Zum Hauptinhalt springen

Geschichtslektionen eines ehemaligen RAF-Mitglieds

Karl-Heinz Dellwo veröffentlicht die DVD-Reihe «Bibliothek des Widerstands» mit 100 Dokumentarfilmen über weltweite Protestbewegungen – auch zwei Werke aus der Schweiz sind dabei.

Stockholm im April 1975: Sechs Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) besetzen die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. Einer davon ist Karl-Heinz Dellwo. Das «Kommando Holger Meins» will Andreas Baader, Ulrike Meinhof und andere Mitglieder aus der Haft freipressen.

Zwei Gefangene werden erschossen. Nachdem die Terroristen versehentlich einen Sprengsatz zünden, eskaliert die Situation und die Polizei stürmt das Gebäude. Karl-Heinz Dellwo wurde für seine Beteiligung zu zweimal lebenslänglich verurteilt und sass mehr als 20 Jahre in Haft.

Der Gewalt hat Dellwo nach seiner RAF-Zeit öffentlich abgeschworen, seinen linken Idealen ist er treu geblieben. Im Gespräch mit «3Sat» sagt er: «Ich würde immer den Satz zitieren: «Die Revolte ist gerechtfertigt. Ich würde aber sofort die Einschränkung machen und sagen: Sie ist gerechtfertigt. Aber nicht alles, was in ihr passiert, ist richtig.»

Und so geht für den 58-Jährigen der Kampf mit der «Bibliothek des Widerstands» weiter – ohne Waffen, aber mit einer gigantischen Dokumentationsreihe über den «Kampf des linken Widerstands». Die Serie des Laika Verlag, die einmal 100 DVDs umfassen soll, zeigt Filme der Protestbewegungen seit den 1960er Jahren. Für sein Werk hat Dellwo auf der ganzen Welt nach Material des internationalen linken Widerstands gesucht. Die Aufnahmen waren teilweise nur noch in Fragmenten vorhanden und mussten aufwändig restauriert werden. Die Welt sei ungerecht, das sei ein Tatbestand, sagt Dellwo zur Motivation der Filmreihe. Wer nur schon die Nachrichten verfolge und sich mit Fragen von Arm und Reich beschäftige, sehe das. Dagegen müsse man ankämpfen.

Schweizer Filme «Krawall»...

Jeden Monat erscheint eine neue Folge, die neben der DVD auch ein Begleitbuch enthält. Den Anfang machte eine Dokumentation über den Besuch des Schahs von Persien in Deutschland am 2. Juni 1967. Bei den Ausschreitungen stirbt Benno Ohnesorg. Dieses Ereignis hat zur Radikalisierung der Studentenbewegungen geführt. In der 100-teiligen Reihe spannt Dellwo den Bogen bis zu den Strassenkämpfen in Athen 2008.

Zuletzt ist die Schweizer Politdokumentation «Krawall» aus dem Jahr 1970 erschienen. Jürg Hassler zeigt darin, wie Ende 1968 junge Menschen in der Schweiz beginnen sich zu verweigern, zu organisieren und zusammenzuschliessen. Autor Jürg Hassler gehörte selber zu diesen Jugendlichen, die sich aufbäumten.

«...und «Züri brännt»

Als zweite Schweizer Produktion wird in der Reihe auch «Züri brännt» aus dem Jahr 1981 erscheinen. Aktivisten des 1977 gegründeten Videoladens filmten im Sommer 1980 unter anderem die Proteste vor dem Zürcher Opernhaus, mit denen Jugendliche gegen einen Millionenkredit von 62 Millionen Franken an die Hochkultur protestierten.

Der «Opernhauskrawall» war nur eine von zahlreichen Demonstrationen, Besetzungen und weiteren Aktionen, mit welchen die Jugendlichen gegen «die Behäbigkeit und den verstaubten Mief des konservativen Bürgertums in der Zwinglistadt» aufbegehrten. Beharrlich forderten sie Raum und Geld für ihre Anliegen. «Züri brännt» wurde an den Solothurner Filmfesttagen und anausländischen Filmfestivals gezeigt. Der schwarz-weisse Streifen wurde 2005 restauriert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch