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Spektakuläre Luftaufnahmen: So sah die Schweiz 1919 aus

Für die junge Swissair waren Luftbilder ein wichtiges Geschäft. Ihre Fotografen hielten jahrelang Gletscher, Siedlungen und Fabriken fest. Erstmals ist ein Teil der Aufnahmen nun online verfügbar.

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Rund 100'000 Luftbilder hat das Bildarchiv der ETH-Bibliothek vor einem Jahr übernommen. Die ältesten datieren aus dem Jahr 1919. Aufgenommen hat sie der Flugpionier und Swissair-Mitbegründer Walter Mittelholzer. Die Bedeutung der Luftaufnahmen für die frühe Passagierluftfahrt zeigt der Name des Unternehmens, das Mittelholzer 1919 gründete: Mittelholzer und Co., Luftbildverlagsanstalt und Passagierflüge. Ein Jahr später schloss sich die Firma mit der Ad Astra Aero zusammen, aus der 1931 die Swissair entstand. Auch als technischer Direktor der Swissair fotografierte Mittelholzer weiter; rund 9200 der Aufnahmen stammen von ihm.

«Die Käufer der Aufnahmen waren in der Regel Gemeinden, die damit vielfach Postkarten erstellen liessen», sagt Nicole Graf, die das Bildarchiv der ETH-Bibliothek leitet. «So kamen die Bilder unter die Leute.» Auch Private und Firmen hätten Bilder gekauft. Einige der Aufnahmen zeigen Industrieanlagen. Diese seien möglicherweise im Auftrag der Betriebe fotografiert worden, sagt Graf. Genaue Rückschlüsse über die Entstehung der einzelnen Aufnahmen lässt die Dokumentation der Aufnahmen aber nicht zu. Nur das aufgenommene Objekt sowie das Datum der Aufnahme seien angegeben.

Gerichtsverfahren und Raumplanung

Der Aufwand für die Digitalisierung der Bilder ist gross. Die Aufnahmen müssen ausgepackt und inventarisiert und anschliessend ins Digitalisierungszentrum gebracht werden. Dort werden die Aufnahmen gescannt, bearbeitet und schliesslich in die Datenbank importiert und beschriftet. Pro Bild betrage der Aufwand mindestens eine halbe Stunde, schätzt Nicole Graf. Eine erste Tranche von 14'000 Aufnahmen ist nun im Onlinebildarchiv der ETH-Bibliothek veröffentlicht. Graf hofft, die Digitalisierung der restlichen Bilder bis in einem Jahr abschliessen zu können.

Für private Zwecke seien die Bilder in geringer Auflösung über die Bildersuche von Google abrufbar, sagt Graf. Sie rechnet damit, dass die Bilder auch berufliche Nutzer finden, zum Beispiel Raumplaner oder Architekten, welche die Siedlungsentwicklung nachvollziehen möchten. Auch bei Gerichtsverfahren könnten die Aufnahmen eingesetzt werden, um etwa zu klären, wie genau ein früherer Bau ausgesehen habe.

Der letzte Swissair-Fotograf

Neben Walter Mittelholzer ist vor allem ein Swissair-Fotograf namentlich bekannt. 1960 warb die Swissair den Fotografen Joe Bischofberger der Nachrichtenagentur AP ab. Dieser hatte zuvor einen Toten in der Eigernordwand fotografiert – eine Fotografie, die seiner Arbeitgeberin 80'000 Franken einbrachte. Ganze vierzig Jahre verbrachte Bischofberger schliesslich im Dienst der Swissair.

Im Zeitalter der Satellitenfotografie und von Google Earth ist die Luftbildfotografie heute aber kein einträgliches Geschäft mehr. «Richtige Profis sind am Aussterben», sagt Nicole Graf. Bischofberger blieb der letzte Swissair-Fotograf; die Aufnahmen wurden in die Stiftung Luftbild Schweiz in Dübendorf ausgelagert.

Von der Stiftung gelangten die Aufnahmen nun an die ETH-Bibliothek. Für Bildarchiv-Leiterin Nicole Graf liegt der grosse Wert der Sammlung in der hohen Abdeckung der Schweizer Landschaft über viele Jahre hinweg: «Die Swissair-Fotografen gingen sehr systematisch vor. Immer wieder flogen sie dieselben Strecken ab. Somit decken sie einen grossen Teil der Entwicklung der Schweiz ab.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.02.2013, 10:37 Uhr

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