Greng

Spektakulärer Fund im Murtensee

Archäologen haben diese Woche einen Einbaum gefunden. Ist er ein Werk der Pfahlbauer?

Archäolog Evencio Garcia  zeichnet auf dem Einbaum die Strukturen der Spuren menschlichen Handwerks nach.

Archäolog Evencio Garcia zeichnet auf dem Einbaum die Strukturen der Spuren menschlichen Handwerks nach. Bild: Aldo Ellena /FN

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Ein Team vom Freiburger Amt für Archäologie ist derzeit damit beschäftigt, die Pfähle um den Grengspitz im Murtensee zu dokumentieren und zu kartieren. Dabei machten sie einen sensationellen Fund: In einer Tiefe von 1,6 Metern entdeckten sie einen Einbaum. «Ein ausserordentliches Ereignis», sagt Archäologe Reto Blumer. Ein Einbaum ist ein Boot, das aus einem einzigen Baumstamm gefertigt ist.

Aus welcher Zeit das Boot stammt, kann Blumer noch nicht sagen: «Einbäume haben die Menschen in mehreren Perioden gebraucht.» Es könne sein, dass dieser Einbaum aus der Zeit der Pfahlbauerdörfer stamme. «Klar ist, dass die Pfahlbauer Einbäume sehr oft benutzt haben.» Der Fund könne aber auch aus der Bronzezeit stammen, und die dritte Möglichkeit wäre, dass der Einbaum seit dem Mittelalter auf dem Grund des Murtensees liegt.

Das Holz ist morsch

«Auch sieht es auf einen ersten Blick so aus, als hätten die Menschen den Einbaum mit Werkzeug aus Eisen gefertigt», erklärt Blumer. Experten machen sich nun daran, den Fund zu datieren. Dies geschehe anhand des Holzes und der Jahresringe. «Wir sind sehr froh, dass wir den Einbaum in einem Stück herausholen konnten», sagt Blumer. Denn das Holz sei morsch und der Fund rund 3 Meter lang. «Der Einbaum könnte bis zu 7 Meter lang gewesen sein», so der Archäologe. Er zeigt auf die Bruchstelle. «Das Boot ist gebrochen.» Der zweite Teil wurde nicht gefunden.

«Rund um den Einbaum lagen Steine auf dem Grund des Sees, drei davon im Boot», erklärt Blumer. Dies sei untypisch für den Fundort nahe des Grengspitzes. «Es lässt sich daher vermuten, dass der Einbaum zum Transport von Steinen diente und dabei gebrochen ist.» Knapp eine Tonne Steine hätten neben dem Fundort auf dem Grund des Murtensees in einer Tiefe von 1,6 Metern gelegen. Die Hypothese der Archäologen wird durch die Tatsache gestützt, dass es sich um Steine handelt, die alle ungefähr die gleiche Grösse aufweisen.

Fund wird rasch dokumentiert

Der Einbaum ist 65 Zentimeter breit und auf beiden Seiten rund 16 Zentimeter hoch. «Ursprünglich waren die Seiten wohl 35 bis 40 Zentimeter hoch.» Durch Wellen, Sturm und die Zeit sei das Holz abgebrochen oder verfallen. Neben den mechanischen Einflüssen ist Sauerstoff der grösste Feind von archäologischen Unterwasserfunden. «Solange der Einbaum in einem sauerstoffarmen Milieu ist, wie eben Wasser, kann er noch Hunderte Jahre so erhalten bleiben.»

Das sechsköpfige Archäologenteam war gestern in Merlach deshalb damit beschäftigt, den Einbaum an Land möglichst schnell zu dokumentieren. Dafür erstellen die Experten sowohl 3-D-Fotos wie auch Zeichnungen von Hand. «Der Zeichner erkennt, wo mit welchem Werkzeug in welche Richtung geschlagen wurde», erklärt Blumer. Nach dieser Arbeit kommt der Einbaum wieder in den Murtensee. «Wir werden eine Kiste anfertigen, die den Fund vor Ankern und Schilfpflanzen schützt», sagt Blumer.

Das Team ist noch bis Ende Monat in Merlach tätig. Sie wollen herausfinden, wie gross die dortigen Pfahlbauersiedlungen waren. Der Einbaum war aber ausserhalb einer Siedlung untergegangen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.03.2014, 10:06 Uhr

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