Adolf Hitler hatte doch nur einen Hoden

Die Missbildung seiner Genitalien galt lange als Gerücht. Ein lange verschollenes ärztliches Dokument zeigt, dass der Nazi-Führer an Kryptorchismus litt.

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«Hitler has only got one ball», sangen britische Soldaten während des Zweiten Weltkriegs. Damals wurde dies als üble Propaganda der Allierten abgetan. Doch hinter dem Schmäh-Lied steckt offenbar die Wahrheit. Wie die Zeitung «Welt» berichtet, ist ein offizielles Dokument aufgetaucht, das beweist, dass Adolf Hilter nur einen Hoden besass.

Peter Fleischmann, Direktor des Münchner Hauptstaatsarchivs, stiess auf ein Dokument aus dem Jahre 1923, das eine Missbildung der Genitalien des nationalsozialistischen Führers beschreibt. Nach einem gescheiterten Putschversuch landete Hitler im Gefängnis Landsberg. Dort untersuchte ihn der Anstaltsarzt Josef Brinsteiner. Der damals 34-jährige Hitler sei «deprimiert und körperlich angeschlagen» gewesen, schreibt Brinsteiner in seinem Bericht. Der Arzt stellte bei der Behandlung seines Patienten einen «rechtsseitigen Kryptorchismus» fest.

Gerücht der Hodenentfernung

Bei Menschen, die an dieser Missbildung leiden, ist der Hoden bereits als Baby nicht auffindbar. Während bei gesunden Menschen der Hoden in der Entwicklungsphase durch den Hodenleiter in den Hodensack wandert, bleibt er bei Patienten mit Kryptorchismus im Leiter stecken. «Dort verkümmert er», sagt Fleischmann der Zeitung.

Die historischen Aufzeichnungen widersprechen einem Dokument aus den sechziger Jahren. In einem Gesprächsprotokoll vertraute der deutsche Militärarzt Johan Jambor damals einem Priester an, dass Hitler ein Hoden operativ entfernt werden musste. Er habe im Ersten Weltkrieg 1916 bei der Schlacht an der Somme eine «Verwundung in der Leistengegend» erlitten. Jambor will Hitler behandelt und die Hodenentfernung vorgenommen haben. Die erste Frage seines Patienten sei danach gewesen, ob er noch Kinder bekommen könne.

Während Jahrzehnten verschollen

Nach Angaben der «Welt» seien dies nur Gerüchte. Die Aufzeichnungen aus dem Münchner Archiv seien hingegen als deutlich zuverlässiger einzustufen. Arzt Brinsteiner habe Mitleid mit dem NSDAP-Chef gehabt. Dass er selbst Nationalist war, mache die Diagnose umso glaubwürdiger. Hätte ein Linker den Kryptorchismus festgestellt, hätte es leicht als Verunglimpfung abgetan werden können, erklärt Historiker Fleischmann.

Die Dokumente Brinsteiners galten lange als verschollen. Erst 2010 tauchten sie bei einer Versteigerung wieder auf. Die Aufzeichnungen wurden aber umgehend vom Freistaat Bayern beschlagnahmt und ins Münchner Archiv gebracht. Dort nahm sich Fleischmann den Berichten an und veröffentlichte am Freitag ein 552-seitiges Buch mit den wesentlichen Auszügen aus Brinsteiners Dokumenten. (dia)

Erstellt: 19.12.2015, 12:10 Uhr

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