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Eismann Ötzi ohne Nachkommen

Ötzi hat offenbar keine lebenden Nachfahren. Die genetische Linie des Tiroler Eismanns starb in den rund 5000 Jahren nach seinem Tod aus.

Der Mann aus dem Eis als Wissenslieferant: Ötzi bei einer Probenentnahme in Bolzano im September 2000.
Der Mann aus dem Eis als Wissenslieferant: Ötzi bei einer Probenentnahme in Bolzano im September 2000.
Keystone

Britische und italienische Forscher um Franco Rollo von der italienischen Universität Camerino hatten erstmals das Erbgut in den so genannten Mitochondrien von Ötzis Zellen komplett entziffert: die mitochondriale DNA. Die Analyse der Forscher überrascht nun die Fachwelt. Ötzis Typ mitochondrialer DNA ist bislang unbekannt. Frühere Untersuchungen von Ötzis Erbgut hatten gezeigt, dass der Eismann einer «K» genannten genetischen Linie angehörte.

Fachleute sprechen auch vom «Haplotyp K», zu dem heute noch auch rund acht Prozent aller Europäer gehören. Ötzi fällt in die Subgruppe «K1», die sich wiederum in drei Teilgruppen aufspaltet. Wie die nun vorgestellte Untersuchung zeigt, passt Ötzis Erbgut jedoch in keine dieser drei Teilgruppen.

Erbgut-Zweig nach Ötzi benannt

«Das bedeutet nicht, dass Ötzi spezielle persönliche Mutationen aufwies, die ihn von anderen unterschieden; in der Vergangenheit gab es eine Gruppe von Männern und Frauen, die die gleiche mitochondriale DNA besassen wie er», sagte Franco Rollo dem Fachmagazin «Current Biology», in dem die Studie publiziert wurde.

Die Abstammungslinie sei später vermutlich ausgestorben, schreiben die Forscher. Denkbar ist aber auch, dass die Abstammungslinie Ötzis extrem selten geworden ist und bei genetischen Untersuchungen bisher einfach noch nicht entdeckt wurde. Die Forscher nennen die neu entdeckte Abstammungslinie nun «Ötzis Zweig».

Ein Fenster in die Vergangenheit

Mitochondriale DNA wird ausschliesslich von der Mutter an die Nachkommen vererbt und vermischt sich nicht mit väterlichem Erbgut. Da sie sich deshalb nur langsam verändert, stellen Analysen der mitochondrialen DNA sozusagen ein Fenster in die Vergangenheit dar. Sie erlauben Aussagen über die Herkunft von Menschen und ihre Verwandtschaft untereinander.

Ötzi war vor 5300 Jahren im Alter von etwa 46 Jahren gestorben. Er wurde von einem Pfeil getroffen und dann vermutlich mit einem Keulenschlag getötet. Seine mumifizierte Leiche wurde 1991 nahe der österreichisch-italienischen Grenze gefunden und wird seit 1998 im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt.

Die genetischen Analysen an dem Eismann sind möglich, weil Forscher Ötzi im Jahr 2000 vollständig aufgetaut und ihm eine Darmprobe entnommen hatten. Mit der Untersuchung des italienisch-britischen Forschungsteams liegt nun auch die derzeit älteste Genom-Sequenz von mitochondriale DNA eines modernen Menschen vor.

SDA/raa

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