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Dresden-Bombardierung: Viel weniger Todesopfer

Bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar des Jahres 1945 hat es nach Einschätzung von Experten maximal 25'000 Tote gegeben. Bislang ging man von 35'000 aus.

Trümmerlandschaft: Das Zentrum von Dresden nach den Luftangriffen.
Trümmerlandschaft: Das Zentrum von Dresden nach den Luftangriffen.
Keystone

In Dresden seien damals maximal 25'000 Menschen ums Leben gekommen, erklärte heute die von der Stadt Dresden beauftragte Historikerkommission bei der Vorstellung eines Zwischenberichtes. Bislang seien 18'000 Luftkriegstote nachgewiesen worden. Ein endgültiges Ergebnis wollen die Experten nach Auswertung weiterer Quellen im kommenden Jahr vorlegen. Sie schliessen aus, dass sich die Zahl der Opfer im Verlauf der weiteren Untersuchungen noch wesentlich ändern könnte. Dresden war am 13. und 14. Februar 1945 bei Luftangriffen der Alliierten schwer zerstört worden. Bisherigen Schätzungen zufolge kamen dabei bis zu 35'000 Menschen ums Leben.

Die Historikerkommission war im Jahr 2004 eingesetzt worden, um Klarheit über die Zahl der Opfer zu erhalten und Rechtsextremisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Neonazis hatten in den vergangenen Jahren versucht, die Bombenangriffe auf deutsche Grossstädte in einen deutschen «Holocaust» umzudeuten und die Trauer um die Toten für ihre Zwecke zu missbrauchen. Sie sprachen von einer halben Million Todesopfern in Dresden. Sogar von einer Million war die Rede gewesen.

Viele Unterlagen erstmals gesichtet

Bei ihren Untersuchungen stützen sich die Historiker vor allem auf Archivmaterial. Allein im Dresdner Stadtarchiv seien 780 laufende Meter Akten ausgewertet worden, hiess es. Viele Unterlagen seien erstmals gesichtet worden. Zudem wurden ferner Dutzende Zeitzeugen befragt. Die Wissenschaftler sind sich im Ergebnis sicher, dass die im Bombenhagel zerstörten Häuser und Luftschutzkeller sorgfältig geräumt wurden. Die Mehrzahl der Toten sei in den Kellern erstickt oder von einstürzenden Mauern erschlagen worden.

Die Kommission erklärte, sie könne belegen, dass auswärtige Todesopfer des Luftkriegs von den Behörden ebenfalls erfasst worden seien. Auch deute nichts darauf hin, dass Menschen im Feuersturm rückstandslos verbrannt sein könnten. Vielfach war bislang vermutet worden, dass viele Todesopfer unter den Flüchtling nicht registriert worden sein könnten. In Dresden hielten sich Anfang 1945 viele tausend Flüchtlinge aus dem Osten auf.

Akten «bemerkenswert geordnet»

Die Experten erklärten, nach den Recherchen sei die Bergung, Registratur und Bestattung der Luftkriegstoten in Dresden «bemerkenswert geordnet» verlaufen – gemessen an der Situation in der schwer zerstörten Stadt. Stadtverwaltung und Polizei in Dresden waren nach Angaben der Historiker 1945 zunächst von rund 25'000 Opfern ausgegangen.

Nach späteren Untersuchungen schätzte die Stadtverwaltung die Zahl der Opfer dann auf etwa 35'000 Menschen und legte sich zu DDR-Zeiten ab 1965 auf diese Grössenordnung fest. Die nationalsozialistische Propaganda hatte bereits kurz nach der Bombardierung Dresdens im neutralen Ausland mehrfach höhere Opferzahlen bis zu 200'000 Opfern verbreiten lassen.

AP/raa

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