Pharaonen und Raumfahrt

Die Hoffnung auf weitere Kammern im Grab des Tutanchamun zerschlug sich, dafür fand man ausserirdische Gegenstände.

Ein faszinierender Krüppel: Die Mumie Tutanchamuns im Tal der Könige bei Luxor. Foto: Ben Curtis (Keystone)

Ein faszinierender Krüppel: Die Mumie Tutanchamuns im Tal der Könige bei Luxor. Foto: Ben Curtis (Keystone)

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Lichtenberg schrieb einmal: «Es wurde ein Blumenkörbchen angekündigt, und siehe da, es erschien ein Kartoffelsäckchen.» Und so ist es.

Das Kartoffelsäckchen der Woche kommt aus Ägypten. Dort hatte der Archäologe Nicholas Reeves eine sensationelle Entdeckung gemacht: Hinter zwei Wänden des Grabs von Tutanchamun hatte er mit Scannern neue Räume entdeckt. Seine Vermutung war, dass dahinter das Grab von dessen Siefmutter Nofretete liegen könnte.

Es war eine der Nachrichten, bei denen man das Kinderglück spürte, zu leben – und noch lang genug zu leben, um das Geheimnis gelüftet zu sehen: ein unversehrtes Grab von vor 3300 Jahren, so wie 1922 Howard Carter die Grabstätte Tutanchamuns entdeckt hatte.

Zwar war Tutanchamun kein bedeutender Pharao gewesen. Er war mit 19 gestorben, nach einem wahrscheinlich qualvollen Leben: Als Sohn von Pharao Echnaton und seiner Schwester hatte er Klumpfuss, Hasenzähne, schmerzhafte Knochenkrankheiten. Im Grab fand man auch zwei winzige mumifizierte Körper: seine beiden totgeborenen Töchter.

Und trotzdem verbreitete Tutanchamun im Tod Pracht und Träume, weil sein Grab über die Jahrtausende ungeplündert blieb – und wer als Kind Archäologiebücher gelesen hat, träumte von mehr. Bis diese Woche Tests mit besseren Scannern gemacht wurden. Und die fanden: nichts. Keine Hohlräume, keine Geheimtüren, nichts.

Es war die gleiche Enttäuschung wie mit anderen Kinderträumen: Marsraumschiffe oder Unterwasserstädte. Je älter man wird, desto mehr versteht man den Satz von William S. Bourroughs: «Wo sind die Individualhelikopter geblieben, die einem immer versprochen wurden?»

Bis ... bis gestern Nachmittag, als die Meldung kam, dass ein Dolch, den man neben Tutanchamuns Mumie fand, wegen seines Nickel- und Kobaltanteils keinesfalls irdischer Herkunft ist: Er wurde aus dem Eisenerz eines Meteoriten geschmiedet.

Das war ein Trost. Das Blumenkörbchen blieb zwar aus, aber siehe da, es erschien ein Kartoffelsäckchen ausserirdischer Herkunft.

Erstellt: 03.06.2016, 20:22 Uhr

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