, einige zum Austritt bewogen. Zur neuen Offenheit gehören weitere Artikel zu heiklen Themen wie etwa dem Verbot schwarzer Priester, das erst 1978 aufgehoben worden war.

Die erzkonservative «Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage», wie die grösste Mormonen-Kirche heisst, hat ihren Sitz in Salt Lake City im Bundesstaat Utah und zählt weltweit mehr als zehn Millionen Mitglieder. Sie hat die Polygamie, bei der ein Mann mehrere Frauen heiraten darf, 1890 aufgegeben. Frauen durften nie mehr als einen Mann ehelichen. Viele Mitglieder der Kirche haben in den USA einflussreiche Jobs und arbeiten in Politik und Wirtschaft. Zu ihren prominentesten Mitgliedern gehört der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. (rub)

Erstellt: 11.11.2014, 17:51 Uhr

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